Das „Go“ für eine Tagespflege in Wertingen liegt vor
Als „unverzichtbaren Bestandteil des Gemeinwesens im Landkreis“ bezeichnete Alt-Landrat Leo Schrell die Arbeit des Bayerischen Roten Kreuzes im Landkreis Dillingen. Schrell, der BRK-Kreisvorsitzender ist, untermauerte seine Aussage mit bemerkenswerten Zahlen. So seien die rund 2000 Ehrenamtlichen und etwa 320 Hauptamtlichen in über 100.000 Stunden pro Jahr in Bereichen von Rettungsdienst bis Wasserwacht, von Sozialstation bis Sanitätsdienst oder von Kleiderläden bis Fahrdienste in unermüdlichem Einsatz für die Allgemeinheit.
Als Beispiel hob er unter anderem die Katastrophenschutz-Übung des Landkreises im vergangenen Jahr hervor. Angenommen wurde dabei der Absturz eines Kleinflugzeuges ins Krankenhaus Wertingen. Allein 75 BRK-Helfer seien hier im Einsatz gewesen. Besonderes Augenmerk lenkte Schrell auf das Thema Blutspenden. In Bayern gebe es rund 280.000 aktive Blutspender, im Landkreis Dillingen seien sogar etwa sieben Prozent der Bevölkerung regelmäßige Blutspender. Vehement wandte sich Schrell gegen das Narrativ, dass das Rote Kreuz damit Geld verdiene. Schrell: „Das Rote Kreuz verdient mit Blutspenden nichts“. Wenn dem so wäre, „wären die Privaten in diesen Markt längst eingestiegen“.
Das Rote Kreuz sei aber ein nachhaltiger Partner der Städte, Märkte und Gemeinden im Landkreis. „Helfen wo es notwendig ist“, laute die DNA des Verbandes. Lutzingens Bürgermeister Christian Weber bezeichnet die BRK-Tätigkeit als „Arbeit, die unbezahlbar ist“. Die vielen Helferinnen und Helfer würden das Kostbarste investieren, was Menschen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen könnten: ihre Zeit. Besonders in einem Notfall, wie er ihn persönlich kürzlich erlebt habe, sei man unendlich dankbar für die Menschlichkeit und Kompetenz, mit der die Einsatzkräfte ihre schwierige Arbeit erledigen.
Nach den Worten von Stephan Härpfer stehe das BRK Dillingen im Zeichen des Wandels, allerdings mit Kontinuität. Der langjährige Geschäftsführer übergibt Ende April die Leitung des Kreisverbandes an Alexander Herrmann, seinen bisherigen Stellvertreter und bisherigen Leiter des Rettungsdienstes. Laut Leo Schrell habe es viele gute Bewerbungen gegeben, man habe sich für den Besten entschieden. „Er hat als Zivi bei uns angefangen und endet jetzt als Kreisgeschäftsführer“, bemerkte Stephan Härpfer augenzwinkernd, begleitet von unter amüsiertem Applaus der Anwesenden.
In seinem Rückblick ging Härpfer besonders auf das Thema Digitalisierung und die Planungen zur Tagespflege in Dillingen ein. „Der Bedarf ist groß“, sagte er. Vieles konnte man jedoch bisher nicht umsetzen, da die Baukosten extrem gestiegen seien und der Personalmangel dramatisch sei. Schwerpunkt der Arbeit im Jahr 2026 werde der Standort Wertingen. Alexander Herrmann nahm den Faden auf. Seit Donnerstag habe man vom Finanz- und Planungsausschuss das „Go“ für eine Tagespflege in Wertingen in Zusammenarbeit mit dem dortigen Krankenhaus. Mit Blick auf eine entstehende Geriatrie am Wertinger Krankenhaus und die daraus resultierenden Kooperationsmöglichkeiten bezeichnete er das Tagespflege-Konzept als „extrem gut“. Der frühere Speisesaal des Personals werde als Haupträumlichkeit für die Tagespflege genutzt werden.
Herrmann geht davon aus, dass „wir es um den 1. Juli/3. Quartal“ in die Realität umsetzen könnten. Außerdem werde es in Wertingen ab 9. Februar einen weiteren Rotkreuz-Kleiderladen geben, und zwar in den Räumen des ehemaligen Spielwarengeschäfts Siwi. Zum Thema Rettungswagen/Krankentransporte verwies er auf Ergebnisse eines Gutachtens, das offiziell erst an diesem Montag bekanntgegeben werde. Bereits jetzt könne er allerdings sagen, dass in Schwennenbach eine Erhöhung um 4,5 Stunden pro Tag im Rettungswagenbereich erfolgen werde. Zudem werde es im Landkreis Dillingen eine Erhöhung des Krankentransports geben.
Bei der Feierstunde zur Ehrung langjähriger Mitglieder erhielten 13 Ehrenamtliche hohe staatliche Auszeichnungen, die Landrat Markus Müller im Auftrag des bayerischen Innenministers überreichte.
Bei der Feierstunde des BRK-Kreisverbandes überbrachte Landrat Markus Müller die Grüße des Bayerischen Innenministers. Auch der Landrat lobte die vielfältige ehrenamtliche Tätigkeit der Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation in Bereichen wie Rettungsdienst, Wasserwacht, Sozialstation, Essen auf Rädern, Kleiderläden, Koronarsport, Blindentonbandzeitung, Fahrdienste, Katastrophenschutz und Sanitätsdienste. In kurzen Rückblicken würdigte er die Tätigkeit jedes Geehrten und überreichte im Namen von Innenminister Joachim Herrmann folgende Auszeichnungen:
Das Staatliche Ehrenzeichen in Silber für 25-jährige Dienstzeit: Verena Dopfer und Christine Mathieu (beide Wasserwacht Dillingen), Cornelius Grandy (Bereitschaft Kesseltal), Johannes Meule (Bereitschaft Bachhagel), Andreas Schabel (Bereitschaft Dillingen).
Das Staatliche Ehrenzeichen in Gold für 40-jährige Dienstzeit: Robert Huber (Bereitschaft Kesseltal), Ulrich Lange (Bereitschaft Wertingen), Christa Wendler (Bereitschaft Höchstädt).
Das Staatliche Ehrenzeichen am Bande für 50-jährige Dienstzeit: Josef Bayer, Alfred Holl und Siegbert Straubinger (alle Wasserwacht Lauingen), Maria Römer (Bereitschaft Dillingen), Günther Wittmann (Bereitschaft Kesseltal).
Welche Bedeutung die Kommunen der Arbeit des BRK vor Ort beimessen, zeigten die Anwesenheit und die Grußworte zahlreicher Landes- und Kommunalpolitiker unter ihnen Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz, Lauingens Bürgermeisterin Katja Müller, Lutzingens Bürgermeister Christian Weber, Gundelfingens Zweitem Bürgermeister Roman Schnalzger und dem Landtagsabgeordneten Manuel Knoll.
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