Trinkwasserverluste von acht bis 20 Prozent durch marode oder veraltete Leitungsrohre sind in den Kommunen des Landkreises als beinahe normal einzustufen. Klar, dass da im Untergrund mal etwas kaputtgehen kann, sagt Christoph Lautner, Werkleiter der Bayerischen Rieswasserversorgung (BRW), der die Verluste im gesamten Gebiet des Wasserversorgers mit rund acht Prozent angibt. Besonders bei Leitungsnetzen, die schon mehr als 50 bis 80 Jahre alt sind und durch immer häufiger aufkommende Spannungen im Boden beschädigt werden, müssen Kontrollen auf Lecks an den Rohren durchgeführt werden. „Eine Mitschuld an diesen vermehrten Bodenspannungen trägt auch der Klimawandel“, sagt Lautner, da besonders die Trockenheit im Boden zu starken Spannungen beitrage. „Nach Rohrlecks gesucht wird über ständige Messungen an Wasserzählern, die über das gesamte Netz verteilt angebracht sind“, informiert Werkleiter Lautner, wobei die Kontrollablesungen meist in der Nacht zwischen zwei und vier Uhr erfolgten.
200 Rohrbrüche pro Jahr werden festgestellt
Denn um diese Uhrzeit ist ein überdurchschnittlicher Wasserverbrauch schnell zu entdecken. Wo dann ein Leitungsbruch im Netz vorhanden ist, muss über Horchkontrollen eruiert werden. Dabei kommt nach den Worten des Werkleiters auch moderne Technik, wie etwa ein Signal-Korrelator, zum Einsatz. „Im gesamten 1393 Kilometer langen Rohrnetz der Bayerischen Rieswasserversorgung werden jährlich rund 200 Rohrbrüche festgestellt, die dann so schnell wie möglich repariert werden, um die Trinkwasserverluste so gering wie möglich zu halten“, sagt der Werkleiter. Wie bei der Bayerischen Rieswasserversorgung wird auch in den Städten Dillingen, Lauingen, Gundelfingen und Höchstädt, die im Gegensatz zu den kleineren Kommunen im Landkreis noch selbst für ihre Wasserleitungsnetze zuständig sind, laufend überprüft, welche Wasserverluste durch kaputte Rohrleitungen auftreten.
Auch hier sind laut Mitteilung von Wolfgang Behringer, Leiter der Stadtwerke Dillingen/Lauingen (DSDL), die Rohrleitungsnetze in Sektionen eingeteilt, an denen Wasserzähler angebracht sind, die ebenfalls nachts überprüft werden, um leichter einen Mehrverbrauch an Trinkwasser durch Lecks oder gar Rohrbrüche festzustellen.
Im Bereich Dillingen/Lauingen liege der Wasserverlust bei durchschnittlich 15 Prozent
„Sind die jeweiligen Bruchstellen gefunden, müssen häufig in Straßenzügen mit veralteten Rohren diese vollkommen erneuert werden, um keinen weiteren Rohrbruch zu riskieren, und dass dann die Straße erneut aufgerissen werden muss“, sagt Behringer. Das Aufspüren der kaputten Leitungen erfolge ebenfalls über die sogenannte Horchtechnik wie bei der BRW. Für den Bereich Dillingen/Lauingen beziffert Behringer den durchschnittlichen Wasserverlust mit rund 15 Prozent. In Gundelfingen wird das städtische Trinkwassernetz über den Wasserverbund Untere Brenz-Gruppe von der Landeswasserversorgung Baden-Württemberg eingespeist. Das gesamte Rohrnetz werde jedoch von der Stadt geprüft und instand gehalten, teilt Geschäftsstellenleiter Heinz Gerhards mit. Die Wasserverluste beziffert er mit durchschnittlich 17 bis 20 Prozent in den vergangenen drei Jahren.
In Wertingen und Höchstädt betreut jeweils die Stadt das Netz
Für das 108 Kilometer lange Rohrleitungsnetz der Trinkwasserversorgung in Wertingen ist Wassermeister Franz Brunner zuständig. „Wir fördern unser Wasser aus einem eigenen Brunnen und überprüfen das Leitungsnetz in eigener Verantwortung“, sagt der Wassermeister. Der Trinkwasserverlust durch Rohrbrüche betrage in Wertingen zwischen fünf bis zehn Prozent. Dies sei davon abhängig, wie schnell ein Leck aufgespürt und dann auch repariert werden könne. In Höchstädt muss das Trinkwassernetz ebenfalls von der Stadt betreut und überwacht werden, berichtet Geschäftsstellenleiter Achim Oelkuch. Die Wasserverluste beziffert er mit gleichbleibend rund zehn Prozent in den vergangenen Jahren. Dies sei auf das schnelle Eingreifen bei Rohrbrüchen zurückzuführen, sagt Oelkuch, was jedoch auch mit enormen Kosten verbunden sei. Im Gegensatz zu den Trinkwasserleitungen sind die Kommunen im Landkreis alle für ihr Kanalnetz zur Wasserentsorgung und -aufbereitung in Kläranlagen selbst zuständig. Mittels Kanalkataster, für dessen Einrichtung die Kommunen seit dem Jahr 2015 vom Freistaat bezuschusst werden, können mittels Robotern die Kanalrohre abgefahren und auf Schäden überprüft werden, wobei auch kleine Reparaturarbeiten durchgeführt werden können, ohne die Oberfläche aufreißen zu müssen.
"Schau auf die Rohre" startet in Dillingen
Um nun die Bürger anschaulicher über Kosten und Aufwand bei der Instandhaltung dieser im Boden eingebrachten Versorgungs- und Entsorgungsrohrleitungsnetze zu informieren, hat der Freistaat Bayern im April vergangenen Jahres mit dem Bayerischen Gemeinde- und Städtetag sowie den Fachverbänden der Wasserwirtschaft für den Erhalt der Trinkwasser- und Abwassernetze die Informationskampagne „Schau auf die Rohre“ gestartet.
Hintergrund dieser Kampagne ist dem Umstand geschuldet, dass zehn bis 15 Prozent aller Abwasserkanäle und Trinkwasserleitungen in Bayern in den kommenden Jahren saniert oder erneuert werden müssen. Geschieht das nicht, drohe eine Häufung von Schäden mit entsprechend steigenden Kosten. Denn Alter und Zustand der Leitungssysteme sind laut der Informationskampagne den Bürgern kaum in der öffentlichen Wahrnehmung präsent. Ein Schlagloch in der Straße oder bröckelnder Putz an der Schulfassade werde vom Bürgerauge sofort kritisch wahrgenommen. Die Leitungen im Untergrund seien für die Bürgerinnen und Bürger dagegen nicht unmittelbar sichtbar.
Es gibt eine kostenlose Ausstellung mit Führungen
Daher werden im Rahmen der Kampagne der bayerischen Bevölkerung mittels Broschüren, Videos, Websites und einer Vielzahl von Veranstaltungen die wichtigen Aufgaben rund um den Erhalt des bayerischen Leitungsnetzes vor Augen geführt. Das alles koste richtig viel Geld, und nur ein Bürger, dem anschaulich gemacht werden könne, wie wichtig diese Themen sind, werde bereit sein, diese Maßnahmen über Beiträge und Gebühren auch zu bezahlen.
„Die Leitungsnetze der Wasserver- und Abwasserentsorgung sind oftmals der größte Vermögenswert einer Gemeinde. Ihre Instandhaltung ist enorm wichtig, damit diese wertvolle kommunale Infrastruktur für die Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft zur Verfügung steht und bezahlbar bleibt“, teilt Claus Kumutat, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, im Rahmen der Informationskampagne mit.
Ausstellung und Führung Im Dillinger Stadtsaal findet am Mittwoch, 20. Februar, eine Ausstellung rund um das Motto „Schau auf die Rohre“ statt. Der Eintritt ist kostenlos. Um 9, 10 und 11 Uhr werden Führungen angeboten.
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