Haunsheim „Vier Hände vermögen mehr als zwei.“ Dieser Satz von Ludwig Feuerbach gilt auch für Saxofone. In der Orangerie von Schloss Haunsheim bewies das Newton Saxofon Quartett mit einem zweistündigen Programm, dass ein meisterhaftes Zusammenspiel zu ganz ungewöhnlichen Klangwirkungen führen kann.
David Jäger (Sopransaxofon), Susanne Glas (Altsaxofon), Sebastian Oberbauer (Tenorsaxofon) und Andreas Hüüs (Baritonsaxofon) führten mit der Auswahl der Kompositionen durch mehrere Länder und in die verschiedensten Stilrichtungen. Das Publikum im voll besetzten Saal ließ sich willig und Beifall spendend zu den musikalischen Überraschungen eines „bunten Frühjahrsfeuerwerks“ führen. Die choralartige „La Resurreccion del Angel“ von Astor Piazzolla kontrastierte mit dessen Todesvision, die akustisch den Galopp der apokalyptischen Reiter beschwor. Ein fulminanter Ragtime korrespondierte mit dem berühmten „Tiger Rag“, der, geschrieben von Nick LaRocca, dem frühen Jazz entscheidende Impulse gab.
Eigenwillige Kompositionen
Ein klassizistisch wirkendes Stück erinnerte an den eigenwilligen Komponisten Moondog, der eigentlich Louis Thomas Hardin hieß und mit seinem Künstlernamen seinen Blindenhund verewigte, weil dieser „mehr als jeder andere Hund den Mond anheulte“. Und dass sich perfekter Klarinettensound selbst den Klangfarben des barocken 17. Jahrhunderts anzupassen versteht, bewies das Ensemble einleitend mit „Alten ungarischen Tänzen“ von Ferenc Farkas.
Das Newton Saxofon Quartett zauberte werktreu und mühelos lyrische Emotionen, dramatische Steigerungen und gelegentlich auch Unisono-Pathos in den Saal. Faszinierend verdeutlichten die Musiker die rhythmisierte Lebenslust in afrikanischen Stücken, anrührend erklang die Mischung von Wehmut und Ausgelassenheit in Klezmer-Melodien.
Instrumentale Turbulenzen
Wer Lust hatte, konnte die instrumentalen Turbulenzen in der „Suite hellenique“ von Pedro Itarallde aus dem Jahre 1988 als vorausgeahnte Schilderung des heutigen griechischen Staatshaushalts deuten. Dass die vier Saxofonisten sich bei der unglaublich exakten Koordinierung ihres Zusammenspiels durch gar nichts irritieren lassen, bewies Sebastian Oberbauer, der für die verhinderte Verena Richter eingesprungen war und sich als souveräner Partner erwies. Als sich das Quartett mit hoher Konzentration gerade Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper“ annäherte, erfolgte ein Angriff einer riesigen Hummel auf Oberbauers Hinterkopf. Der Saxofonist wehrte, ohne aus dem Rhythmus zu fallen, den Störenfried mit einer lässigen Handbewegung ab.
Das war aber die einzige Kombination von musikalischem und szenischem Spiel. Auf seiner Internetseite kündigt das Newton Saxofon Quartett an, „visuell-akustischen Hörgenuss“ dadurch verschaffen zu wollen, dass nach Ideen der Münchener Regisseurin Gisela Maria Schmitz die Musiknummern mit szenisch dargestellten Geschichten verknüpft werden. Davon war nichts zu sehen. Aber die Besucher des Konzertabends, die von Werner Büttner, dem Vorsitzenden des „Freundeskreises Schloss Haunsheim“ begrüßt und verabschiedet wurden, waren mit dem Auftritt des Quartetts auch ohne theatralischen Firnis hochzufrieden. Der begeisterte Applaus erzwang zwei Zugaben.