Syrgenstein Der Ort für die Versammlung ist nicht zufällig gewählt. 130 Interessierte sind an diesem Montagabend im Foyer der Syrgensteiner Bachtalhalle zusammengekommen, um sich über Möglichkeiten einer Bürgerbeteiligung an den Zöschinger Windkraftanlagen zu informieren.
„Damit sitzen Sie genau unter unserer Bürgersolaranlage, die 2006 in Betrieb gegangen ist“, so Andreas Mattern von der Bürgersolar Syrgenstein GbR, der zusammen mit Windanlagenbetreiber Georg Honold den Abend bestreitet. Ein Erfolgsprojekt sei die Bürgersolaranlage geworden. Bei 450000 Euro lag damals die Investition der Bürger. „Und wir freuen uns jedes Jahr, wenn wir über unsere eigene Ausschüttung abstimmen dürfen.“
Eine Freude, die Mattern auch anderen Menschen wünscht. Schon seit Längerem träumt er davon, dass der komplette Windpark, der bei Zöschingen entstehen soll, finanziell von den Kommunen und den Bürgern vor Ort gestemmt wird. „Damit würde das Geld, das damit verdient wird, vor Ort bleiben und zu einem großen Teil auch hier wieder ausgegeben.“ Doch Mattern gibt auch zu – eine komplette Finanzierung ohne Investoren von außerhalb – das sei schon ein Kraftakt. Schließlich kostet allein eines der Windräder vier Millionen Euro. Das, so der Antragsteller Georg Honold, produziere im Jahr Strom im Wert von 470000 Euro.
Abzüglich der Kosten etwa für Wartung und Instandhaltung, Versicherung, Pacht und Betriebsführung sei bei einer hundertprozentigen Eigenfinanzierung mit einer jährlichen Ausschüttung von 356000 Euro zu rechnen. Lege man zugrunde, dass die Anlage von 400 Investoren mit einem jeweiligen Einzelanteil von 10000 Euro finanziert würde, so ergebe sich den Berechnungen zufolge eine jährliche Ausschüttung, die über 20 Jahre zwischen 800 und 9000 Euro liege. Insgesamt seien in den zwei Jahrzehnten 17000 Euro Ausschüttung zu erwarten.
Daneben präsentiert Honold auch eine Berechnung, die auf einer Fremdkapitalquote von 50 Prozent und 200 Einzelanteilen von je 10000 Euro basiert. Hier liege der Anteil, bis zur Abzahlung des Darlehens, in den ersten Jahren zwar deutlich niedriger. Über 20 Jahre gesehen betrage die Ausschüttung allerdings 21600 Euro. In beiden Fällen könne man davon ausgehen, dass die Einspeisevergütung gegenüber der Rechnung eher steigen werde, so Honold. Der Anlagenbauer garantiere zudem über 15 Jahre eine Verfügbarkeit von 97 Prozent. Trotzdem: „Man muss immer sehen, dass es eine Maschine und dass der Wind keine Konstante ist. Es ist auch immer ein unternehmerisches Risiko“, stellt Honold klar. Vier Millionen Euro für eine Anlage, das sei sicherlich kein Pappenstiel. „Aber wenn der Euro nix mehr wert ist, dann dreht sich das Windrad trotzdem und wir brauchen immer noch Strom.“
Konfrontiert mit den Daten aus dem neuen Windatlas für Bayern, der für Zöschingen lediglich eine Windgeschwindigkeit von 3,5 Metern pro Sekunde ausweist, erklärt Honold, dass Messungen vor Ort, wie sie von ihm durchgeführt worden seien, nicht durch Berechnungen, die Grundlage des Windatlasses seien, ersetzt werden könnten. Hierfür würden nur stichprobenartig Messungen in zehn Meter Höhe angestellt. Die eigenen Messungen in Zöschingen hätten dagegen eine mittlere Windgeschwindigkeit von sechs Metern ergeben.
Bis Ende September will Andreas Mattern nun die Listen mit den Interessenten auswerten und eine Homepage für „Bürgerwind Bachtal“ installieren. Dann soll es eine zweite Informationsveranstaltung geben, bei der konkret über die Form – ihm schwebt eine GbR vor – und über die Höhe der einzelnen Anteile diskutiert werden soll. „Wichtig ist, dass sich möglichst viele einbringen.“ Mit der Resonanz auf die erste Veranstaltung ist Mattern sehr zufrieden. Vor allem auch, weil man beim Thema geblieben sei und keine Diskussion über Für und Wider der Anlagen aufkam.
Berthold und Claudia Matzkovits besitzen schon ein Stück Windrad. Und das Paar aus dem württembergischen Gerstetten wird, wie viele andere hier, wohl auch bei der nächsten Infoveranstaltung wieder mit dabei sein. Aus Überzeugung hätten sie damals in das Windrad investiert. Und sie wollen es wieder tun. „Denn Geldanlagen sind inzwischen ja auch nicht mehr sicher.“