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Wie realistisch sind Söders Mini-AKW?

Energiepolitik

Wie realistisch sind Söders geforderte Mini-Atomkraftwerke?

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    So sieht ein Mini-Atomkraftwerk in China aus. Trotz des Atomausstiegs hat Ministerpräsident Markus Söder Bayern als Standort für ein Pilotprojekt für solch ein kleines Kraftwerk vorgeschlagen.
    So sieht ein Mini-Atomkraftwerk in China aus. Trotz des Atomausstiegs hat Ministerpräsident Markus Söder Bayern als Standort für ein Pilotprojekt für solch ein kleines Kraftwerk vorgeschlagen. Foto: Xinhua/Zhang Boqun, dpa

    Mini-AKW, sogenannte Small Modular Reactors (SMR), werden in der politischen Debatte als mögliche Alternative zu klassischen Atomkraftwerken gehandelt. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wirbt für das Konzept. Doch wie realistisch ist es? Ein Faktencheck.

    Unter dem Begriff SMR werden verschiedene Reaktortypen zusammengefasst. Gemeint sind kleinere Kernreaktoren, die aus vorgefertigten Modulen zusammengesetzt werden. Wie sie funktionieren, unterscheidet sich je nach Konzept.

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    Gibt es Mini-AKW überhaupt schon?

    Kleinere Reaktoren werden bislang nur in Russland und China betrieben. Geplant sind SMR in Polen und Tschechien. Länder wie die Niederlande führen bereits Studien zu möglichen Standorten durch. Auch Großbritannien und Frankreich fördern die Entwicklung und den Bau von SMR. Das Tochterunternehmen des staatlich-französischen Energieversorgers Électricité de France (EdF), Nuward, überarbeitet bis Mitte 2026 ein eigenes SMR-Projekt. „Viele Konzepte sind noch weit von einer praktischen Anwendung entfernt“, sagt Atomenergie-Experte Alexander Wimmers von der TU Berlin.

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    Wie schnell können SMR gebaut werden?

    Selbst unter günstigen Bedingungen dürfte es lange dauern, bis Mini-AKW Strom liefern. Neben Standortfragen, Finanzierung sowie Konzeptentwicklung und -zulassung kommen Genehmigungsverfahren und Bau dazu. Wimmers schätzt, dass es mindestens 15 Jahre dauert, bis der erste SMR in Europa im Betrieb geht. Und das wäre auch erst ein „Prototyp“.

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    Wären Mini-AKW wirklich günstiger?

    Befürworter sehen in Small Modular Reactors vor allem einen Vorteil: Sie sollen günstiger gebaut werden als klassische Atomkraftwerke. Die Idee dahinter: Einzelne Module könnten industriell vorgefertigt und vor Ort zusammengesetzt werden. Das soll Bauzeiten verkürzen und Investitionskosten senken.

    Schätzungen zeigen, in welcher Größenordnung sich die Kosten bewegen könnten: Für einen kleinen Reaktor mit rund 300 Megawatt Leistung werden derzeit etwa 1,3 bis 2,4 Milliarden Euro veranschlagt. Wie realistisch diese Zahlen sind, lässt sich bislang kaum überprüfen. Ein Beispiel aus den USA zeigt die Unsicherheit: 2023 wurde ein Vorzeigeprojekt für sechs Mini-AKW gestoppt. Der Grund war vor allem eine Kostenexplosion von 4,2 Milliarden auf 9,3 Milliarden Dollar. Trotzdem investieren Staaten weiter. So will die britische Regierung Milliarden für ein erstes Projekt von Rolls-Royce in Wales bereitstellen.

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    Wohin mit dem Atommüll?

    Auch Mini-AKW produzieren radioaktive Abfälle. Das Grundproblem bleibt: Der Müll muss über sehr lange Zeit sicher gelagert werden. Für ihn seien auch tiefengeologische Endlager erforderlich, heißt es vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearischen Entsorgung (BASE), die es allerdings bis heute nicht in Deutschland gibt. Aktuell wird der Atommüll an verschiedenen deutschen Standorten zwischengelagert, darunter drei in Bayern – Isar, Gundremmingen und Grafenrheinfeld.

    Söder nannte in der Bild die Idee, Atommüll als Brennstoff weiterzuverwenden. Dieser Vorgang wird als Partitionierung und Transmutation (P&T) bezeichnet. Dabei können einzelne problematische Stoffe zwar reduziert werden, jedoch entsteht anderer radioaktiver Abfall. Teilweise sogar in größeren Mengen. Dieses Verfahren ist zudem nur für abgebrannte Brennstäbe anwendbar, heißt es vom zuständigen Bundesamt.

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    Wie sicher sind Mini-AKW?

    Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) weist darauf hin, dass noch weitere Untersuchungen nötig seien, um Risiken genauer bewerten zu können. Erste Abschätzungen zeigen, dass bei bestimmten Reaktortypen im Störfall auch Schutzmaßnahmen außerhalb der Anlage erforderlich wären.

    Mini-AKW könnten zwar pro Anlage weniger radioaktives Material enthalten. Für die gleiche Strommenge, die ein großes Kraftwerk produzieren würde, wären jedoch deutlich mehr Reaktoren nötig. Damit steigt auch die Zahl möglicher Standorte, an denen es zu Störfällen kommen kann. Ein Gutachten des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearischen Entsorgung kommt zu dem Schluss, „dass grundsätzlich durch SMR-Konzepte kein höheres Sicherheitsniveau erreicht wird.“

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    Wie realistisch sind SMR in Deutschland?

    In Deutschland ist der Bau neuer Atomkraftwerke derzeit rechtlich ausgeschlossen. Laut Atomgesetz werden für die gewerbliche Stromerzeugung keine neuen Anlagen genehmigt. Das gilt grundsätzlich auch für einzelne Testanlagen oder Prototypen. In jedem Fall wären politische Entscheidungen und Gesetzänderungen notwendig. Zudem befinden sich viele SMR-Konzepte noch in der Entwicklung. Bis erste Anlagen in Europa tatsächlich in Betrieb gehen, dürfte es noch Jahre dauern.

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