Am Freitagmittag bestätigte die Oberstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main gegenüber AZ-Online, dass es sich bei dem festgenommenen Mann nicht um den Betreiber der Webseite isharegossip.com handelt. Der Mann befindet sich wieder auf freiem Fuß. "Es handelt sich um einen Trittbrettfahrer", sagte der Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft Günter Wittig. Der Mann sei ein 25 Jahre alter Arbeitsloser aus Lübeck und definitiv nicht der Betreiber der umstrittenen Internetseite, so Wittig weiter.
Auf der Seite isharegossip.com werden seit Monaten Schülerinnen und Schüler verunglimpft, beschimpft und beleidigt. Die in der Anonymität agierenden Betreiber rufen dazu auf, auf ihrer Seite Gruppen zu Schulen einzurichten und dann über Mitschüler Gerüchte zu verbreiten - was von tausenden Jugendlichen rege getan wird.
Der 25-Jähriger hatte sich in dieser Woche in der TV-Sendung "Akte 2011" auf Sat.1 als angeblich Verantwortlicher für isharegossip.com dargestellt. Polizei und Staatsanwaltschaft sind dem Verdacht nachgegangen, haben Namen und Adresse des jungen Mannes ermittelt. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden die Beamten nach Angaben des Sprechers der Oberstaatsanwaltschaft keine Hinweise darauf, dass der Mann tatsächlich der seit Wochen gesuchte Betreiber der Seite ist. Er wurde vorübergehend festgenommen und befragt. Bei dem Verhör entpuppte sich der arbeitslose Lübecker als Trittbrettfahrer. Der Mann wurde daraufhin wieder frei gelassen.
Auch die Webseite isharegossip.com distanziert sich von 25-Jährigen. In einem Blogeintrag heißt es: "Es ist auch an uns nicht vorbeigegangen das Manuel T. oder Kai wie er sich uns gegenüber nannte, anscheinend der medialen Verlockung nicht länger widerstehen konnte". Der junge Mann sei "eines der ersten Mitglieder im iShareGossip Team" gewesen und im Team der Seite "zum de facto Chief of staff der Community" aufgestiegen. "Er kümmerte sich um Moderatoren und legte zur Not auch selbst Hand an, wenn die Moderatoren die sich aus der Community heraus beworben hatten mangelhafte oder unzureichende Arbeit leisteten."
Dass der Verhaftete bei der Hetz-Seite an verantwortlicher Stelle gearbeitet habe, bestreiten der oder die anonymen Blogschreiber allerdings: "Das er nun als Geschäftsführer, Gründer, Administrator, Programmierer, Supporter, Moderator und Pressesprecher auftritt ist bizarr. Zwar war er in einer führenden Position aktiv, allerdings hatte er nie Zugriff auf Server, Bank- und Affiliate Konten."
Zudem habe der 25-Jährige "zu keinem Zeitpunkt" Zugriff auf kritische Infrastruktur" gehabt und sei deshalb auch "nicht im Besitz von Daten ist die das Team oder User kompromittieren könnten".
Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt seit längerem gegen die Betreiber der Hetz-Seite und deren aktive Nutzer. Die Seite selbst steht mittlerweile auch auf dem Index. Der Sprecher der Oberstaatsanwalt Wittig sagte gegenüber AZ-Online, dass weiter nach dem Betreiber der Webseite gesucht werde. Wer über andere im Internet Lügen und Beleidigungen verbreitet und ermittelt wird, muss sich - je nach Einzelfall - wegen Beleidigung, übler Nachrede, oder auch Kreditgefährdung verantworten. AZ