Dillingen/Lauingen „Auch durch seine Kleidung und seinen Mantel zeigte er nach außen die Harmonie seiner Seele. Er trug ein ganz bestimmtes Gewand zu Hause und auch in der Öffentlichkeit, und zwar eines, das er der alten Schlichtheit der Germanen entlehnt hatte.“ Diese Sätze beschreiben das äußere Erscheinungsbild des Magisters Petrus Agricola, der sich im 16. Jahrhundert um Lauingen große Verdienste erworben hat.
Die zitierte Passage steht in der im Jahre 1600 gedruckten lateinischen Publikation „Wahrheitsgetreuer Bericht über das Leben und Sterben des Magisters Petrus Agricola“, die von Kurt Schöndorf, Gauting, und Ernst Wenzel, Penzberg, eingeleitet, übersetzt und im soeben erschienenen Jahrbuch 2010 des Historischen Vereins veröffentlicht wurde. Verfasst wurde die Lebensbeschreibung des Petrus Agricola (1525-1585) von seinem Neffen Magnus Agricola. Sie charakterisiert den Humanisten und Anhänger Luthers als gelehrten, zugleich aber bescheidenen Repräsentanten der Wissenschaften, als Schulreformer, als Prinzenerzieher an den Höfen Liegnitz und Pfalz-Neuburg und als Schulrektor in Ulm und Lauingen. Sein pädagogisches Prinzip beruhte auf der Erwartung, dass „geeignete Menschen, die die Leitung des Staatswesens und der Ämter der Kirche übernehmen sollen“, aus den „gut und gewissenhaft verfassten akademischen Schulen hervorgehen“.
Diana Clelia war dreimal verheiratet
Petrus Agricola heiratete im Alter von 50 Jahren die Lauingerin Diana Clelia (1534-1581), Witwe des Astronomen, Mathematikers und Astrologen Cyprián Karásek Lvovick (Cyprianus Leovitius), eines Leiters des Gymnasiums Illustre zu Lauingen. Dieser außergewöhnlichen Frau, die dreimal verheiratet war, ist im Jahrbuch eine Untersuchung von Reinhard H. Seitz gewidmet. Der gründlich recherchierte Beitrag befasst sich mit der Biografie von Ulrich Klay, Dianas Vater und Lauinger Bürgermeister sowie mit den Persönlichkeiten der drei Ehemänner Heinrich Helffandt, Cyprian von Leowitz und Petrus Agricola. So fügen sich diese beiden Beiträge ergänzend zusammen und vermitteln ein anschauliches Bild vom Leben in der Zeit der Reformation und von den Anfängen der Fürstlichen Schule in Lauingen.
Auch die weiteren Beiträge belegen das Bestreben der Schriftleitung (Jürgen Fiedler, Hermann Müller, Herbert Rösch, Dr. Arnold Schromm und Dieter M. Schinhammer), dem neuen Jahrbuch die gewohnte wissenschaftliche Qualität zu sichern. Prof.Dr.Dr. Ulrich Leinsle, Regensburg, behandelt ein „Gedichtbändchen der Universität Dillingen zum Tod Herzog Albrechts V. von Bayern (1579) mit Werken von Jakob Pontanus“.
Felicitas Söhner, Dillingen, berichtet über „Lauinger Rezepte im Codex Palatinus“ und Apotheker Walter Schneider, Dillingen, ist mit dem Beitrag „Mein Weg zum Grab von Heinrich Roth“ vertreten.
Roth (1620-1668) wurde im Haus, in dem sich heute die Dillinger Obere Apotheke befindet, geboren, war Jesuit und Missionar und mit seinen Sanskrit-Studien Wegbereiter der modernen Indologie. Spannend berichtet Walter Schneider von seiner Suche nach Roths Grab in Agra/Indien und über das Schicksal der von Roth verfassten Sanskrit-Grammatik.
Buchbesprechungen und Berichte zur Geschichte des Historischen Vereins im Jahre 2009/10 (Dieter M. Schinhammer), zur Mitgliederentwicklung (Erwin Rieder) und zum Tod von Renate Wenck (Herbert Rösch) runden die Beiträge ab.
Der Band umfasst 172 Seiten und ist zum Preis von 15 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich.