5 Fragen zur Liebe: Hochzeitsdienstleister erzählen aus ihrem Alltag
Landkreis Dillingen
„Manchmal haben die Kunden das Gefühl, der Valentinstag wurde vom Floristen erfunden“
Als Sängerin, Pfarrer, Fotografen und Floristin haben sie beruflich mit der Liebe zu tun – von Hochzeit bis Trauerfeier. Wie blicken sie auf die Liebe und den Valentinstag?
Auf Hochzeiten tritt Sängerin Anja Tratzmiller mit ihrem Duopartner Daniel Layer als „Der besondere Moment“ auf.Foto: Markus Tratzmiller
Sängerin Anja Tratzmiller aus Haunsheim mag es, wenn „die Gefühle überlaufen“
„Ich habe es bei jedem meiner Auftritte mit der Liebe zu tun – sei es die Tauffeier, die Trauung oder die Trauerfeier. Bei jedem dieser Momente begegnen mir Elternglück voller Liebe, Jawort aus Liebe und auch die Liebe beim schmerzhaften Abschied. Diese Erfahrungen bringen mir immer wieder bei, dass die Liebe das Kostbarste ist, was wir haben, vor allem wenn wir sie im eigenen Herzen finden. Wir sollten sie hüten wie unseren größten Schatz.
Ich glaube, dass es Liebe auf den ersten Blick gibt, gerade bei hochsensiblen Menschen. Sie haben eine tiefere Art, etwas zu spüren und nehmen Schwingungen ganz anders auf. Ich weiß allerdings auch, dass Liebe und Verliebtheit zwei komplett andere Welten sind.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Paar, das sich seit dem Sandkasten kannte. Ich durfte es von der Hochzeit bis zu den Taufen der Kinder begleiten. Das finde ich besonders schön, zu sehen, wie diese Familien sich entwickeln. Ansonsten erinnere ich mich gerne an die Momente, in denen Tränen fließen – ob aus Freude oder Trauer. Dann sage ich immer, dass die Gefühle überlaufen und das finde ich sehr gut so. Denn ohne Gefühle gibt es auch keine Liebe.
Dass es besondere Tage wie den Valentinstag braucht, finde ich, ehrlich gesagt, schade. Eine kleine Geste, eine Aufmerksamkeit oder Nachricht zwischendurch würden mir sehr viel mehr bedeuten, um Liebe und Aneinander-Denken oder Füreinander-Dasein auszudrücken.“
Für die Fotografen Markus Schnitzler und Nicole Mailänder aus Lauingen ist Liebe „eine Entscheidung“
Markus Schnitzler und Nicole Mailänder sind ein Paar und arbeiten zusammen. Beruflich begleiten sie etwa Hochzeiten und bieten Paarshootings an.Foto: Markus Schnitzler Fotografie
„In unserem Job sehen wir keine perfekten Beziehungen. Wir sehen echte – mit Ecken, Geschichte und Entwicklung. Und wir erleben: Der Alltag ist ein Drecksack. Er ist laut, voll und fordert viel. Umso mehr berührt es uns, wenn Paare sich trotz allem immer wieder füreinander entscheiden. Wir glauben nicht an die fertige Liebe im ersten Moment. Aber wir glauben an dieses Gefühl: Da ist etwas. Ein Blick, ein Gespräch, ein gemeinsames Lachen – und plötzlich entsteht Verbindung. Wenn sich zwei Menschen nach 20 oder 30 Jahren noch mit diesem Blick anschauen, dann wissen wir: Liebe ist kein Zufall. Sie ist eine Entscheidung.
Uns bleiben Paare im Kopf, die Beziehung bewusst leben. Die sich nicht vom Alltag treiben lassen, sondern sagen: Wir bleiben dran. Wir entwickeln uns weiter. Wir sprechen Dinge an. Eine Hochzeit im höheren Alter hat uns besonders bewegt: Zwei Menschen, die schon viel erlebt hatten – und sich noch einmal entschieden haben. Ohne großes Spektakel. Aber mit einer Ruhe und Klarheit, die tief ging. Solche Momente zeigen uns: Liebe ist keine Frage des Alters, sondern der Haltung.
Den Valentinstag brauchen wir persönlich nicht. Liebe gehört für uns nicht auf einen einzelnen Tag. Und ja – manchmal wirkt es eher wie ein Geschäft. Wenn dieser Tag für manche Paare ein Anlass ist, kurz innezuhalten und bewusst Zeit miteinander zu verbringen, dann hat er seinen Wert.“
Floristin Corinna Kratzer aus Buttenwiesen glaubt „fest daran, dass es Liebe auf den ersten Blick gibt“:
Corinna Kratzer und ihren Ehemann Florian verbindet auch die Liebe zum Beruf. Seit bald 14 Jahren führen sie gemeinsam ihr Unternehmen Passiflora in Buttenwiesen.Foto: Anna Mardo
„Als Floristen haben wir zum Glück öfters mit dem Thema Liebe zu tun, weil Blumen einfach gerne symbolisch für Liebe und Zuneigung oder auch Wertschätzung verschenkt werden. Außerdem sind wir mit unserer Hochzeitsfloristik ganzjährig im Namen der Liebe unterwegs. Die Trauungen, die wir mit einer Komplettplanung begleiten dürfen, sind die emotionalsten. Vor allem bei der Übergabe des Brautstraußes an die Braut, oder sogar unsere Anwesenheit beim Ja-Wort. Da geht einem als Dienstleister einfach das Herz auf und man weiß, wofür man so viele Stunden gearbeitet hat.
Meine Arbeit zeigt mir aber auch: Liebe ist vergänglich und möchte jeden Tag aufs Neue gepflegt werden. Hier geht es nicht um die großen Dinge, sondern die kleinen Gesten im Alltag wie etwa eine einzelne Rose einfach mal so.
Ich glaube fest daran, dass es Liebe auf den ersten Blick gibt. Ich selbst habe meinen Mann bei der Arbeit kennen und lieben gelernt. Zum damaligen Zeitpunkt haben wir uns nicht oft gesehen. Es hat einfach geknistert und man hat gespürt, dass da mehr ist. Heute sind wir bereits seit 18 Jahren zusammen und 15 Jahre glücklich verheiratet.
Manchmal haben die Kunden das Gefühl, der Valentinstag wurde vom Floristen erfunden. Dabei steckt eine ganz alte und schöne Geschichte dahinter, die nur wenige kennen.Der Valentinstag ist für uns einfach ein Tag, an dem man mal ein Zeichen an seine Liebste/n senden darf.“
Pfarrer Jonathan Launhardt aus Dillingen: „Liebe ist die Kraft, die die Welt zusammenhält“
Jonathan Launhardt ist der geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Dillingen. Dort ist auch seine Ehefrau Michaela als Pfarrerin tätig.Foto: Augsburger Allgemeine
„Der Liebe begegne ich als Pfarrer natürlich bei Trauungen. Aber auch bei Beerdigungen ist es immer wieder schön zu sehen, wie sich die Gesichter aufhellen, wenn das Kennenlernen und die Hochzeit erwähnt werden. In der Schule steht die Liebe sogar im Religionsunterricht auf dem Lehrplan.
Für mich ist die Liebe ein Geschenk Gottes, das gehegt und gepflegt werden will, damit es seine leuchtende Schönheit behält. Zum Beispiel dadurch, dass man die romantischen Dinge aus der Kennenlernphase weiterpflegt. Und dass man gerne bereit ist, zu vergeben. Liebe auf den ersten Blick gibt es tatsächlich, aber eher selten. Ich habe ein Paar im Bekanntenkreis, bei denen war im Prinzip bei der ersten Begegnung klar, dass sie den Partner fürs Leben gefunden haben. Sie sind auch heute, wo die Kinder aus dem Haus sind, glücklich verheiratet.
Ein Paar, das mir in meiner Arbeit besonders in Erinnerung geblieben ist, war schon miteinander in der Krabbelgruppe. Die Eltern der beiden, die zusätzlich noch befreundet sind, haben damals schon gewitzelt, dass ihre Kinder doch mal heiraten könnten. Und das haben sie Jahre später tatsächlich getan.
Den Valentinstag braucht es nicht, wenn es nur darum geht, Geschäfte zu machen oder die Wahrnehmung der Liebe auf die romantische Dimension zu reduzieren. Liebe ist die Kraft, die die Welt zusammenhält. Und jeder Einzelne kann damit sein Leben und sein Umfeld verändern. Jeden Tag. Und auch in einer Paarbeziehung ist es der Alltag, in dem die Liebe zählt.
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