Von Berthold Veh
Gundremmingen Kernkraftwerke faszinieren Gabriele Strehlau ganz offensichtlich. Denn Atommeiler haben es der neuen kaufmännischen Geschäftsführerin der Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH (KGG) schon lange angetan. In ihrer Schulzeit sollte die heute 47-Jährige im Kunstunterricht einen Kupferstich anfertigen. Und da suchte sich Gabriele Strehlau, wie sie im Rande des Kraftwerksgesprächs am Freitagabend in Gundremmingen erzählt, ein Foto mit dem AKW Grafenrheinfeld als Vorlage aus. „Dieses Bild vereinte Idylle und Technik, das Dorf im Vordergrund, das Kernkraftwerk im Hintergrund“, sagt die Diplomökonomin aus Essen. Für die Wirtschaftswissenschaftlerin hat dieses Weltbild bis heute Bestand. Kernenergie und die Siedlungen der Menschen – für Strehlau ist dies das perfekte Zusammenspiel von Technik und Leben. Nur eines habe bei dem Foto für den Kupferstich nicht gepasst. Das Kraftwerk Grafenrheinfeld gehört nicht dem RWE-Konzern, für den die Essenerin heute arbeitet.
Fahrten in den Urlaub
Die Controllerin hatte am Freitagabend beim Kraftwerksgespräch in der Kantine des Gundremminger Kernkraftwerks ihren ersten großen Auftritt. Am 1. April wird sie Christoph Quick beerben, der eine andere Aufgabe im Konzern übernimmt. Etwa 130 geladene Gäste sind gekommen, unter ihnen Bundestagsabgeordneter Georg Nüßlein, Landtagsabgeordneter Alfred Sauter und die Landrats-Stellvertreter Cilli Ruf und Josef Langenbach. Über den neuen technischen Geschäftsführer Michael Trobitz, seit Jahresbeginn Nachfolger von Helmut Bläsig, haben die Kommunalpolitiker schon einiges gelesen. Ganz neu ist für sie das Gesicht von Gabriele Strehlau.
Die 47-Jährige hat bei Gundremmingen ein richtig gutes Gefühl. Denn die verheiratete Mutter eines vierjährigen Sohnes verbindet die Fahrten vom Ruhrgebiet in den Süden immer mit Gedanken an frühere Urlaube in Tirol und am Gardasee. Gabriele Strehlau ist für das gesamte Controlling der Kernenergie-Sparte von RWE verantwortlich. Dazu gehört neben den beiden Reaktorblöcken in Gundremmingen auch der Block des Kernkraftwerks Emsland in Lingen.
Das Wort Controlling gefällt Strehlau nicht besonders. „Ich möchte eher das gute Gewissen unserer Entscheidungsträger sein“, sagt sie. Natürlich gehe es darum, wo es geht, noch kostengünstiger zu produzieren. „An der Sicherheit machen wir aber keine Abstriche“, betont Strehlau. Die 74 Millionen Euro, die KGG in diesem Jahr für die Modernisierung des Gundremminger Kernkraftwerks ausgibt, werden sich rentieren, sagt die kaufmännische Geschäftsführerin: „Wir werden dieses Geld wieder verdienen.“