Man stelle sich folgendes Szenario vor: Es passiert ein Unglück bei einem Faschingsumzug, die Feuerwehr kommt nur schwer durch die Menschenmassen, es gibt Verletzte oder sogar Tote. Und im Nachgang stellt sich heraus, dass die Veranstaltung grundlegende Sicherheitsaspekte nicht vollständig erfüllt hat. Zu Recht würde in diesem Fall Kritik an der Genehmigungsbehörde laut werden.
Gundelfingen: Feuerwehrhaus ist nicht frei verfügbar
Deshalb ist das Einschreiten des Landratsamtes beim Gundelfinger Umzug nachvollziehbar und richtig. So wie der Umzug mitsamt seines Ausklangs in der Brenzhalle verläuft, ist das Feuerwehrhaus nicht mehr frei verfügbar. Auch wenn Fahrzeuge und Helfer auf die Stadt verteilt sind, könnte dies im Ernstfall wertvolle Minuten kosten (lesen Sie hier mehr zu den Sicherheitsbedenken des Landratsamtes am Gundelfinger Umzug).
Zu oft ist auf Großveranstaltungen schon etwas passiert, als dass man das – wohlgemerkt geringe – Risiko für ein Unglück außer Acht lassen dürfte. Vorfälle wie die Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg oder auch die Verpuffung beim Gaudiwurm in Donauwörth im vergangenen Jahr zeigen, wie schnell aus einer Spaßveranstaltung bitterer Ernst werden kann.
Kritikern, die den hiesigen Behörden Kleinkariertheit vorwerfen, sei der Blick in den Nachbarlandkreis Donau-Ries empfohlen. Dort müssen Ausrichter einer Großveranstaltung sogar ein professionelles Sicherheitskonzept vorlegen, das einem Verein schon mal einen mittleren fünfstelligen Betrag kosten kann. In Genderkingen wird es deshalb heuer erstmals seit 20 Jahren keinen Gaudiwurm geben.
Faschingsumzüge: Auflagen und Gespräche kommen zu spät
Verglichen zu dem sind die Auswirkungen auf die Umzüge im Kreis gering. Sicher, auch hier nehmen die gesetzlichen Auflagen zu und man muss dankbar sein für jeden Ehrenamtlichen, der die Verantwortung nach wie vor auf sich nimmt. Zu Recht verärgert hat die Organisatoren, dass das Landratsamt die Auflagen erst im November aktualisierte und es erst im Dezember Gespräche gab. Die Planungen laufen schon Monate vorher.
Im Fall von Gundelfingen gibt es die Veranstaltung in der Brenzhalle seit Jahrzehnten. Doch zuletzt waren die Besucherzahlen ohnehin rückläufig. Ob sich das Event – auch angesichts gestiegener Hallengebühren – finanziell noch gelohnt hätte, ist unklar. Dass dieser Ausklang nun wegfällt, ist zwar schade. Die Glinken werden dies aber verkraften können. Zumal ein neues Feuerwehrgerätehaus, das in einigen Jahren stehen soll, die örtlichen Bedingungen in Gundelfingen ohnehin verändern wird.
Hintergründe zur Absage der Faschingsveranstaltung der Glinken finden Sie hier.