Mark Zuckerberg ist ein hochintelligenter Mensch und er weiß um die Wirkung seiner Person. Der smarte, junge Facebook-Gründer ist das (sympathische) Gesicht des Konzerns. Wenn der 33-Jährige Sätze sagt wie "Das war ein großer Fehler. Es war mein Fehler", soll das signalisieren: Ich habe verstanden. Ich habe alles im Griff. Alles wird gut.
Der hochprofessionelle, aalglatte und perfekt vorbereitete Auftritt vor dem US-Senat sollte vor allem Vertrauen zurückgewinnen (lesen Sie dazu: Das waren Mark Zuckerbergs wichtigste Aussagen). Das der US-Politik, das der Nutzer - vor allem aber auch das der Investoren. Und zumindest an diesem Punkt war der Facebook-Chef erfolgreich: Die Aktie des Sozialen Netzwerks schnellte im Verlauf des Tages um 4,5 Prozent nach oben. Gelungene Krisen-PR nennt man so etwas.
Wie viel Wille und Spielraum hat Facebook zu einer Neuausrichtung?
Allerdings: Ein Sorry allein reicht nicht mehr. Denn wie aufrichtig und nachhaltig Zuckerbergs Besserungsversprechen sind, daran darf man berechtigte Zweifel haben. Das skrupellose Sammeln und Monetarisieren von Nutzerdaten ist die DNA von Facebook. Damit macht der Konzern seine Milliardengewinne. Selbst wenn hier ein radikaler Paradigmenwechsel gewünscht wäre, würde eine derart komplexe Neuausrichtung vermutlich Jahre dauern. Zu groß ist die Dimension der Versäumnisse, was allein die Ankündigung Zuckerbergs zeigt, nun tausende (!) Dritt-Apps auf mögliche Daten-Missbräuche prüfen zu wollen. Und dementsprechend ist auch der Ruf nach einem werbefreien Facebook keine wirklicher Lösungsansatz, eher eine Blendgranate. Daten würden höchst wahrscheinlich auch bei solchen kostenpflichtigen Nutzer-Accounts erhoben.
Die Antwort auf den Datenskandal darf daher nicht Facebook überlassen werden. Die Politik muss sie geben. Der Gesetzgeber muss in einem so komplizierten Bereich wie der Datenverarbeitung seine Bürger schützen und Konzernen wie Facebook ganz klare Spielregeln auferlegen. Dass ein einschneidender Impuls zur Regulierung hier aus den USA kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Die Techbranche ist für die Amerikaner ähnlich wichtig wie die Automobilindustrie für Deutschland.
Umso bemerkenswerter ist es, dass die EU hier eine Vorreiterrolle einnimmt. Die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die ab 25. Mai in Europa in Kraft tritt, ist zwar ein bürokratisches Monster, das vor allem kleineren und mittleren Unternehmen derzeit schwer zu schaffen macht. In der Auseinandersetzung mit den großen Techkonzernen um den Schutz von Nutzerdaten ist die Verordnung jedoch ein mächtiges Instrument. Sie beinhaltet strenge Regeln zur Verarbeitung personenbezogener Daten durch Unternehmen. Bei Verstößen drohen empfindliche Strafen bis zu einer Höhe von vier Prozent des Jahresumsatzes. Bei so einer Zahlung hätte vermutlich auch der smarte Zuckerberg Probleme, seine Investoren zu besänftigen.
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