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Warum die Eisbachwelle in München so wichtig ist

München

Schwappt die Münchner Eisbachwelle in den Wahlkampf?

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    Ein Schild an einem Zaun neben dem Eisbach warnt vor Lebensgefahr für alle, die sich aufs Wasser wagen. An Weihnachten wurde trotzdem auf einer illegalen Rampe gesurft.
    Ein Schild an einem Zaun neben dem Eisbach warnt vor Lebensgefahr für alle, die sich aufs Wasser wagen. An Weihnachten wurde trotzdem auf einer illegalen Rampe gesurft. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Wie sieht es an der Eisbachwelle gerade aus?

    Trist und grau. Wo sich normalerweise selbst bei Schneefall und Frost Surfer in ihren Neoprenanzügen in die Fluten stürzen, stehen jetzt Bauzäune. Die Stadtverwaltung München hat sie mit Schildern versehen: „Warnung! Keine surfbare Welle! Lebensgefahr!“ Beim Blick herab von der beliebten Zuschauerbrücke an der Prinzregentenstraße ist zwar im linken Teil des Bachs eine Mini-Welle zu sehen. Sonst: Nur weiß schäumendes Wasser.

    Warum schlägt das Verschwinden der Attraktion so hohe Wellen?

    Das versteht man wohl nur als Münchnerin oder Münchner. „Haben wir keine anderen Sorgen?“, ärgern sich Auswärtige. Ein Kommentator der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fragt gar: „Ist den Münchnern mit ihrer Eisbachwelle auch der Verstand abhandengekommen?“ Nur: Die Welle steht in München für ein Lebensgefühl. Das sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) immer wieder. Der Englische Garten ist das grüne Herz Münchens – und für viele, die den Park besuchen, gehört ein kurzer Stopp bei den Eisbachsurfern fest dazu. Es gibt junge Menschen, deren Eltern schon vor 40 Jahren auf der Welle ritten. Und Reiseführer weltweit preisen den „Eisbach River“ für seine „einzigartige urbane Surfkultur“. Die Welle ist also ein wichtiger Tourismusfaktor. Kehrt sie nicht zurück, könnte sie sogar Wahlkampfthema sein.

    Warum ist die Welle nicht mehr da?

    Sie hat sich nach einer Bachsäuberung Ende Oktober, für die der Wasserspiegel gesenkt worden war, nicht wieder aufgebaut. Vermutet wird, dass das Reinigungsteam zu viel Sediment entfernt und so den Lauf des Wassers verändert hat.

    Blick von der Zuschauerbrücke am Dienstag: Die Münchner lieben ihre Eisbachwelle, auch wenn sie gerade nicht da ist.
    Blick von der Zuschauerbrücke am Dienstag: Die Münchner lieben ihre Eisbachwelle, auch wenn sie gerade nicht da ist. Foto: Sarah Ritschel

    Seit die Welle weg ist, streiten Surfer und Stadt. Welche Position vertritt die Verwaltung?

    Die Stadt ist auf maximale Sicherheit bedacht. Denn mit der Welle war es immer schon kompliziert. Der Grund gehört zwar der Stadt, sie ist offiziell für die Welle verantwortlich. Doch eine Allgemeinverfügung erlaubt das Surfen auf eigene Gefahr. Besonders seit dem Tod einer 33-jährigen Surferin Mitte des Jahres aber ist die Stadt vorsichtig geworden. Eine neu erlassene Regelsammlung verbietet zum Beispiel jegliche Einbauten, die die Welle wieder stabilisieren könnten. Aus Sicht der Verwaltung könnten sie unerwartet aus dem Wasser schnellen. Deshalb ließen die Behörden eine illegale Holzrampe wieder entfernen, mit der unbekannte Surfer die Welle an Weihnachten kurzzeitig hatten auferstehen lassen.

    Wie argumentieren die Surfer?

    Die offiziellen Vertretungen der Sportler werfen der Stadtverwaltung kurz gesagt eine Verhinderungstaktik vor. „Sicherheit wird von den Behörden nicht als gestaltbare Aufgabe verstanden, sondern als pauschales Totschlagargument“, wetterte etwa der Surfclub München. Der Club und die Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) hatten auf 50 Seiten einen wissenschaftlich begleiteten Versuch ausgearbeitet und bei der Stadt eingereicht: Sie wollten drei Rampen ähnlich der von Weihnachten aufbauen und Kies aufschütten, damit die Welle sich wieder formieren kann. Doch jüngst haben sie den Antrag auf Eis gelegt.

    Warum?

    Die Surfer kritisieren die Auflagen als unerfüllbar. Demnach sollten sie nicht nur Kosten und Haftung übernehmen, sondern auch technische Nachweise „auf dem Niveau von Brücken- oder Staubauwerkerrichtungen“ liefern. Zudem müsste im dreimonatigen Versuchszeitraum „eine Person 24 Stunden erreichbar und innerhalb von 30 Minuten vor Ort sein, um die Rampen entfernen zu können“. Das sei nicht zu leisten – zumal es fünf Personen bräuchte, um die Rampen abzubauen.

    Wie geht es jetzt weiter?

    Bei dieser Frage zeigt sich, dass die beiden Surfer-Vertretungen unterschiedliche Strategien verfolgen. Der Surfclub München sagte unserer Redaktion am Dienstag: „Wir erwarten uns von den maßgeblichen Politikern – Oberbürgermeister, Bürgermeister und Bürgermeisterkandidaten – ein glasklares Ja zur Eisbachwelle.“ In diesem Zitat schwingt es mit: Die Welle hat noch genügend Kraft, um den Politikbetrieb vor der Kommunalwahl am 8. März gehörig aufzuwirbeln. Ohne politische Zusage sieht der Surfclub „keinen Grund, mit der Verwaltung über Punkte zu reden, die in langen Gesprächen über Monate hinweg nicht gelöst werden konnten.“

    Die bekanntere IGSM ist nach eigenen Angaben „an keiner weiteren Eskalation interessiert“. Wenn die Auflagen für den Versuch angepasst werden, will die IGSM ihn weiterverfolgen. „Wir sind auch für alternative Vorschläge seitens der Stadtverwaltung offen und wünschen uns zeitnahe Gespräche mit den politisch Verantwortlichen.“

    Könnte die Welle auch einfach so zurückkehren?

    Möglicherweise. „Sie wird sich vermutlich auch ohne Zutun irgendwann wieder ausbilden“, meint die IGSM. „Wie lange es dauert und ob sich ohne Nachhilfe überhaupt eine an 365 Tagen surfbare Welle wieder einstellt, ist jedoch völlig ungewiss.“

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