Tradition wird durch Kommunikation zur Kultur und diese Traditionen werden durch Ideen immer wieder neu belebt. Diese Überlegung machten sich auch zwei Internet-Nutzer und teilen ihre persönliche Weihnachtsgeschichte unabhängig voneinander auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und dem sozialen Netzwerk Facebook.
Der twitternde 'joseph von naza' berichtet humorvoll von seiner Beziehung mit Maria und dem Leben als Zimmermann. Die Nutzerin 'Maria von Nazaret' schreibt auf Facebook von ihrem alltäglichen Stress als werdende Mutter. 'Maria' erzählte auch der Augsburger Allgemeinen von ihrem "Projekt". Sie möchte vorerst ihren richtigen Namen nicht nennen. Eventuell werde sie ihn nach Weihnachten preisgeben.
Weihnachtsgeschichte in 140 Zeichen
Am 1. Dezember hat 'joseph von naza' damit begonnen, bei Twitter regelmäßig 'Tweets' zu posten - die Weihnachtsgeschichte in 140 Zeichen. Zwar gibt sich Joseph etwas unsicher mit den "neumodischen Techniksachen": "Bin ja nur ein einfacher Zimmermann", schreibt er, aber "meine Frau Maria hat gemeint, das macht man jetzt so". Online ist Joseph gefühlte 35 Jahre alt und vergeben und führt einen kleinen Zimmermannsbetrieb in der dritten Generation in der Innenstadt von Nazareth.
Die folgenden Tage berichtet er über einen Gedanken, der ihn plagt. "Ich sorge mich um meine Maria. Sie ist so seltsam still in letzter Zeit." Er habe noch keine Ahnung, was ihn am 24. Dezember erwartet. Er weiß nur, "irgendetwas ist im Busch". Am 5. Dezember dann des Rätsels Lösung: "Ihr werdet es nicht glauben - aber Maria ist schwanger!!!" Er habe ja mit allem gerechnet, aber damit nicht, schreibt 'joseph'. Natürlich sei ihm aufgefallen, dass Maria "etwas fülliger um die Hüften" geworden ist - aber ihr das zu sagen, sei für ihn schon "ein schmales Brett" gewesen.
'Joseph' scheint etwas aufgewühlt zu sein angesichts der Nachricht. Er sei ziemlich geschockt, twittert er, das Kind sei definitiv nicht von ihm. Und Maria sage, dass sie auch nicht so richtig wisse, wie es passiert ist. Er versuche sich mit Arbeit abzulenken und werde auch in der Werkstatt schlafen.
"Weil Bretter mir die Welt bedeuten"
Neben seinen Erfahrungen bleibt 'joseph von naza' Zeit für Scherze: "So viele Follower. Dabei folgt mir sonst noch nicht mal mein Esel, wenn ich rufe. Aber für mich bleibt Gott der einzige, dem ich folge." Bei Twitter kann man einem User "folgen", macht man das, ist man ein "Follower". 'Joseph' hat schon fast 3.000 User, die seine Nachrichten verfolgen und die Zahl wächst ständig.
Auch auf seine Arbeit weist Joseph online hin: "Wenn sie Zimmermannsarbeiten in und um Nazareth haben: Joseph, der Zimmermann - weil Bretter mir die Welt bedeuten."
Während Joseph seine Erlebnisse über Twitter verbreitet, berichtet die Userin 'Maria von Nazaret' auf Facebook über ihren Alltag. Marias Profil kann man entnehmen, dass sie von Mutter Theresa inspiriert wird und ihr die Sängerin Rihanna, der Film "Titanic" und die Serie "Dr. House" gefallen - außerdem ist sie verlobt. Ihr Profilbild zeigt einen wunderschönen Babybauch - anscheinend hat der bis vor kurzem unwissende 'joseph von naza' nicht bei Facebook vorbeigeschaut.
Stille Örtchen, neue Wohnung und Geburtsvorbereitungskurse
Maria schreibt, dass für sie und ihren Josef in nächster Zeit viele Fragen zu klären seien. Eine Wohnung und ein Krankenhaus für die Entbindung müsse gefunden werden. "Und dann sind da noch die Geburtsvorbereitungskurse die Josef soooo toll findet", postet Maria mit einem Smiley auf Facebook. Für sie sei momentan alles "Stress pur". Wegen ihrer Schwangerschaft müsse sie andauernd aufs "Stille Örtchen" und könne nicht einmal in Ruhe "Wetten, dass...?" sehen. Auch die Suche nach einem passenden Kinderwagen im Internet bereite ihr Geldsorgen. Doch gönne sie sich auch mal eine Auszeit, lege die Füße hoch und die Kopfhörer des MP3-Players auf ihren Bauch. Der "kleine Mann" scheine super gern Musik zu hören.
Maria und Josef im Jahr 2011
'Maria von Nazaret' hat mit uns über ihr "Projekt", wie sie es nennt, gesprochen - über die Nachrichtenfunktion auf Facebook. Das Experiment habe nicht nur einen unterhaltenden, sondern auch einen religiösen Hintergrund, meint sie. Sie wolle auch "junge, kirchenferne Menschen ansprechen, sich auf andere Art und Weise mit der Weihnachtsgeschichte zu beschäftigen". Ihre 'Maria' ist auch schon hochschwanger und ihr Josef weiß schon von der bevorstehenden Geburt - nicht wie bei 'joseph von naza' auf Twitter, wo die "Zeit der Verkündigung" tatsächlich erst vier Wochen vor der Geburt eintritt. Für sie sei das zu "unrealistisch" und außerdem ermögliche das einen neuen Blickwinkel. "Welche Probleme und Herausforderungen würden heute auf Maria und Josef zukommen?", fragt sie.
Es bleibt spannend, wie die Geschichten um 'Maria von Nazaret' und 'joseph von naza' weitergehen. 'Maria von Nazaret' freut sich über jede neue Freundschaftsanfrage bei Facebook: "Je mehr Freunde ich habe, desto mehr Menschen können mir bei dem ein oder anderen Problemchen helfen."
Maria von Nazaret auf Facebook