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Naturkindergarten Höchstädt

18.09.2020

In Höchstädt toben kleine Obstwichtel

Psst, nicht verraten: Das ist der Geheimtunnel, den der fünfjährige Anton im Naturkindergarten Obstwichtel in Höchstädt gebaut hat.
Bild: Bronnhuber

Plus Bei Wind und Regen, bei Sonne und bei Nebel: Im Naturkindergarten, der im Kreisobstlehrgarten ist, toben, spielen und lernen die Kinder unter freiem Himmel. So läuft es bisher.

Ein dickes Brot mit Salami, Käse und Salat. Anton beißt herzhaft rein und schlingt das abgebissene Stück schnell hinunter. Er hat keine Zeit. Weil er doch am liebsten den ganzen Tag auf Bäume klettert. „Und ich muss noch im Geheimtunnel was machen“, sagt er und spurtet los. Ruckzuck ist der fünfjährige Bub im Dickicht verschwunden. Nur ein Rascheln und Kichern ist zu hören. In der Zwischenzeit hat sich der gleichaltrige Samuel rote Handschuhe angezogen und die kleine Säge geschnappt. „Ich muss das wegmachen“, sagt er selbstbewusst und packt den Ast vor sich. Hochkonzentriert sägt er entschlossen hin und her. Jannik steht hinter ihm. Der kleine Bub hat Nägel und Hammer in der Hand. In aller Ruhe klopft er sie in das dünne Brett vor sich. Vermutlich kein Zufall, dass auf Janniks blauer Schildkappe ein Bild der Zeichentrickfigur „Bob, der Baumeister“ ist.

Mit Säge, Hammer und Nägel

Während die drei Buben fleißig vor sich hinwerkeln, beobachtet Julia Manier das bunte Treiben. Sie lächelt und sagt: „Für die drei Jungs ist das ein Paradies. Das werden richtige Handwerker.“ Ein Paradies, das die Drei seit September jeden Tag besuchen. Sie und noch zwei weitere Mädchen sind die ersten Schützlinge des neuen Naturkindergarten in Höchstädt – und der hat laut Leiterin Julia Manier auch schon einen Namen. „Es ist der Naturkindergarten Obstwichtel. Das passt definitiv“, sagt sie. Denn die kleinen Wichtel, die unter freiem Himmel bei Wind und Wetter spielen, toben, essen und lernen, sind im Kreisobstlehrgarten des Landkreises Dillingen untergebracht.

Hochkonzentriert und voller Freude hämmert der dreijährige Jannik die Nägel in das Brett.
Bild: Bronnhuber

Wie berichtet, ist das Bayerische Rote Kreuz Dillingen der Träger. Am 1. September ist die neue Einrichtung in Höchstädt mit fünf Kindern gestartet – inklusive der Leiterin, die bisher im Montessorihaus in Wertingen als stellvertretende Gruppenleiterin tätig war. Ihr zur Seite steht Rebecca Mayr, sie absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr im Naturkindergarten. „Es ist wirklich toll hier, den Kindern gefällt es unglaublich und auch die Eltern sind sehr glücklich“, sagt Manier.

Täglich zwischen 7.30 und 7.45 Uhr werden die Racker an die Eingangstür zum Kreisobstlehrgarten gebracht. Mit den Erzieherinnen wandern die Buben und Mädchen dann vorbei an Jakob Fischer, Kaiser Wilhelm und Co. – wer will, darf an den Apfelbäumen auch naschen – hoch zu ihrer Holzhütte. Dort hängen bunte Wimpel, Schaufeln, Rechen und Bollerwagen stehen bereit. Auf kleinen Baumstämmen findet ein Morgenkreis statt, dann darf getobt werden. „Wir spazieren auch täglich durch den Garten. Zurzeit naschen wir von Himbeeren und Trauben. Aus den Äpfeln kochen wir Mus“, erzählt Julia Manier.

Auf Bäume klettern

Bei Jannik, Anton und Samuel sind vor allem die Werkzeuge besonders beliebt. Ob Hammer, Nagel, Schnitzmesser oder Säge – es ist alles frei zugänglich für die Kleinen. Sie lernen laut der Leiterin von allein, was geht und was nicht. Natürlich achte sie darauf, dass nichts passiert. Trotzdem gebe es auch mal ein kleines Aua. „Sie dürfen auf Bäume klettern und sich frei bewegen. Das ist uns wichtig“, sagt sie. Aktuell dürfen die Kinder sich nur noch nicht komplett allein im Kreisobstlehrgarten bewegen. Julia Manier wolle erst die Gemeinschaft fördern und sie sich an die neue Umgebung gewöhnen lassen.

Ein echter Handwerker: Der fünfjährige Samuel sägt am liebsten an den Ästen – ganz behutsam und mit Handschuhen.
Bild: Bronnhuber

Die Jungs haben sich schnell in ihrem Obstwichtel-Kindergarten eingelebt. Dort ein Tunnel, hier eine Höhle. „Und wir haben eine ganz eigene, schnelle Wippe“, erzählt der fünfjährige Anton stolz. Er springt erneut ins Gebüsch, zieht einen dickeren Ast hervor und legt diesen über einen Baumstumpf. Fertig ist die Wippe. Ein anderes Spiel, das sie gerne spielen: Wer baut den höchsten Sandberg? Wer gewinnt, ist meist nicht klar, „aber schön“, sagt der kleine Jannik und grinst frech. An diesem Tag im Naturkindergarten hat sich ein kleiner Wurm im Sandhaufen versteckt. Kurzerhand, so erklärt es die Leiterin, ist das heutige Thema in der Einrichtung eben Wurm. „Viele Eltern meinen immer noch, dass wir im Naturkindergarten keine richtige Vorschularbeit leisten. Aber das stimmt überhaupt nicht“, sagt die staatlich anerkannte Erzieherin. Auch wenn alles im Freien stattfinde und die Buben und Mädchen sehr viel Freiheit haben, so werde genauso gelernt. Nur anders. „Wir haben beispielsweise einen Zahlenwald. Wir zählen und integrieren die Bäume. Oder rechnen mit Steinen.“ Und auch im Naturkindergarten gebe es Bücher, Spiele und Wasserfarben zum Malen.

Schlechtes Wetter gibt es nicht

Jetzt fehlen nur noch ein großes Tipizelt, das bald aufgebaut werden soll, ein Tisch soll noch in die Hütte kommen und die Zeckenpieper werden demnächst geliefert. Außerdem soll ein Stück Rasen mit Hackschnitzel aufgefüllt werden. Und es fehlen noch Kinder. Bis zu 20 „Obstwichtel“ könnten in Höchstädt toben, aktuell sind es fünf. Anmeldungen unter dem Jahr sind daher noch möglich.

Bild: Bronnhuber

Angst vor Unwetter müssen Mamis und Papis laut Julia Manier auch nicht haben. „Wir haben im Notfall einen Unterschlupf in dem festen Gebäude im Kreisobstlehrgarten. Dort nutzen wir auch die Toiletten“, so Manier weiter, und sie ergänzt lächelnd: „Aber im Naturkindergarten gibt es kein schlechtes Wetter.“

Kontakt: Der Naturkindergarten Obstwichtel in Höchstädt hat täglich geöffnet von 8 bis 12.30 Uhr. Eine Anmeldung ist möglich unter Telefon 09074/440 (Rathaus Höchstädt).

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