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Dillingen
13.10.2021

Stellen die Grünen einen Dillinger Landratskandidaten?

Die Landtagsabgeordnete und Landesvorsitzende Eva Lettenbauer der Partei Bündnis 90/Die Grünen hofft, ihr Regionalbüro in Dillingen bald wieder zu eröffnen.
Foto: Bernhard Weizenegger

Die Landesvorsitzende Eva Lettenbauer hofft, dass sie ihr Regionalbüro in Dillingen bald wieder öffnen kann und teilt Gedanken für einen eigenen Landratskandidaten oder -kandidatin.

Frau Lettenbauer, wie schätzen Sie das Bundestagswahlergebnis ein?

Die Aussicht auf die grüne Regierungsbeteiligung und damit eine Erneuerung in Deutschland ist motivierend.

Erwarten sich die Grünen nach der Wahlniederlage der CSU auch mehr Einfluss im Bayerischen Landtag?

Die CSU und Markus Söder haben die Wahl klar verloren. Da ist jetzt deutlich mehr Demut angebracht. Die CSU hat Angst geschürt, den Menschen mit Rot-Rot-Grün gedroht, das war unwürdig. Man kann nicht nur dagegen sein. Das hat nicht funktioniert. Ich erwarte jetzt, dass unsere Anträge auch mal angenommen werden. Bislang ist die Liste der abgelehnten weitaus länger.

Doch weder im Wahlkreis Donau-Ries noch im Landkreis Dillingen selbst hat der Grünen-Kandidat Stefan Norder die erwarteten Stimmen geholt – obwohl er sogar im Kreis Dillingen wohnt. Die Kandidatin der AfD, Edeltraud Schwarz, war ungleich erfolgreicher.

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Umfragen vor den Wahlen sind ja nur Momentaufnahmen. Wir müssen einfach dranbleiben. Die grüne Politik birgt in vielen Bereichen Chancen, gerade auch für das Leben und uns auf dem Land. Der Erfolg der AfD erschüttert mich auch sehr. Ich denke, alle demokratischen Parteien sind gefordert, geschlossen zu handeln und sich nicht von so einer demokratiefeindlichen Partei ausspielen zu lassen. Wir müssen da eine klare Kante zeigen, das vermisse ich bei einigen. Jedes Prozent für die AfD ist eines zu viel.

Rechnen Sie nun dennoch mit einem erneuten Schub für die Grünen?

Ja, ich gehe davon aus, dass nun noch mehr Menschen Lust haben, bei uns mitzumachen. Zumal man sich bei uns im Fall einer Regierungsbeteiligung direkt an einen Minister oder eine Ministerin wenden kann. Wir wollen weitere Ortsverbände gründen. In jeder Gemeinde sollte es Grüne geben.

Lettenbauer fordert besseren Energiemix für Deutschland

Der Wahlkreis ist sehr landwirtschaftlich geprägt. In den nächsten Wochen beginnt die Maisernte. Vorrangig für den Betrieb von Biogasanlagen. Finden Sie das gut?

Die Anlagen müssten einen deutlich besseren Energiemix nutzen. Das große Ziel muss die Resteverwertung sein, dazu ein Energiepflanzenmix. Aber nicht nur weiter Mais.

Der wird allerdings subventioniert. Wovon lebt die Landwirtschaft denn noch?

Die bisherige Landwirtschaftspolitik der Staatsregierung ist komplett verfehlt. Das Höfesterben geht weiter. Dafür ist vor allem die CSU verantwortlich. Gute Preise und mehr regionale Vermarktung wären viel sinnvoller als das „Weiter so“ der Söder-Regierung. Würde man auch bei der Versorgung von Senioreneinrichtungen, Schulen und Kindergärten oder den Krankenhäusern auf regional und ökologisch setzen, könnte man sehr viel für die lokale Landwirtschaft bewirken. Ziel muss ein landwirtschaftliches Modell sein, das sich für unsere Höfe hier lohnt. Sowohl im Ackerbau, als auch in der Viehzucht. Tierwohl und die Interessen von Bauern und Bäuerinnen müssen Hand in Hand gehen. Menschen aus der Landwirtschaft wählen uns auch, weil wir uns gemeinsam gegen den immensen Flächenfraß einsetzen.

Die Grünen wollen bis 2030 die Energie zu 100 Prozent nachhaltig gewinnen. Wie denn?

Gerade Solarenergie bietet da viel Potenzial – und die Bürgerinnen und Bürger könnten damit Geld verdienen. Die 10-H-Regel für Windräder muss fallen, damit wir vor allem vor Ort Energie erzeugen können. Wir brauchen ein gutes Netz und müssen die Speicherkapazitäten ausbauen.

Das soll dann reichen?

Nein. Zuerst soll die Energiegewinnung in Deutschland nachhaltig sein. Selbstverständlich muss auch der Strom erneuerbar werden, den wir bereits jetzt aus dem Ausland zu kaufen.

Auch im Nahverkehr und in der Pflege soll sich einiges ändern

Kürzlich war die Donautalbahn im Landkreis Thema. Die Anschlussverbindungen in Donauwörth und Günzburg sind schlecht. Tut sich da etwas?

Über den Bundesverkehrswegeplan wollen wir Grünen mehr Investitionen für die Schiene freimachen und weniger als bisher für Autobahnen. Wir brauchen landkreisübergreifend ein gutes Nahverkehrsnetz. Derzeit ist auch Busfahren total unattraktiv.

Energie ist nicht alles. Was machen wir gegen den Pflegenotstand?

Anfang 2021 hatten wir eine Konferenz zu sozialen Berufen initiiert und danach wiederum diverse Anträge erarbeitet und eingereicht. Aber die Staatsregierung tut nichts. Das kreide ich auch der GroKo an. Wir wollen den Personalschlüssel hochsetzen, damit die Überstunden sinken. Mit einem überschaubaren Dienstplan würden Pflegeberufe auch für Menschen attraktiv, die nach wenigen Jahren wegen der Belastung gekündigt haben. Vielleicht kämen die alle wieder zurück. Außerdem muss Arbeit am Menschen so gut bezahlt werden wie Arbeit an Maschinen. Dafür müssen die Tarifverträge in der Pflege für alle gelten.

Ein Grün geführter Landrat?

Stellen die Grünen bei der Landratswahl im Frühjahr 2022 einen Kandidaten?

Dazu kann ich noch nicht viel sagen. Der Landkreis hat jemanden verdient, der Klimaschutz großschreibt, aber es geht auch um Armutsbekämpfung, um die ambulante und stationäre Pflege… Aber ja, wir denken darüber nach, jemanden ins Rennen zu schicken.

Wie sehen Ihre persönlichen Ziele aus?

Mir macht die Arbeit im Landtag sehr viel Freude. Es gab ja vor mir keine Grüne Vertreterin aus Nordschwaben. Ich kümmer mich gerne um die Anliegen der Menschen aus der Region. Und auch Betriebe laden mich häufig ein. Grüne Politik ist ein Wettbewerbsvorteil. Wir wollen Rahmenbedingungen für ein schnelles Internet, nachhaltige, sichere Energieversorgung und einheitliche Vorgaben für ein weltweites Lieferkettengesetz schaffen. Und natürlich hoffe ich, dass ich die Regionalbüros in Dillingen und Donauwörth bald wieder für Veranstaltungen öffnen kann und echte Treffen stattfinden.

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