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Konzert

15.07.2020

Leuchttürme der Orgelmusik

Johannes Skudlik begeisterte in der Dillinger Basilika an der Orgel.
Bild: Walter

Johannes Skudlik begeistert in der Dillinger Basilika mit einem an Höhepunkten reichen Programm

Mit Johannes Skudlik beglückte ein außergewöhnlicher Orgelvirtuose das zahlreiche Publikum beim zweiten Konzert des Dillinger Orgelsommers. Das singuläre an Höhepunkten reiche Programm zeigte eine Künstlerpersönlichkeit mit Empathie, großem Musikverständnis und exzellenten technischen Fähigkeiten. Das wurde an zwei Werktiteln besonders sichtbar.

So bewunderten die Zuhörer die ouvertürenhafte Festlichkeit der Toccata und Fuge d-Moll von J. S. Bach (BWV 565), die verschwenderische Vielfalt von einstimmigen Linien und mächtigen Klangverdichtungen mit untermauerndem 32 Fuß-Pedal, die frei improvisierten und metrisch gebundenen Passagen. Johannes Skudlik kontrastrierte die kontinuierlichen Sechzehntelbewegungen der Fuge in einen ruhig fließenden Verlauf mit überraschenden dynamischen Abstufungen, ehe die Schlusskadenz das Stück gewichtig abschloss.

Das andere Hauptwerk, eine Hommage von Franz Liszt an den Thomaskantor, in der Jean Guillou die Klavier- mit der Orgelfassung zu einer Einheit verband. Die Fülle der klanglichen Möglichkeiten der Sandtner-Orgel durchströmte die Basilika im Präludium und Fuge über den Namen B-A-C-H. Die Interpretation durch Skudlik unterwarf den Orgelsatz, der von strenger Stimmigkeit bis hin zum Virtuosen reichte, dem Gesetz der einheitlichen Wirkung, ohne zum Selbstzweck zu werden. Die Spieltechnik des Organisten basierte auf einer fabelhaften Geschmeidigkeit, einem tadellosen Legato und der größten Präzision im rhythmischen Bereich. Die Sachlichkeit in Phrasierung und die Genauigkeit im Hörbarmachen des formalen Aufbaus faszinierten.

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In eine andere klangliche Welt führte die Bearbeitung der „Air“ von J.S.Bach aus der Orchestersuite Nr.3 durch Sigfried Karg-Elert. Über dem leicht hingetupften Staccato-Pedal erhob sich eine wunderschöne Melodie, zisiliert von einer romantisch angehauchten Orchester-Adaption, die das Schwellwerk der Orgel gekonnt einfärbte. Im „Prélude, Fugue, Variation op. 18“ von César Franck (1864) konnte J. Skudlik eine gelöste, fast heitere Stimmung erzeugen. Wie von selbst, in typischer Registrierung flossen die filigranen Begleitfiguren dahin, über die sich eine wiegenliedhafte, natürliche Melodie breitete.

Welch ein kompositorisches wie nachschöpferisches Meisterwerk rundete die Matinee ab: das „Scherzo symphonique“ von Pierre Cochereau. Diese von Jeremy Filsell aufgeschriebene Improvisation aus Notre-Dame-de-Paris geriet dank Johannes Skudlik zu einem hinreißenden Bravourstück. Wie er die Triolenketten des 12/8-Taktes als Perpetuum mobile aneinanderreihte, die Akkorde rhythmisch akkurat dazwischen streute und mit Pedaltönen glasklar strukturierte, war grandios. Zum Schluss immenser Beifall, den der Organist mit einer Meditation belohnte.

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