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Dillingen

04.03.2019

Satirische Untersuchung der Volksseele

Ein glänzendes Beispiel satirischer Weltbetrachtung erlebten die Besucher des SPD-Kabarettabends im Großen Saal des Dillinger Collegs mit dem Kabarettisten Lutz von Rosenberg-Lipinsky
Bild: Erich Pawlu

Lutz von Rosenberg-Lipinsky gibt beim SPD-Kabarettabend im Colleg in Dillingen Tipps, wie man keine Panik vor dem Sterben haben muss – auf seine ganz eigene Art.

William Shakespeare lässt seinen Mark Anton im Drama „Julius Caesar“ die Vermutung aussprechen, dass alle Urteilskraft „zum blöden Vieh“ geflohen sei. Heute scheint es, als sei aller Verstand nicht in den Kuhstall, sondern ins Kabarett ausgewichen. Denn immer mehr Kleinkünstler verschreiben sich dem Ziel, den großen Torheiten unserer Zeit mit der Heiterkeit der Vernunft zu begegnen.

Eine Reise in dieses neue Rückzugsbiotop vermittelte der Kabarettabend des SPD-Ortsvereins Dillingen. Im restlos ausverkauften Großen Saal des Collegs bereiteten Ursula Poser, stellvertretende Ortsvorsitzende, und Tobias Rief, designierter Ortsvorsitzender, mit einer gutgelaunten Begrüßung auf den Pointenhagel des zweieinhalbstündigen Abendprogramms vor. Unter dem Titel „Wir alle werden sterben – Panik für Anfänger“ ermöglichte Lutz von Rosenberg-Lipinsky seiner Zuhörerschaft die Teilnahme an einem Blindflug ins Jenseits. Auf solcher Strecke erhält jeder Blick zurück die Bedeutung einer diagnostischen Analyse von Narreteien. Mit norddeutsch gefärbter Rhetorik und eisernen Stimmbändern verspottete er vor allem die Nörgelsucht der Deutschen. Sätze wie „Für uns ist nur erfreulich, was schief geht“ und „Die ganze Welt mag uns, nur wir mögen uns nicht“ sind längst zu Leitmotiven des Denkens und Handelns geworden.

„Kreuzfahrten sind die beste Art, Urlaub zu machen, weil man den ganzen Tag frisst.“

Nahe an Jan Weilers „Pubertier“-Beobachtungen hielten sich die ironischen Anmerkungen zum digitalisierten oder gechillten Lebensrhythmus zeitgenössischer Kinder. Mit dem Satz „Wir lieben alle unsere Kinder - aber nicht zu Hause“ kommentierte Rosenberg-Lipinsky die neuen Erziehungsstrapazen, die Eltern von smartphonebewehrten Kindern auf sich nehmen müssen. Aber der Kabarettist kennt einen persönlichen Ausweg: „Dann fahre ich nach Dillingen und gucke, wie man in den sechziger Jahren gelebt hat.“ Außerdem empfiehlt er Erholung auf dem Schiff: „Kreuzfahrten sind die beste Art, Urlaub zu machen, weil man den ganzen Tag frisst.“ Und weil man fern ist von politischen Ärgernissen. In diesem Zusammenhang wurden satirische Breitseiten gegen Angela Merkel, Siegmar Gabriel und Thomas de Maizière abgefeuert.

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Kabarett in Dillingen mit Deutschlands lustigstem Seelsorger

Der zweite Teil des witzig-aggressiven Dauerfeuers machte verständlich, weshalb Lutz von Rosenberg-Lipinsky als „Deutschlands lustigster Seelsorger“ deklariert wurde. Nach Art eines Predigers entlarvt er die Gemeinplätze in den landläufigen Urteilen zum Asylantenproblem. Und im Stil eines gutgelaunten Philologen definiert er die unterschiedliche Bedeutung der Begriffe „Angst“ und „Panik“. Aber er dämpft auch die transzendentalen Erwartungen islamischer Terroristen: Die Verheißung, dass für jeden Bombenleger in Mohammeds jenseitigem Paradies 72 Jungfrauen bereitgestellt werden, beruhe auf einem Übersetzungsfehler. In Wirklichkeit erwarte jeden himmelfahrenden Kämpfer lediglich eine einzige 72-jährige Jungfrau.

SPD-Ortsvorsitzender Hubert Probst wurde vom starken Beifall der Besucherinnen und Besucher unterstützt, als er abschließend dem Gast aus Gütersloh für das glänzende Beispiel einer kabarettistischen Untersuchung der Volksseele dankte.

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