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Landkreis Dillingen

15.09.2018

Eignen sich Karten, Whisky und Oldtimer als Geldanlage?

Bertil Angermann verkauft in seinem Spielzeugladen in Dillingen „Magic“-Karten. Die können, wenn sie selten genug sind, recht wertvoll werden. In seinen Händen hält er Karten mit einem Wert im unteren vierstelligen Bereich. Auch in andere Konsumgüter, wie etwa Whisky und Oldtimer, könnte es sich lohnen zu investieren.
Bild: Andreas Schopf

Nicht jeder bringt sein Vermögen nur auf die Bank oder legt es „klassisch“ in Gold, Aktien oder Immobilien an. In welchen Nischen sich Wertanlagen verbergen.

Von Aktien hält Franz Bohmann nichts. Er legt sein Geld lieber in etwas an, was ihm persönlich Freude bereitet: Whisky. Der Wertinger hat in seinem Haus ein eigenes Zimmer dem Genuss der Spirituose gewidmet. Doch längst nicht jede Flasche wird bei Bohmann geöffnet und im Laufe der Jahre getrunken. Viele Flaschen Whisky kauft Bohmann, um sie irgendwann mit sattem Gewinn wieder zu verkaufen. Denn im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat sich für Whisky ein Markt entwickelt, auf dem besonders beliebte und rare Flaschen hohe Preise erreichen können.

An der Wand in Bohmanns „Whiskyzimmer“ hängen Fotos von Destillerien, die er auf seiner Reise nach Schottland besucht hat. Persönlich genießt Bohmann – Anfang 50, kräftiger Händedruck – gern rauchige, torfige Whiskys. Der Genuss sei das Eine, der Einkauf von Flaschen als Wertanlage etwas völlig anderes. „Ich würde Whisky als Wertanlage jedem empfehlen“, sagt der Wertinger. Allerdings müsse man sich auskennen, in die Materie einarbeiten, nicht wahllos irgendwelche Flaschen kaufen. Vor allem „Single Malts“ aus Schottland sind unter Sammlern beliebt. Meistens gilt: je älter, desto besser. Es gibt aber auch beliebte Produkte aus Japan, Irland, sogar aus Bayern. Manche Abfüllungen werden von vornherein nur in limitierter Stückzahl und mit aufwendigen Verpackungen herausgebracht. So entstehen bei Sammlern Begehrlichkeiten, die Preise steigen (hier finden Sie Hintergründe zur Geldanlage mit Whisky).

Dillingen: Magic-Karten als Geldanlage

In der Konsumwelt bilden sich Nischen, in denen Produkte extreme Preiszuwächse gewinnen können. Dieses Phänomen beschreibt Bertil Angermann, der neben dem Dillinger Kino „Bertils Spielwiese“ betreibt. Für allerlei Spielwaren gebe es Sammler, die für Raritäten viel Geld ausgeben – altes deutsches Blechspielzeug etwa, Modelleisenbahnen oder Action-Figuren. Einen besonderen Aufstieg habe das Sammelkartenspiel „Magic: The Gathering“ verzeichnet. Die Spieler kaufen sich dabei verschlossene Packungen von Spielkarten und stellen daraus ihr persönliches „Deck“ zusammen, um sich mit anderen Spielern zu duellieren. Oder sie kaufen einzelne Karten, meistens im Internet. Einige Karten aus der Anfangszeit von 1994 können – sofern sie sich in gutem Zustand befinden – viel Geld wert sein, etwa der „Black Lotus“. Laut Angermann wurden Exemplare bereits für mehr als 20000 US-Dollar gehandelt. Für eine einzelne Spielkarte, wohlgemerkt, die ursprünglich für wenige Dollar erworben werden konnte. „Es gibt Leute, die handeln heute mit solchen Einzelkarten und leben davon“, sagt Angermann.

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Was ist mit Turnschuhen? Menschenschlangen bilden sich vor bestimmten Geschäften, wenn Nike, Adidas, Puma oder andere einen neuen Turnschuh in kleiner Auflage herausbringen. „Das passiert aber nicht in Dillingen“, sagt Andreas Kraus von Intersport Kraus und lacht. „Da ist selbst München zu klein.“ In Paris, London, Berlin oder New York gibt es den Hype. Doch auch der Chef des Dillinger Sportfachgeschäfts trägt einen Schuh, der mal heiß begehrt war. „Das ist ein Adidas ultra boost ganz in weiß, den haben wir vor knapp zwei Jahren für 179 Euro verkauft. Da riefen die Leute von überallher an, ob wir ihn haben.“ Im Internet wurde das Modell für bis zu 250 Euro gehandelt. Dann habe Adidas den Schuh weiter produziert und Nachfrage und Preis sanken wieder. Einen Schuh in kleiner Auflage zu haben, das wäre schon mal was, sagt Kraus. „Aber ich brauche keine Modelle, die kein Kunde will.“

Besonders groß war das Interesse der Kunden heuer an Deutschlandtrikots. „Seit der Heim-WM 2006 haben wir nicht mehr so viele Trikots verkauft wie in diesem Jahr – noch bevor der erste Ball rollte“, erinnert sich Kraus. Richtig wertvoll sei ein Trikot aber nur mit einer besonderen Unterschrift, etwa mit der Signatur von Fußballstar Neymar. „Oder man sammelt von klein auf die Trikots der Deutschen Mannschaft. Oder alle WM-Bälle, das ist auch cool. Wenn man so einen Satz nach ein paar Jahren verkauft, dann ist das schon etwas wert.“ Mit Schuhen würde das nicht funktionieren. Die seien nach 25 Jahren nicht mehr tragbar.

Oldtimer als Wertanlage: Mit dem Kauf allein ist es nicht getan

Autos mit diesem Alter gelten als Oldtimer. Mit diesen kennt sich Roman Wörle aus. Er restauriert in seiner Werkstatt in Syrgenstein alte Mercedes. Sein Spezialgebiet: der Mercedes 600. Solche Fahrzeuge können heute, je nach Modell und Zustand, ein Vermögen wert sein. Für den teuersten Mercedes im Bestand von Wörle müsste man eine halbe Million Euro hinlegen. Kein Wunder, dass bei diesen Beträgen so mancher an das Thema Geldanlage denkt. Zumal der Wert der Fahrzeuge durchaus steigen kann. In den vergangenen gut zehn Jahren sei der Preis für einen Mercedes 600 um bis zu 20 Prozent gestiegen, sagt Wörle. Andere Modelle seien in der gleichen Zeit sogar mehr als dreimal so wertvoll geworden. „Man weiß nicht, warum, und die Wertentwicklung kann genauso schnell wieder in die andere Richtung gehen“, sagt Wörle. Speziell bei Autos ist es mit dem Kauf allein nicht getan. Die Fahrzeuge müssen regelmäßig gefahren und technisch in Schuss gehalten werden. Laut Wörle muss man im Jahr fünf- bis zehntausend Euro investieren, um den Zustand zu erhalten (hier lesen Sie mehr zu den Oldtimern in Syrgenstein).

Weniger Arbeit hat man mit Briefmarken. Die müssen lediglich trocken, kühl und in weichmacherfreien Alben gelagert werden, erklärt Hans Scherm, Vorsitzender der Briefmarkenfreunde Gundelfingen. „Dann sind bestimmte Marken zweifelsohne eine Wertanlage.“ Beliebt und wertvoll ist etwa der „Schwarze Einser“, die erste deutsche Briefmarke. Ein Zwölfer-Block davon brachte 2009 bei einer Auktion 320000 Euro. Manch andere Marken gehen in die Millionen. Wie bei allem gebe es auch hier jedoch keine Garantie für Wertsteigerungen, betont Scherm.

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