Es ist eine Szene, die deutsche Fußball-Fans immer an Urs Meier erinnern wird. Im Halbfinale der Fußball-WM 2002 zeigt der damalige Weltklasse-Schiri aus der Schweiz Michael Ballack die Gelbe Karte. Der Kapitän der deutschen Elf fehlt im Finale gegen Brasilien, die Mannschaft unterliegt den Fußball-Zauberern aus Südamerika mit 0:2. "Natürlich würde ich Ballack sofort wieder Gelb zeigen", sagt Urs Meier, ohne auch nur einen Moment darüber nachzudenken. Die erste Gelbe Karte habe sich Ballack wegen Meckerns abgeholt. Vielleicht sollten sich die Fans einmal darüber ärgern, meint der Fußball-Experte.
Urs Meier ist am gestrigen Montag Referent beim 1. Dillinger Sparkassen-Forum in der Sebastian-Kneipp-Halle (Bericht folgt). Rund 700 Gäste haben sich zu dem Vortrag angemeldet, sagt der Vorstandsvorsitzende Thomas Schwarzbauer stolz. Zuvor wird der frühere FIFA-Schiedsrichter bei seinem zweiten öffentlichen Auftritt nach der WM in Südafrika im Dillinger Malzstadel empfangen. Dort nützen viele Kommunalpolitiker, unter ihnen die Bürgermeister Wolfgang Schenk, Franz Kukla und Willy Lehmeier, die Gelegenheit, mit Meier die Fußball-Weltmeisterschaft Revue passieren zu lassen. Auch Sportvertreter aus der Region wie BLSV-Kreisvorsitzender Alfons Strasser und die einstige FCG-Torwartlegende Walter Fuchsluger sind gekommen. Landrat Leo Schrell spricht ebenfalls mit dem ZDF-Experten über Jogis Jungs. "Deutschland hat in Südafrika den schönsten Fußball gezeigt", meint Meier. Gegen Spanien habe die Elf aber etwas zu mutlos agiert. Der frühere Schiri hat eine klare Meinung zum Bloemfontein-Tor, das nicht gegeben wurde, aber den 2:2-Ausgleich der Engländer im Achtelfinale gegen Deutschland bedeutet hätte: "Ich bin für den Chip im Ball." Schiedsrichter und Linienrichter hätten aus ihrer Position nicht sehen können, dass das runde Leder hinter der Linie war. Wer technische Hilfsmittel ausschließe, müsse konsequenter Weise solch krasse Fehlentscheidungen akzeptieren.
Urs Meier spricht in Dillingen über das schnelle Entscheiden in kritischen Situationen. Hier gebe es viele Parallelen zwischen Schiedsrichtern und Führungskräften in Unternehmen. "Wenn das Bauchgefühl ja sagt, dann sollte man ihm vertrauen", meint der ZDF-Fußballexperte. Und wenn die Entscheidung gefallen sei, müsse man dafür geradestehen und, wenn nötig, Fehler eingestehen, sagt der Chef der "Urs Meier Management AG". Der Fußballregelexperte hat eine Grundüberzeugung: "Langfristiger Erfolg geht nur mit Fair Play und Ehrlichkeit." Von Berthold Veh