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Dillingen

09.12.2020

Bis nach Südkorea liefert eine Dillinger Firma ihre Orgeln

In aller Welt, unter anderem in der Hidra-Kirche im norwegischen Flekkefjord/Hidrasund, stehen die Instrumente der Dillinger Orgelbau-Firma Sandtner.
Bild: Sandtner

Plus Die Orgeln der Firma Sandtner stehen nicht nur im Landkreis, sondern auch in fernen Ländern. Das Exemplar in der Dillinger Basilika zählt zu den besten Europas.

Ein unscheinbares Schild an einem Gebäudekomplex im Dillinger Osten verrät nicht, dass darin eine der Großen ihrer Branche tätig ist: die Firma Orgelbau Sandtner. Sie zählt zu den führenden Firmen im deutschen Orgelbau, denn ihre Instrumente stehen für hohe Qualität, Perfektion und Beständigkeit. 1935 wurde das Unternehmen von den Gebrüdern Ignaz und Adolf Sandtner in Steinheim gegründet. Hubert Sandtner, Sohn von Ignaz, trat 1967 in die Firmennachfolge ein und verlegte den Firmensitz nach Dillingen. Seit 2016 ist Orgelbaumeister Norbert Bender Alleininhaber.

Sieben Sandtner-Orgeln stehen alleine in Dillingen

320 Orgeln hat die Firma seit 1969 geschaffen beziehungsweise generalsaniert. Bedeutende Sandtner-Orgeln stehen im Eichstätter Dom, in der Kirche St. Ulrich und Afra in Augsburg, im Dom zu Rottenburg, an der Hochschule für Musik in Detmold, in Jettingen. Und eine großartige Leistung ist auch das Instrument in Nürnberg-Langwasser, das als Turm gebaut wurde. Bis auf die Metallpfeifen werden alle Teile in Dillingen gefertigt. Bender erklärt, dass die Orgel ein Aerophon ist, die Tonerzeugung der meisten Pfeifen ist im Prinzip wie bei einer Blockflöte. Dabei ist die Luft das schwingende Medium, sie ist von der Temperatur abhängig. Je höher sie ist, umso höher ist der Ton.

Der Orgelbau ist Handwerkskunst in Perfektion. Im Bild Norbert Bender, der Chef von Orgelbau Sandtner in Dillingen. Das Unternehmen fertigt mit seinen zehn Mitarbeitern jährlich etwa zwei Instrumente.
Bild: Sandtner

In Dillingen befinden sich gleich sieben Objekte der Firma. Das älteste Instrument, eine Barockorgel, steht in der Schlosskapelle. Diese wurde restauriert und gelangte über Umwege von Ingolstadt nach Dillingen.

Organisten aus aller Welt bestätigen den tollen Klang

Zum 350. Gründungsjubiläum wurde 1977/78 in der päpstlichen Basilika St. Peter in Dillingen eine neue Orgel mit 47 Registern eingebracht. Durch die ungünstige Wirkungsweise der Heizung sind jedoch auf der Empore Klimaverhältnisse entstanden, die Schimmelwachstum begünstigten. Und so musste 2006 eine Schimmelpilzsanierung stattfinden. Bei diesen aufwendigen Arbeiten wurde die Orgel modifiziert, erweitert und mit Spielhilfen ausgestattet.

Jetzt sind 70 Registerzüge eingebaut, die digital abgespeichert und abgerufen werden können. Die Organisten aus aller Welt, die Basilika-Organist Axel Flierl zu den Dillinger Basilikakonzerten einlädt, bestätigen, dass Licht, Architektur und Klang des frei stehenden Gerätes eine einzigartige homogene Kombination bilden.

Die Orgel in der Dillinger Basilika zählt zu den besten in Europa.
Bild: Sandtner


Die Dillinger Orgel gilt deshalb als eine der Besten in Europa. Vor jedem Konzert muss die Orgel überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Dies kann im Extremfall bis zu vier Stunden dauern.

Im März musste die Orgel in Südkorea gewartet werden

2007 wurde in der Hochschule in Anyang City bei Seoul in Südkorea eine Sandtner-Orgel installiert. Im März 2020 führte Bender an diesem Instrument Wartungsarbeiten durch und hatte dabei großes Glück, denn zwei Tage nach Beendigung der Arbeiten und der Rückkehr nach Dillingen verhängte Südkorea einen Ausreisestopp. Auch in Norwegen war die Firma tätig. In der Hidra-Kirche in Flekkefjord/Hidrasund steht seit diesem Jahr eine neue Orgel mit 21 Registern, die vom technischen Konzept her hochinteressant ist. Die vorherige Orgel stammte aus der Zeit um 1910 und hatte nur acht Register.

Die Corona-Krise ist an der Firma ziemlich spurlos vorbeigegangen, mit Wartung, Umbau und Stimmen der Orgeln haben die Mitarbeiter genügend aufzuarbeiten. In dem Dillinger Unternehmen arbeiten gegenwärtig zehn Beschäftigte, darunter zwei Azubis. 50 Prozent davon sind Frauen, und da die Tochter der Eheleute Bender bereits im zweiten Gesellenjahr ist, scheint die Tradition der Firma auch in Zukunft gesichert zu sein. „Wir bauen pro Jahr, je nach Anforderung, ein bis zwei Instrumente“, informiert Firmenchef Bender. Das sei natürlich viel weniger als in den vergangenen Jahren, dafür nehmen Umarbeitungen und Erweiterungen nach Worten des Firmenchefs deutlich zu.

Die Bereitschaft, in ein neues Instrument zu investieren, sei früher größer gewesen. „Heute ist es viel schwieriger, die Notwendigkeit eines Orgelneubaus den Gemeinden und Spendern zu vermitteln“, sagt Norbert Bender und zeigt mit großem Stolz eine Urkunde, auf der bescheinigt ist, dass der deutsche Orgelbau 2017 ins Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

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