Startseite
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten

Straßenserie: Der Galgen vor der Stadt Dillingen

Straßenserie

Der Galgen vor der Stadt Dillingen

  • |
  • |
  • |
    Am Galgenberg in Dillingen sehen Passanten heutzutage ein Feldkreuz. Es dient der Erinnerung an die Opfer der Galgen aus früherer Zeit.
    Am Galgenberg in Dillingen sehen Passanten heutzutage ein Feldkreuz. Es dient der Erinnerung an die Opfer der Galgen aus früherer Zeit.

    „Straßen und ihre Namen“ heißt eine Serie unserer Zeitung. Dabei spüren wir der Geschichte von Straßen in unserem Landkreis nach.

    Ein kühler Tag muss es gewesen sein – die Hitze des Sommers bereits vorübergezogen –, als am 7. Oktober 1716 die älteste in den Quellen verzeichnete Hinrichtung durch Erhängen in der einstigen Universitätsstadt Dillingen vollzogen wurde. „Auf dem Acker beim Galgen“ nannten die Bewohner die Hinrichtungsstätte, erzählt die Dillinger Stadtarchivarin Dr. Felicitas Söhner. Verzeichnet sind Hinrichtungen an eben jenem Oktober des Jahres 1716, am 30. Januar 1717 und am 20. März 1719. Nicht bekannt ist, wie viele Galgen an dem Ort aufgerichtet waren. Der Tod durch den Galgen galt als entehrend und war oft qualvoll. Hatte das Opfer nicht das „Glück“, durch Genickbruch zu sterben, stand ihm ein qualvoller, langer Erstickungstod bevor.

    Der Dillinger Galgen war von Weitem sichtbar

    Besucher und Einwohner sahen die Galgen drohend von Weitem aufragen. Ihre prominente Position war sowohl von Steinheim als auch von Holzheim kommend zu sehen, so schildert es Söhner; dabei bezieht sie sich auf Aufzeichnungen aus dem Dillinger Stadtarchiv. Sie konnten auch als weithin sichtbare Drohung an alle Untertanen aufgefasst werden. Verurteilte wurden wohl über die alte Straße, unter dem sogenannten Leitentor hindurch, zur letzten Station ihres Lebens geführt. Der Turm trägt heute die Anschrift „Auf der Leiten 11“ und wurde später zum Wasserturm umfunktioniert. Söhner hat einen Stadtplan von 1824 gefunden – dort ist der Galgenberg zwischen der Färberweide, heute befindet sich darauf die Luitpoldkaserne, und der Geländekante eingezeichnet. Als in Dillingen 1884 die Straßennamen offiziell eingeführt wurden, lag der Galgenberg noch außerhalb der Stadtgrenzen, wie Söhner berichtet. Sie vermutet den damaligen Standort der Galgen „zwischen den jetzigen Hausnummern elf und 16.“ Heute befindet sich dort ein Feldkreuz, zum Gedenken an die Opfer der vergangenen Jahrhunderte. Das Erhängen wurde in Deutschland bis zum Ende der NS-Zeit praktiziert, in den USA gar bis 1996. In Japan gibt es diese Strafe offiziell noch immer.

    In unserer Straßenserie haben wir zuletzt geklärt, ob Dillingen einmal einen Hafen hatte.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden