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Eppisburg/Dillingen

09.07.2020

Tag des Rock 'n' Roll: "Für mich war es immer Elvis Presley"

Der „King“: Keiner steht mehr für die Rock-’n’-Roll-Bewegung als Elvis Presley. Frauen himmelten ihn an, Männer wollten so sein wie er. Auch bei uns im Landkreis Dillingen hat der Sänger einen Hype ausgelöst.
Bild: Elvis Presley Enterprises, LLC

Plus Vor 50 Jahren erreicht uns die Rock-’n’-Roll-Bewegung. Der "King" wurde von Frauen und Männer angehimmelt. Auch im Landkreis Dillingen. Erinnerungen an schwungvolle Zeiten.

„It’s gotta be Rock’n’Roll Music if you wanna dance with me“, sang Chuck Berry 1957. Übersetzt heißt es so viel wie: „Es muss Rock-’n’-Roll-Musik sein, wenn du mit mir tanzen willst“. Diese Liedzeile ist mehr als 50 Jahre alt – und dennoch immer noch aktuell. Denn jedes Jahr am 9. Juli, dem Tag des Rock and Roll, erinnern Fans dieser Musik an diese Stilrichtung. Auch bei uns im Landkreis Dillingen. Die schwungvolle Tanzbewegung geht dabei auf den TV-Moderator Dick Clark zurück, der am Donnerstag vor 50 Jahren die amerikanische Sendung „American Bandstand“ übernahm, die unter ihm ein bedeutendes Vehikel für den neuen Groove aus Amerikas Südstaaten wurde, bevor er über die Hamburger Klubszene auch nach Deutschland kam und sich von dort aus nach ganz Europa wie ein Fieber verbreitete.

Auch die Musik von Karel Gott und Little Richard gefielen der Eppisburgerin

Inge Sailer kann sich noch gut daran erinnern. Die Eppisburgerin war als Jugendliche live dabei. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ihre Eltern besaßen das örtliche Wirtshaus, und dort lief rund um die Uhr das Radio – auch einer der ersten Fernseher im Ort stand ebenda. Neben Karel Gott und Lale Andersen liefen nun die heißen Klänge von Elvis und Little Richard über den Äther. Die Musik hatte es der jungen Frau sofort angetan, wie sie heute erzählt. Auch ihr Mann Gerhard mag den „tollen Rhythmus“, den nun langsam auch deutsche Künstler entdeckten. Beispielsweise die zwei Rivalen Ted Herold („Moonlight“) und Peter Kraus („Sugar Baby“). Sie schenkten sich in Deutschland nichts.

Einbrecher oder Rockstar? Ein Gag aus Eppisburg

Doch für Inge war das nicht das Wahre. „Wir haben Peter Kraus mitbekommen“, erzählt sie, „aber für mich war es immer Elvis Presley.“ Der schaffte es sogar bis in ihr Schlafzimmer. Wie das geht? Die primäre Informationsquelle über die neuen Stars war die Jugendzeitschrift Bravo, und in der gab es den sogenannten Starschnitt. In jeder Ausgabe war ein Teil eines lebensgroßen Posters einer aktuellen Berühmtheit. So konnte man sich auch über einige Wochen hinweg einen eigenen Elvis für die Schlafzimmerwand zusammensammeln. „Ich habe ihn immer hinter dem Vorhang versteckt und einmal vergessen, zuzuziehen. Meine Oma kam rein und ist so erschrocken, sie dachte, es wäre ein Einbrecher!“

Eine junge Dillingerin brennt für Rock 'n' Roll

Es kostete viel Überredungskunst, dass der King bleiben durfte. Die Hysterie der kreischenden Mädchen konnte sie jedoch nie nachvollziehen, das schieße irgendwie am Ziel vorbei, welches ja immer noch die Musik selbst ist. „Ich war immer ein stiller Fan“, sagt sie.

Doch der Rock ’n’ Roll ist nicht nur Musik, zu ihm gehört auch Tanz. Was der Walzer zu Zeiten von Johann Strauß war, war der Rock’n’Roll in den 50ern und 60ern. Ein als anrüchig geltender Gesellschaftstanz, der unter Jugendlichen ein Tanzfieber auslöste und die Welt eroberte. Als solcher ist er auch unter jungen Leuten noch verbreitet. Die Dillinger Tänzerin Anna Maria Lederle geht in die neunte Klasse und brennt für Rock’n’Roll. Sie war bis vor kurzem bei der Dillinger Formation „United“ tätig und macht wegen der Corona-Krise gerade Pause. Für sie steckt der Clou im Detail. „Obwohl die Grundelemente mit Übung einfach auszuführen sind, ist vor allem die Koordination und die präzise Ausübung der Bewegungen eine Herausforderung.

Dazu kommt, dass Rock-’n’-Roll-Tanzen unglaublich anstrengend ist. Insofern besteht eine Schwierigkeit darin, Kondition und Kraft aufzubauen. Bis der Grundschritt wirklich fehlerfrei getanzt werden kann, braucht es auch einiges an Zeit und viel Training“, erklärt sie.

Die Dillingerin macht sich Sorgen um den Nachwuchs

Im Vergleich zu damals stehen für sie aber der Spaß an der Musik und das Tanzen im Vordergrund. Sie macht sich aber auch Sorgen. Der Nachwuchs fehlt. Dass der Rock ’n’ Roll für Freiheit auf allen anderen Ebenen steht, ist nicht mehr so wichtig, findet sie: „Musik wird heute vor allem gehört, weil sie dem eigenen Geschmack entspricht. Die Message der Musik spielt hier meiner Meinung nach eine eher hintergründige Rolle.“

Bedeutet das, dass der Rock ’n’ Roll an Lebensgefühl verloren hat? Nein, er dient eher als Zeitkapsel. Anna Maria sagt: „Das Feeling von damals ist nicht mehr so spürbar. Allerdings wird ja auch das Lebensgefühl von damals durch die Musik und das Tanzen vermittelt, also am besten eine Mischung aus beidem.“ Also doch keine Museumsmusik.

Was bleibt? Musik, die Leidenschaft und Feuer hat, die so mancher oft vermisst, wenn im Radio die Top 40 zu hören sind. Und Ohrwürmer. Jede Menge. Und durchs Wohnzimmer – oder auch Schlafzimmer – kann man auch heute noch twisten. Voraussetzung: „It’s gotta be Rock ’n’ Roll Music if you wanna dance with me“.

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