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Landkreis Dillingen: Corona-Liebeskrise oder fröhlicher Valentinstag?

Landkreis Dillingen

Corona-Liebeskrise oder fröhlicher Valentinstag?

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    Am Sonntag ist Valentinstag. Doch wie wichtig ist der Tag? Wie kommen Paare überhaupt erfolgreich durch diese besonders angespannte Zeit zwischen Homeoffice, Homeschooling und social distancing?
    Am Sonntag ist Valentinstag. Doch wie wichtig ist der Tag? Wie kommen Paare überhaupt erfolgreich durch diese besonders angespannte Zeit zwischen Homeoffice, Homeschooling und social distancing? Foto: Dida Mair (Symbol), Horst von Weitershausen (Archiv)

    Braucht es überhaupt einen Valentinstag? Oder ist öfter oder gar nicht schenken besser?

    Barbutev: Goethe hat gesagt „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“ Dies gilt auch für den Valentinstag. Feste Tage im Jahr können einer Partnerschaft guttun und eine Form von Ritual und Brauch darstellen. Außerdem brauchen wir wohl manchmal eine Erinnerung im Kalender. Wenn der Valentinstag nur Stress, Konsum und Pflicht bedeutet, dann berührt es wahrscheinlich auch nicht den Beschenkten. Schön kann es sein, wenn Paare kreativ werden und weg von materiellen Dingen gehen. Warum nicht einfach mal Zeit, ein Picknick oder eine Winterwandung schenken? Sich um den anderen nur am Valentinstag Gedanken zu machen ist sicherlich zu wenig, denn Liebe braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Allerdings müssen es nicht immer Geschenke sein, denn so unterschiedlich Paare sind, so unterschiedlich kann Liebe ausgedrückt werden.

    Wachsen Paare eher zusammen?

    Kommen Paare besser oder schlechter durch die Krise?

    Barbutev: Homeoffice und Homeschooling, die ungewohnte und unentwegte räumliche Nähe, die mangelnde Möglichkeit von Ablenkung, aber auch Ängste sind eine Herausforderung für Beziehungen. Die Notwendigkeit gut zu kooperieren und Absprachen zu treffen, einen neuen Alltag zu strukturieren, kann schnell zu Stress führen. Häufig werden dadurch schon bestehende Probleme verstärkt. Allerdings gibt es auch Paare, die durch die Krise enger zusammenwachsen und mehr Zeit füreinander und für ihre Beziehung haben. Diese erleben ihre Beziehung als Ressource in der Krise. Nicht zuletzt ist Beziehung auch ein Resilienzfaktor, also etwas, was die körperliche und seelische Widerstandsfähigkeit stärkt.

    Was machen harmonische Paare besser?

    Barbutev: John Gottmann, ein amerikanischer Paarforscher und Mathematiker, hat die die Formel 5:1 aufgestellt. Harmonische Paare haben fünf positive Kontakte im Verhältnis zu einem negativen Kontakt. Positive Kontakte sind beispielsweise kleine Geschenke, Komplimente, Zärtlichkeiten, Aufmerksamkeiten, bewusstes Interesse am anderen und Zuhören. Wenn diese positiven Kontakte vorhanden sind, dann können auch Konflikte besser ausgehalten und konstruktiv angegangen werden. Denn automatisch führt dies zu einer freundlichen Grundhaltung zueinander, durch die Verhalten und Äußerungen eher positiv bewertet werden.

    Wie sieht es bei Homeschooling aus?

    Wie stehen Paare Homeoffice und Homeschooling durch?

    Barbutev: Dies stellt natürlich eine immense Belastung für Paare und Familien dar. Hier kann eine gute Tagesstruktur und klare Absprachen über Aufgabenteilung hilfreich sein. Außerdem ist es wichtig, dass die Partner sich gegenseitig Freiräume ermöglichen, in denen jeder machen kann, was er gern möchte und ihm guttut. So könnte der eine sich um die Kinder kümmern und der andere zum Joggen gehen. Dann muss es natürlich auch einen Ausgleich geben, sodass jeder immer wieder seinen Energietank auffüllen kann.

    Wie kommen Paare gut durch die Krise, wenn sie sich nur selten sehen können, weil sie Grenzen trennen, die jetzt noch schwerer zu überwinden sind?

    Barbutev: Dies betrifft häufig junge Menschen. Diese Paare sollten alle Möglichkeiten nutzen, um gut in Verbindung zu bleiben. Durch miteinander reden, vom eigenen Alltag erzählen, sich über Themen austauschen, die gerade beschäftigen, über Freuden, aber auch Sorgen. Oder vielleicht auch durch den Austausch von Fotos aus dem Alltag.

    Ruth-Anne Barbutev
    Ruth-Anne Barbutev

    Digitale Medien machen es zum Glück möglich, in Kontakt zu bleiben, sich sogar in die Augen zu blicken oder gemeinsam einen digitalen Abend zu verbringen. Trotzdem fehlt natürlich die körperliche Nähe. Gerade Berührungen aktivieren das Bindungshormon Oxytocin und man fühlt sich zusammen gehörig. Hier bleibt nur übrig, Pläne zu schmieden und sich auf die gemeinsame Zukunft zu freuen.

    Hilfe suchen und finden

    Psychologische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Dillingen, Regens-Wagner-Str. 2. Termine nach Vereinbarung unter Telefon 0906/21215 oder 09071/8401 (Anrufbeantworter).

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