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Corona in Dillingen: Das Dillinger Autokino ist der Renner

Corona in Dillingen

Das Dillinger Autokino ist der Renner

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    „Wir wollen gerade in diesen turbulenten Zeiten ein positives Signal senden.“Ungewöhnliche Zeiten und eine ungewöhnliche Betriebsversammlung beim Maschinenbauer Geda-Dechenreiter aus Bäumenheim: Die Mitarbeiter kamen in ihrem Fahrzeug ins Autokino nach Dillingen. Erst sprach der Chef, Johann Sailer (links), dann gab es einen bayerischen Kinoabend.
    „Wir wollen gerade in diesen turbulenten Zeiten ein positives Signal senden.“Ungewöhnliche Zeiten und eine ungewöhnliche Betriebsversammlung beim Maschinenbauer Geda-Dechenreiter aus Bäumenheim: Die Mitarbeiter kamen in ihrem Fahrzeug ins Autokino nach Dillingen. Erst sprach der Chef, Johann Sailer (links), dann gab es einen bayerischen Kinoabend. Foto: Kirner/Geda

    Die deutsche Wirtschaft befindet sich in der tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, in Nordschwaben stecken so viele Mitarbeiter wie nie zuvor in Kurzarbeit. Da ist es schon eine positive Meldung wert, wenn eine Firma scheinbar ohne große Veränderungen in den Umsatzzahlen durch die Corona-Zeit marschiert. Ein solches Unternehmen ist der Hersteller von Bauaufzügen aus Bäumenheim (Donau-Ries-Kreis), Geda-Dechenreiter. „Die Bauwirtschaft in Deutschland lief weiter und läuft weiter gut“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Johann Sailer. „Die Aufträge aus dem Inland haben das kompensiert, was wir in Zentraleuropa verloren haben“, so sein Fazit. Die Umsätze in Deutschland hätten sich in diesen Zeiten um ein Drittel erhöht. „Die Handwerker sind ja da, und die brauchen unsere Bauaufzüge.“

    Betriebsversammlung im Dillinger Autokino

    So gab es für die rund 350 Beschäftigten in Bäumenheim und Gera keine Kurzarbeit. Geda beantragte auch keine finanziellen Hilfen von staatlicher Seite. „Für Geda wird Corona sicher einen Dämpfer in der Bilanz bedeuten, aber es bringt uns nicht aus dem Tritt“, zeigt sich Sailer selbstbewusst. Intern hatte die Corona-Zeit sogar etwas Positives bewirkt, erklärt Sailer. In die digitale Arbeitswelt und Büroarbeit von zu Hause sei ein richtiger „Drive“ reingekommen. Um die aktuelle Lage seinen Mitarbeitern auch persönlich zu vermitteln, hatte Sailer eine ungewöhnliche Idee für eine Betriebsversammlung. Nicht wie sonst auf dem Firmengelände trafen sich die Mitarbeiter, sondern im Autokino in Dillingen. „Gerade in diesen turbulenten und unsicheren Zeiten wollten wir es unseren Mitarbeitern nicht vorenthalten, die Betriebsversammlung gemeinsam abzuhalten und damit auch ein positives Signal an unsere Belegschaft zu senden. Das ist uns auf jeden Fall gelungen, und vielleicht möchten nun auch andere Unternehmen unserem Beispiel folgen“, so Sailer.

    Autokino: Geda-Belegschaft auf dem Festplatz Donaupark empfangen

    In Zusammenarbeit mit dem Filmcenter Dillingen, dem Betreiber des Autokinos, wurden sämtliche Voraussetzungen geschaffen, um die gesamte Geda-Belegschaft auf dem Festplatz Donaupark zu empfangen. Und so stieg Sailer auf einen der firmeneigenen Bauaufzüge und ließ den Blick über die Autos schweifen, in denen seine Mitarbeiter übers Radio seinen Ausführungen lauschten. Als „fahrbare Redner-Bühne“ diente eine Transportbühne 1500 Z/ZP, welche die Asbach-Bäumenheimer selbst mit ins Autokino gebracht haben. Aufgeteilt in Fahrgemeinschaften mit je zwei Personen pro Fahrzeug und natürlich unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregelungen konnten die Mitarbeiter die Präsentation zur aktuellen wirtschaftlichen Lage komfortabel vom Auto aus über die Kinoleinwand verfolgen und Begleitung mitbringen. Im Anschluss gab es dann natürlich noch das Kinoerlebnis im Autokino. Zu „Leberkäsjunkie“ durfte das Radio dann noch lauter aufgedreht werden.

    Das Dillinger Autokino ist ein Renner. Am Abend vor Christi Himmelfahrt hat die Familie Mayr/Penthaler das Autokino unter der Mithilfe der Stadt Dillingen und mehrerer Firmen auf dem Festplatz im Donaupark in Dillingen gestartet. „Wir waren zwar noch nie ganz ausverkauft, aber es läuft und wir sind zufrieden“, sagt Betreiber Andreas Penthaler. Die Besucherzahl schwankt beträchtlich. „Wir hatten schon einmal 139 Autos hier“, informiert Penthaler. Es habe aber auch schon eine Vorführung gegeben, als nur knapp 20 Autos zur Vorführung auf dem Festplatz standen. Etwa 200 Wagen wären die Höchstgrenze. Bisher hatte das Filmcenter einigermaßen Wetterglück, denn es musste keine einzige Vorführung abgebrochen werden. Als am 13. Juni „Nightlife“ gezeigt wurde, sei ein Gewitter über der Donau gestanden. Und erst als das letzte Auto vom Festplatz gefahren war, habe der Starkregen begonnen, berichtet Penthaler.

    Filmcenter macht am 2. Juli wieder auf

    Das Filmcenter in der Kapuzinerstraße haben die Betreiber in der vergangenen Woche trotz der Lockerungen noch geschlossen gehalten. „Die Vorschriften sind so streng, dass der Kinobesuch nicht angenehm wäre“, teilte Penthalers Frau Claudia Mayr mit. Inzwischen steht ein Termin für die Wiedereröffnung fest. „Wir machen am 2. Juli wieder auf“, sagt Penthaler. In den großen Kinosälen, in die gewöhnlich 200 Menschen passen, könne er wegen der Abstandsregeln höchstens 50 Besucher unterbringen, hat der Betreiber ausgerechnet. „Aber wir probieren es jetzt ab 2. Juli aus“, betont der Kinochef. Grund dafür ist auch die Reaktion einiger Kinofans. „Viele Menschen sagten uns, dass sie das Kino vermissen“, informiert Penthaler. Das sei natürlich „ein schönes Gefühl“.

    Beibehalten werde aber auch das Autokino. Penthaler schätzt, dass die rund 20 Vorstellungen knapp 2000 Gäste gesehen haben. Am Donnerstag, 25. Juni, läuft „Für Sana“ – laut Penthaler „ein ergreifender Film während des syrischen Bürgerkriegs aus der Sicht einer jungen Mutter“. Am Freitag ist dann „Bloodshot“, am Samstag „25 km/h“ und am Sonntag „A Star is born“ zu sehen.

    Andreas Penthaler und Claudia Mayr haben große Pläne. Im Gewerbegebiet Siemensstraße im Osten des Stadtteils Hausen soll ein neues Kino entstehen (wir berichteten). In vier Sälen, so die Planung, sollen 600 Kinofans komfortable Plätze finden. Die Baugenehmigung für das Millionenprojekt liegt inzwischen vor. Doch die Corona-Krise hat jetzt für eine Denkpause gesorgt.

    INFO Karten und Verpflegung gibt es online unter filmcenter-dillingen.de

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