Ermutigen – ermutigen, Stellung zu beziehen und für die Menschlichkeit einzutreten. Das ist das Ziel, das Tim Pröse mit seiner eindringlichen Lesung im Rahmen der Dillinger Kulturtage verbindet, die ihn auf Einladung von „DLG – Kultur und Wir“ zur Lesung für die angehenden Erzieher der Fachakademie für Sozialpädagogik in der Stadtbibliothek und auch zu Schülern des Johann-Michael-Sailer-Gymnasiums Dillingen und anschließend an das Bonaventura-Gymnasium führte.
18 herausragende Persönlichkeiten
Nach der Begrüßung durch die Organisatoren Brigitte Schöllhorn von „Kultur und Wir“ und Studiendirektor Roland Bröckl sowie Studiendirektorin Ellen Finster für die Sailer-Schulleitung betonte der bekannte Journalist und Autor die Aktualität des Themas, die sich etwa am Widerstand einer Greta Thunberg zeige. Freiheit und die Abkehr von Hass ist „Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler“, so der Untertitel seines Buches „Jahrhundertzeugen“ über 18 herausragende Persönlichkeiten, die sich auf die eine oder andere Weise gegen das Nazi-Regime, gegen Unterdrückung und Unmenschlichkeit gestellt haben. Es ist diese Botschaft, die Tim Pröse dabei uns Nachgeborenen wie eine Flamme weiterreichen will.
20 Jahre Recherche, um diese 18 letzten Helden beziehungsweise ihre Nachkommen ausfindig zu machen und eine vertrauensvolle Beziehung herzustellen, und die Durchsicht zehntausender Dokumente waren für das beeindruckende Werk nötig. Drei dieser Helden stellt Pröse den sichtlich gebannt zuhörenden Schülerinnen und Schülern vor. Besonders eindringlich und emotional wirkt die Schilderung der letzten Tage der mädchenhaften, lebensfreudigen Widerstandskämpferin der „Weißen Rose“, Sophie Scholl. Bis zum Schluss, bis zum Gang zum Schafott hielt sie an ihrer Überzeugung fest, die uns heute Vermächtnis und Vorbild ist: „Freiheit“ war das letzte Wort, das sie auf die Rückseite ihres Todesurteils schrieb. Dass sie damit die moralische Siegerin über die Nazis war, symbolisiert der Lorbeerkranz, der auf ihrem Grab lag.
Haft und Folter erlitten
Aber auch die Geschichte des Auschwitz-Überlebenden Yehudi Bacon beeindruckt die Zuhörer, der trotz aller Leiden nicht bereit ist, zu hassen, denn „dann hätte Hitler doch noch gewonnen“. Mit der Geschichte des deutschen Deserteurs Kurt Keller, der sich nicht mehr an den Gräueln des Krieges beteiligen wollte und dafür Haft und Folter erlitt, schloss sich der Kreis von Menschen, die Freiheit und Menschlichkeit gegen alle Leiden zum obersten Wert ihres Lebens machten.
Wie sehr die Gymnasiasten von den Zeugnissen Pröses beeindruckt waren, bewiesen die abschließenden Fragen, mit denen dieser nachdenkliche und aufrüttelnde Vormittag zu Ende ging.
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