Gertrud Reinhardt aus Dillingen hat Ende November wieder einen Jungen getroffen. Die 84-Jährige kennt ihn schon sehr, sehr lange. Aber dieses Treffen Ende November war ihr schönstes Erlebnis in diesem Jahr. Deswegen hat sie uns einen Brief geschrieben.
„Ich stelle auf mehreren Kunsthandwerkermärkten mit viel Liebe und Ausdauer gestaltete Stickereien aus. Eines Tages kam eine Mutter mit ihrem etwa sechsjährigen Sohn zu mir.
Er saß im Rollstuhl und bekam von mir etwas Süßes. Da strahlte er über das ganze Gesicht. Von da an kamen die beiden auf jeden Markt. Die Mutter sagte, dass ihr Sohn mich suchen würde, und dass sicher nicht wegen der Süßigkeiten. Denn ich unterhielt mich auch mit ihm. Und langsam taute er auf. Eines Tages, da stand er wieder vor meinem Tisch. Ja, er stand. Das Gehen war zwar etwas mühsam, aber den Rollstuhl brauchte er nicht mehr. Meine Freude darüber war riesengroß und der Junge war ganz, ganz stolz, dass er mir dieses Wunder zeigen konnte. Eine stille Freude verband uns beide und ich empfand das als etwas Besonderes. Ich, die 84-jährige Seniorin, und dieser kleine Junge, der bestimmt schon viel Leid und Schmerzen ertragen musste. Ich wollte ihm eine Freude machen und fragte ihn, ob er einen Wunsch hätte. Ein Auto.
Da erklärte ihm die Mutter, dass das nicht möglich wäre. Da fiel mir ein, dass ich ihm ein Handtuch mit seinem Namen sticken könnte und mit einem Auto drauf. Erst da erfuhr ich den Namen des Jungen: Benedikt. Ich machte ein wunderschönes Handtuch mit seinem Namen, einem Auto und einem Autokran, hellblau war es.
Ich freute mich schon so auf seine strahlenden Augen. Doch mein kleiner Freund tauchte nicht mehr auf. Auf jeden Markt nahm ich das Geschenk mit. Aber er kam nicht mehr. Über ein Jahr später stand er vor ein paar Wochen plötzlich vor meinem Tisch und strahlte über das ganze Gesicht – und ausgerechnet da hatte ich das Geschenk nicht dabei.
Doch ich versprach ihm, dass er etwas bekommen würde, per Post. Aber ich verriet ihm nicht was. Und jetzt gehe ich zur Post um meinen kleinen Freund ein wenig glücklich zu machen und einen kleinen Sonnenstrahl in seinem Herzen zu entzünden.“ (pm)