Zwei Harley-Davidson-Fahrer sind hintereinander auf der Kreisstraße DLG 17 zwischen Offingen und Peterswörth unterwegs. Plötzlich fährt der hintere Mann, 33 Jahre alt, zu dicht auf seinen Vordermann auf. Es kommt zu einem schweren Unfall. Der 33-Jährige muss mit dem Rettungshubschrauber in die Augsburger Uniklinik gebracht werden, der zweite Fahrer kommt ins Krankenhaus Günzburg.
Zu einem weiteren schweren Motorradunfall ist es vor wenigen Tagen im Raum Wertingen im Laugnaer Ortsteil Asbach gekommen. Dort wollte ein 34-jähriger Autofahrer von der Kreisstraße in Richtung Osterbuch abbiegen. Dabei übersah er einen vorfahrtsberechtigten 67-jährigen Motorradfahrer. Dieser konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und prallte frontal in die linke Fahrzeugseite. Durch den Aufprall erlitt der Motorradfahrer aus Diedorf schwere Verletzungen.
Nur wenig Sonne in diesem Sommer 2021
Das sind nur zwei Beispiele mit schlimmen Motorradunfällen, die sich in den vergangenen Wochen im Landkreis Dillingen ereignet haben. Und dies ist zu dieser Jahreszeit ist nicht außergewöhnlich, wie Katharina von Rönn, Polizeisprecherin in Dillingen, erklärt. „Die meisten Motorräder sind mit Saisonkennzeichen versehen. In der Regel fahren die meisten Menschen von April bis Oktober und nutzen die warme Jahreszeit. Da in diesem Jahr der Sommer sprichwörtlich ins Wasser gefallen ist, haben viele Motorradfahrer und -fahrerinnen nur wenige Sonnentage nutzen können“, sagt sie.
Deshalb könne man dieses Jahr die Unfallzahlen nicht auf bestimmte Monate festlegen. Generell, so die Polizisten, sei die Statistik schwankend, jedoch im Vergleich von 2019 auf 2020 leicht ansteigend. Und: „Etwa die Hälfte der Motorradunfälle ist auf Eigenverschulden zurückzuführen. Hierbei spielen überhöhte Geschwindigkeit und entsprechende Fahrfehler eine Hauptrolle“, erklärt von Rönn.
Tendenziell stellte die Polizei Dillingen fest, dass aufgrund der Corona-Pandemie und des damit verhängten Lockdowns weniger Unfälle im Landkreis Dillingen zu verzeichnen sind – auch, weil der Berufsverkehr deutlich geringer ausgefallen sei und auch Ausfahrten zu Vergnügungszwecken in Teilen nicht möglich gewesen seien
Zwei Menschen sind 2016 ums Leben gekommen
In Zahlen: Bis inklusive August haben sich im Jahr 2021 im Kreis Dillingen insgesamt 32 Unfälle mit Motorradfahrern oder -fahrerinnen ereignet. Dabei wurden 13 Menschen teils schwer verletzt. Acht Mal ist der Unfall auf Eigenverschulden zurückzuführen. Zum Vergleich: 2018 kam es zu 50 Unfällen, 28 Mal war ein Fahrer oder eine Fahrerin selbst schuld. Im Jahr 2016 sind zwei Menschen bei Motorradunfällen ums Leben gekommen.
Aber wie kann man sich und andere auf der Straße (besser) schützen? Katharina von Rönn sagt: „Da Motorradfahrer keinen Schutzraum um sich herum haben, sind sie natürlich auch gefährdeter, wenn es zu einem Unfall kommt. Wichtige Rolle hierbei spielt die Ausrüstung für den/die Fahrer/in, aber auch das Motorrad sollte gut gewartet werden.“
Während der Fahrt sollte immer eine Schutzbekleidung getragen werden, entweder aus Leder oder speziellem Material für Motorradfahrer. Diese haben oft Protektoren für Gelenke und Rücken, zusätzlich sei das Material sehr robust, und bei einem Sturz komme es nicht zum Einbrennen von Faserstoffen in die Haut. Auch der Motorradhelm sollte regelmäßig ausgewechselt werden, da Kunststoff durch Licht und Alter porös werden kann.
Signalfarben und geprüfter Helm
Nach einem Sturz sollte jeder Helm ausgewechselt werden. Zudem werden helle Farben oder Signalfarben für die Bekleidung empfohlen. Viele Biker tragen mittlerweile sogar Warnwesten, um besser gesehen zu werden.
„Für das Motorrad gilt ebenfalls, die bestmögliche Erkennbarkeit herzustellen. Lichter müssen funktionieren und dürfen nicht verdeckt werden, Gleiches gilt auch für Blinklichter, die gerne aus optischen Gründen auf ein Minimum verkleinert werden. Wichtiges Augenmerk ist auf die Bereifung zu legen. Hier sollte immer ausreichend Profiltiefe vorhanden sein, auch das Alter der Reifen ist hier zu beachten“, so die Dillinger Polizeisprecherin. Dann steht einer schönen Ausfahrt nichts mehr im Weg.