Gundelfingen Reges, wenn auch noch gedämpftes Leben herrscht um 4 Uhr früh bei stockdunkler, wolkenverhangener Nacht vor dem Echenbrunner Friedhof. An die 40 Gestalten sammeln sich, um die 23. Gundelfinger Fußwallfahrt am 5. Mai unter der Leitung von Walter Lenzer nach Buggenhofen zu begehen. Erstmals findet die Wallfahrt an einem Samstag statt, da der Gundelfinger Stadtpfarrer ebenfalls teilnehmen wollte. Terminliche Gründe hinderten ihn aber doch. Stattdessen begleitet Pfarrer i.R. Leinauer mit seinen 71 Jahren die Wallfahrer über die gesamten 33 Kilometer bis Buggenhofen.
Schweigend bis zur ersten Statio
Schweigend beginnen die Wallfahrer den Weg über Veitriedhausen, Frauenriedhausen bis hinauf zum Beutenstetter Hof, in dessen schöner Kapelle eine erste Statio erfolgt. Während draußen der Morgen dämmert, stimmen Heidi Hitzler und Judith Lorenz mit Gedanken, Gitarren und Gesang zum Thema „Kirche als Heimat“ für den kommenden Gang durch die heimatlichen Fluren ein. In den Sonnenaufgang hinein führt der Weg weiter nach Wittislingen, und wer es nicht weiß, würde gar nicht bemerken, dass die Zugspitze von weiter Ferne, durch morgendliche Sonnenstrahlen beschienen, die Wallfahrer grüßt. Pferde und Ponys stehen neugierig am Weg und eine ältere Frau winkt freudig zum Fenster hinaus. An der zweiten Statio am Bogenbach wirft Marlene Lenzer die Frage auf, was der Einzelne tun kann, um Kirche mitzugestalten. Vorbei an einer Herde „richtiger“ Schafe, die sich sichtlich freuen, einer Herde gläubiger Schäflein ein Stück weit Geleit zu geben, ziehen Letztere zur Marien-Grotte in Finningen. Max Wetzstein leitet dort die Andacht zur Marienverehrung. Es ist bereits 9 Uhr und damit etwa Halbzeit, als im Gasthof Schlössle bei einer kräftigen Wallfahrersuppe Rast gemacht wird. Durch das grüne Dach des Waldes behütet, geht es vorbei an der vorchristlichen Kultstätte der Ostersteine.
Damit keiner vom richtigen Weg abkommt, wurde der Weg im Vorfeld von den Organisatoren vorbildlich mit einem Zeichen markiert. So geführt, gelangt die Schar der Wallfahrer zur nächsten Statio, oberhalb von Unterliezheim. „Wir sind Kirche“ ist der Leitspruch zu den Gedanken von Erna Wetzstein an dieser Statio. Aufgrund von Renovierungsarbeiten in der Oberliezheimer Kirche kann die letzte Statio nicht wie die Jahre zuvor in derselben stattfinden. Für wettererprobte Wallfahrer stellt dies kein Problem dar, nehmen sie doch die freundliche Einladung der Mesnerin gerne an, als diese die Aussegnungshalle aufsperrt. Lebensgeister wecken auch der von Paula Kränzle bereitgestellte Kaffee und ein Imbiss, der von manchem mit einem Schnaps, serviert ab Grabstein, genommen wird.
Gedanken zum Thema „Was Jesus wollte“
Vor dem Weitermarsch nach Gaishardt macht sich Walter Lenzer Gedanken zum Thema „Was Jesus wollte und was daraus geworden ist“. Bergab, da lässt es sich leicht singen, und so ziehen die vielen Wallfahrer, mittlerweile etwa 80 Personen, mit einem „Großer Gott, wir loben dich“ um 14 Uhr nach 33 Kilometer Fußmarsch in die Wallfahrtskirche in Buggenhofen ein. Ein Zwiegespräch mit Gott nach Art „Don Camillos“, durchgeführt von Max Wetzstein und Walter Lenzer, bildet den Auftakt zum Wallfahrtsgottesdienst, der musikalisch von der Gitarrengruppe Gundelfingen untermalt und von Christine Knauer gestaltet wird.