Blindheim: 8.8.88 in 8888 Blindheim: Dieses Datum bleibt unvergessen
Blindheim
8.8.88 in 8888 Blindheim: Dieses Datum bleibt unvergessen
Diese einmalige Zahlenbesonderheit wurde 1988 in Blindheim groß gefeiert. Sogar an die Königinmutter wurde ein Brief geschickt. Wir blicken zurück.
Von Helmut Herreiner|08.08.23 - aktualisiert:
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Das ist eine Sonderpostkarte der Deutschen Bundespost mit Originalstempel zum 8.8.88 in Blindheim.Foto: Repro: Helmut Herreiner
Es war ein Datum, das damals überall in Standesämtern und Tourismus-Büros für Hochbetrieb sorgte: der 8.8.88. Fast als magisch empfanden viele Menschen vor 35 Jahren diese Zahlen. Alleine schon die Zahl Acht, gebildet aus zwei sich überschneidenden Kreisen und damit gleichzeitig auch als eine gekrümmte Linie ohne Ende, steht sinnbildlich für Glück, Harmonie, Fruchtbarkeit und ein langes Leben. Die liegende Acht symbolisiert zudem noch den Begriff der Unendlichkeit. Kein Wunder also, dass sich viele Paare den 8. August 1988 als Tag ihrer Hochzeit oder Verlobung ausgesucht hatten. Der „Jawort-Boom“ schlug an diesem Tag alle bisherigen Rekorde - Und das, obwohl der 8.8. im Jahr 1988 auf einen Montag gefallen war. Bundesweit hat an diesem Datum ausgerechnet ein kleiner Ort im Landkreis Dillingen zusätzlich für Schlagzeilen gesorgt. Blindheim war in aller Munde, in den größten Zeitungen - ob in Berlin, im Ruhrgebiet oder in Hamburg - wurde berichtet. Warum?
Blindheim schaffte es am 8.8.1988 bundesweit in die Schlagzeilen
In der ganzen damaligen Bundesrepublik, in der damaligen DDR, aber auch in der Schweiz und in Österreich wurde der 8.8.1988 als „Schnapszahl-Datum“ besonders gefeiert.Foto: Repro: Helmut Herreiner
Ganz einfach: Blindheim führte damals als Postleitzahl noch die vierstellige Zahl 8888. Die fünfstelligen Postleitzahlen, wie wir sie heute kennen, wurden erst nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1993 eingeführt. Das Datum und die damalige Postleitzahl war jedenfalls Grund genug, auch für viele Auswärtige, zu einem großartigen Dorffest am Wochenende vor dem 8.8.88 - und natürlich an dem Jubiläumstag selbst - in den beschaulichen Ort an der Donau zu kommen, der zuvor über die nähere Region hinaus höchstens historisch Interessierten wegen der Schlacht bei Blindheim ein Begriff war, die hier im Jahr 1704 getobt hatte.
Insgesamt acht (!) Paare meldeten sich für den 8. August 1988 in Blindheim an, um hier ihre Eheschließung vollziehen zu lassen. Sieben Paare, darunter sechs auswärtige, erschienen tatsächlich, ein Paar war krankheitsbedingt verhindert. Und noch etwas gab es neben vielen speziellen Angeboten für diesen Tag als besondere Attraktion: Die Deutsche Bundespost vergab in Zusammenarbeit mit der Gemeinde zwei Sonder-Poststempel, einen Originalstempel mit dem „Jahrhundert-Datum“ 8.8.88 und der Postleitzahl 8888 sowie einen zweiten Stempel mit demselben Datum und derselben Postleitzahl, darüber der Aufdruck „1704 – Schlacht bei Blindheim“. Dutzende von Helfern waren alleine damit beschäftigt, sackweise Postkarten und Briefumschläge mit den Sonderstempeln zu versehen, während im ganzen Ort an diesem Montag buchstäblich „die Post abging“.
Die Königsmutter feierte am 8.8.1988 ihren 88. Geburtstag
Rund um die Pfarrkirche St. Martin, die das uralte Zentrum des nahe der Donau gelegenen Dorfes Blindheim bildet, war am 8.8.88 kaum mehr ein Durchkommen.Foto: Helmut Herreiner
Und weil der damalige Bürgermeister Wilhelm Gumpp erfahren hatte, dass an diesem Tag auch die Königinmutter ihren 88. Geburtstag feiern konnte, wurde dieser ein Glückwunschbrief geschickt. Schließlich hatte man seit 1704 ja, wenn auch aus einem traurigen Anlass heraus, eine ganz besondere Beziehung nach Großbritannien. Fast genau 284 Jahre nach der Schlacht bei Blindheim/Höchstädt waren es aber nicht Feldherren, die als besondere Gäste zugegen waren, sondern es waren die beiden früheren Staatssekretäre Dr. Heinz Rosenbauer und Otto Meyer, die zusammen mit dem einstigen Dillinger Landrat Dr. Anton Dietrich und zahlreichen weiteren Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dieses ganz besondere Fest lobten. Sie gratulierten auch dem ebenfalls anwesenden damaligen Präsidenten der Oberpostdirektion München, Otto Kronthaler, und dem Leiter des für die Region zuständigen Postamtes Günzburg, zu einem „hervorragenden Geschäft anlässlich dieses ganz besonderen Ereignisses“.
Glückwünsche und Gratulationen von allen Seiten gab es aber auch für die Blindheimer und ihren großartigen Einsatz. Einem der Hauptinitiatoren, der bis heute als „Vater des Heimathauses Blindheim und des Gemeindearchivs gilt, Erwin Mayer, überreichte der Landrat stellvertretend für alle Helferinnen und Helfer den Landkreiskrug. Bürgermeister Gumpp wies darauf hin, dass man neben unermüdlichen Helfern wie Martin Schreiber auch auf große Unterstützung aus den Nachbarorten habe zurückgreifen können.
Vielleicht wird es ja in 15 Jahren, wenn die Hochzeiterinnen und Hochzeiter vom 8.8.1988 am 8.8. 2038 ihr goldenes Ehejubiläum feiern dürfen, wieder ein großes Fest in Blindheim geben, bei dem das Dorf und sein Umland zusammenhilft. Oder schon in fünf Jahren, wenn die sogenannte „Rubinhochzeit“ ansteht?