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Landkreis Dillingen

02.05.2019

Männer verdienen mehr: „Wir brauchen ein klares Umdenken“

Vor dem Grünen-Büro in der ehemaligen Casuisten-Bäckerei: (von links) Ingrid Stanzel, Beate Walter-Rosenheimer, Eva Lettenbauer und Heidi Terpoorten.
Bild: ands

Nach wie vor verdienen Frauen weniger als Männer. Warum ist das so? Ein Gespräch unter vier Frauen der Grünen.

Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer. Statistisch arbeiten weibliche Arbeitnehmer die ersten 77 Tage eines Jahres quasi umsonst. Bis zum 18. März, dem sogenannten „Equal Pay Day“, dem Tag der gleichwertigen Bezahlung. Warum ist das so? Ein Gespräch unter vier Frauen der Grünen, die die Missstände zwischen Mann und Frau kritisieren: Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer, Landtagsabgeordnete Eva Lettenbauer, Bezirksrätin Heidi Terpoorten sowie Kreisrätin Ingrid Stanzel.

Weniger Bezahlung, schlechtere Bedingungen

Als „unmöglich“ bezeichnet Terpoorten das Ungleichgewicht in der Arbeitswelt zwischen Mann und Frau. Während Frauen vor allem in den „mies bezahlten“ sozialen Berufen vertreten seien, wären die Chefetagen vor allem den Männern vorbehalten, sagt Terpoorten. Lettenbauer betont, dass der Unterschied zwischen diesen Berufswelten nicht nur in der Bezahlung liegt. „Die Arbeitsbedingungen in frauentypischen Jobs sind massiv schlechter“, sagt die Landtagsabgeordnete. Dazu komme, dass Frauen zu wenig Mitspracherecht hätten, ergänzt Walter-Rosenheimer. „Wo Entscheidungen getroffen werden, sitzt in der Regel ein Mann.“

Terpoorten meint, dass dies auch daran liegen könnte, dass Männer im Beruf eher den Mut zu radikalen Schritten hätten, während es Frauen oft nur darum gehe, die Existenz zu sichern. Lettenbauer entgegnet: „Das kann aber keine Rechtfertigung für eine schlechtere Bezahlung sein.“ Sie fordert, dass auch in kleineren Betrieben Gehälter offengelegt werden. So könnten Frauen überprüfen, was Männern in gleichen Positionen verdienen. „So hätte man eine andere Verhandlungsgrundlage“, sagt Lettenbauer.

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Nach wie vor klassische Rollenverteilung im Privaten

Kreisrätin Ingrid Stanzel betont, dass Frauen aktiv für ihre Rechte eintreten müssen und das einfordern sollen, was ihnen zusteht. Leider sei zu beobachten, dass zu wenige Frauen bereit wären, auch politisch Verantwortung zu übernehmen, was unter anderem auf private Belastungen zurückzuführen sei. Nach wie vor gebe es auch im Privaten eine „klassische“ Rollenverteilung, beobachtet Bundestagspolitikerin Walter-Rosenheimer. Selbst wenn beide Partner Vollzeit arbeiten, sei der Haushalt überwiegend Sache der Frauen. Nach einer Kinderpause sei es für Mütter schwer, wieder in ihre Berufe zurückzukehren. Walter-Rosenheimer fordert deshalb ein Rückkehrrecht in Vollzeitarbeit.

Wie können sich die Verhältnisse ansonsten verbessern? „Wir brauchen ein klares Umdenken“, sagt Lettenbauer. Eine Frauenquote für Vorstände müsse her, um Frauen verstärkt die Chance zu geben, Führungsaufgaben zu übernehmen. Große Unternehmen könnten so als Vorbild vorangehen. Die Fähigkeiten, und nicht das Geschlecht, müssten im Mittelpunkt der Arbeitswelt stehen. „Dann kommen auch die Frauen zum Zug.“ Stanzel wirft ein, dass bereits jetzt einige Start-ups mit Frauen an der Spitze vertreten sind. „Der Umbruch ist voll im Gange“, sagt sie. (ands)

Einen Bericht zur Lage des Arbeitsmarktes im Landkreis Dillingen finden Sie hier: 138 Arbeitslose weniger im Landkreis Dillingen

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