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Dillingen

20.05.2019

Spannende Historie: Eine Kurfürstin mit eigenwilligem Lebensstil

Der Historische Verein Dillingen (HV) und die Volkshochschule Dillingen (VHS) veranstalteten im Dillinger Colleg einen Vortrag zum Thema „Kurfürstin Maria Leopoldine, die Widerständige“. Im Bild: (von links) HV-Vorsitzender Dieter M. Schinhammer, Dr. Katharina Weigand von der Universität München und Vhs-Vorsitzende Sabine Remiger.
Bild: Pawlu

Katharina Weigand charakterisiert Maria Leopoldine, Erzherzogin von Österreich-Este, im Dillinger Colleg. Es sind spannende Einblicke in adlige Dynastien und deren Zwänge.

Das Entwirren vielfach verästelter adeliger Stammbäume gilt im schulischen Geschichtsunterricht als wenig amüsant. Aber die vielen Besucher im Großen Saal des Dillinger Collegs gewannen einen ganz anderen Eindruck, als Dr. Katharina Weigand von der Universität München sich mit der Kurfürstin Maria Leopoldine und ihren dynastischen Zwängen beschäftigte.

Vortrag in Dillingen: Die Hochzeit wurde arrangiert

Dieter M. Schinhammer hatte als Vorsitzender des Historischen Vereins einleitend auf das „Unikum“ Maria Leopoldine (1776-1848) hingewiesen, das sich nach einem Urteil des Historikers Heinz Gollwitzer durch „Erwerbssinn, Unternehmensgeist, Spekulationstalent und die Gabe rationeller Verwaltung“ auszeichnete. Dr. Weigands Charakterisierung der Erzherzogin von Österreich-Este, die 1795 als 18-Jährige aus machtpolitischen Gründen mit dem 52 Jahre älteren Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Baiern verheiratet wurde, entwarf darüber hinaus ein Bild von einer Frau, die sich in der Rolle eines „enfant terrible“ gefiel und entsprechendes Aufsehen erregte. Die Tochter des Erzherzogs Ferdinand Karl von Österreich erhoffte sich baldigen Nachwuchs, weil Karl Theodor über keinen legitimen Erben verfügte. Das erklärt auch die Hast, mit der die Hochzeit schon kurz nach dem Tod der bisherigen Gemahlin Karl Theodors 1795 in Innsbruck arrangiert wurde.

Zunächst schien sich Maria Leopoldine in ihr Schicksal fügen zu wollen. Aber, so berichtete Dr. Weigand, die enttäuschte Hoffnung auf Schwangerschaft und die Begegnung mit Max Joseph von Zweibrücken-Birkenfeld veränderte ihr Verhalten derart, dass sie „außer Rand und Band“ geriet. Sie kündigte ihrem Gatten ihre Bereitschaft zum Vollzug ihrer ehelichen Pflichten, nahm sich Liebhaber und gebar in Laibach, heute Ljubljana, unter Wahrung strengster Diskretion einen Sohn. Nach ihrem geäußerten Prinzip „Glücklich, der fern jedes Hofes leben kann“, ließ sich Maria Leopoldine nach dem Tod Karl Theodors im Jahre 1799 auf dem Landgut Stepperg, bei Neuburg nieder und schloss 1804 eine zweite Ehe mit Ludwig Graf von Arco.

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Die letzte Kurfürstin Bayerns starb bei einem Unfall

Auch dieser Verbindung fehlte die partnerschaftliche Harmonie. In dieser Phase ihres Lebens trug Maria Leopoldine auch in der Öffentlichkeit ländliche Arbeitskleidung, was ihr in der Hofgesellschaft den Spitznamen „Stinkbüchslein“ einbrachte. Die letzte Kurfürstin Bayerns starb bei einer geplanten Österreichreise in der Nähe von Wasserburg, als ihr Wagen mit einem schwer beladenen Salzfuhrwerk kollidierte und umstürzte.

Dr. Katharina Weigand wandte sich vehement gegen die Tendenz, Maria Leopoldine als Vorläuferin der Emanzipationsbewegung zu werten. „Maria Leopoldine hat sich in keiner Weise für Frauenrechte [...] stark gemacht, ihr ging es einfach und allein darum, nun endlich ein Leben nach eigenem Gusto zu führen.“

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