Herr Bührle, Sie sind seit dem 1. April der neue Chef der Dillinger Polizei. Wie war Ihr Start?
Ralf Bührle: Ich bin gut und freundlich empfangen worden, sodass ich mich hier auf Anhieb wohlgefühlt habe. Die offizielle Amtseinführung und Verabschiedung meines Vorgängers musste leider verschoben werden, ich hoffe, dass wir dies in absehbarer Zeit nachholen können.
Wie schwierig war und ist es für Sie, sich mitten in der Corona-Krise in eine neue Stelle einzuarbeiten?
Bührle: Auch bei der Polizei gibt es Homeoffice-Regelungen, sodass der persönliche Kontakt teilweise fehlt. Gerade am Anfang fällt das schwer, da man Abläufe noch nicht so kennt und man sich leider nicht so schnell persönlich kennenlernen kann, was für die tägliche Zusammenarbeit doch wichtig wäre. Aber andere trifft es viel schlimmer, ich möchte auf keinen Fall jammern. Ich tausche mich viel per Telefon aus, unter anderem auch mit dem Landrat und Bürgermeistern aus der Region, die ich kennenlernen möchte – auch wenn es persönlich natürlich schöner gewesen wäre.
"Die meisten Menschen in der Region sind vernünftig"
Wie herausfordernd ist für Sie und die Dillinger Polizei die Kontrolle der Ausgangsbeschränkungen?
Bührle: Das ist natürlich eine Herausforderung. Gerade am Anfang war es schwierig, da es bei einigen Bürgern Unklarheiten gab. Einzelne Verstöße sind immer dabei. Die meisten Menschen in der Region sind aber vernünftig und halten sich an die Regelungen. Dies war auch über das lange Osterwochenende so. Insgesamt sind wir sehr zufrieden. Und glücklicherweise ist derzeit relativ wenig in anderen Bereichen los, sodass wir uns auf die „Corona-Kontrollen“ konzentrieren können.
Wie streng bestrafen Sie Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen?
Bührle: Wir wollen nicht jeden Verstoß gleich ahnden, sondern aufklären sowie mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl vorgehen. Da, wo Menschen uneinsichtig sind oder Gefahr droht, müssen wir jedoch konsequent sanktionieren.
Welche Arbeitsregelungen gibt es aufgrund der Corona-Pandemie derzeit bei der Polizei?
Bührle: Es gibt Bereiche bei uns, in denen Homeoffice nicht möglich ist. Für eine Unfallaufnahme muss man vor Ort sein. Auch ich selbst bin im Büro. In anderen Bereichen, etwa in der Verwaltung, können Mitarbeiter derzeit verstärkt von zu Hause aus arbeiten. Auch unser Schichtmodell haben wir umgestellt. Wir achten darauf, dass sich die Kollegen möglichst wenig treffen und man beispielsweise immer mit demselben Partner auf Streife ist, damit im Falle einer Infektion nicht ganze Bereiche ausfallen.
Auch in Dillingen gibt es nicht genug Schutzausrüstung
Die Bundespolizei hat sich kürzlich über fehlende Schutzausrüstung beschwert. Ist dies auch bei Ihnen ein Problem?
Bührle: Auch wir haben nicht so viel Schutzausrüstung, wie wir uns das wünschen würden. Es reicht nicht dafür, dass unsere Beamten grundsätzlich Mundschutz tragen können. Aber sie haben immer eine Schutzausrüstung im Fahrzeug dabei, die sie anziehen können, wenn sie mit einer möglicherweise infizierten Person in Kontakt kommen. Ansonsten halten wir uns an Hygiene- und Abstandsregelungen. Eine bestätigte Infektion mit Covid-19 gab es bei der Dillinger Polizei zum Glück noch nicht.
Blicken wir nach vorne: Welche Ziele haben Sie in Dillingen?
Bührle: Die Kriminalitätslage im Landkreis ist im bayern- und schwabenweiten Vergleich sehr gut. Mein Ziel ist es, dass dies weiterhin so bleibt und wir unseren Bürgern hier ein sicheres Leben gewährleisten können. Wichtig sind mir außerdem die weitere Verbesserung der Verkehrssicherheit sowie Prävention durch bürgernahe Polizeiarbeit.
Zur Person: Ralf Bührle ist 50 Jahre alt und stammt aus dem Raum Freiburg. Bei der Polizei war er in Baden-Württemberg, München und Friedberg tätig, außerdem arbeitete er im Bayerischen Innenministerium. Zuletzt war Bührle Leiter des Sachbereichs Verkehr und stellvertretender Sachgebietsleiter im Polizeipräsidium Schwaben Nord. Er wohnt im Landkreis Aichach-Friedberg, ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Seit 1. April leitet der 50-Jährige die Dillinger Polizeiinspektion und folgt damit dem langjährigen Leiter Johannes Prommer, der im vergangenen Herbst in Ruhestand gegangen ist.
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