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Bürgermeister Medlingen Stefan Taglang blickt auf 24 Jahre Amtszeit zurück

Medlingen

Er war sein halbes Leben im Rathaus: Stefan Taglang verabschiedet sich

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    Stefan Taglang verabschiedet sich nach 24 Jahren als Bürgermeister von Medlingen. Am 30. April ist sein letzter Tag. Sein Nachfolger ist Michael Mayr.
    Stefan Taglang verabschiedet sich nach 24 Jahren als Bürgermeister von Medlingen. Am 30. April ist sein letzter Tag. Sein Nachfolger ist Michael Mayr. Foto: Philipp Scheuerl

    Wenn Medlingens Bürgermeister Stefan Taglang nach 24 Jahren sein Büro ausräumt, dürfte die Arbeit in fünf Minuten erledigt sein. Auf dem großen dunklen Holztisch liegen zwei Fotos: Eines von seinem Onkel Hans Taglang, der vor ihm Bürgermeister war, und eines von seiner Frau Elisabeth. Ansonsten gibt es noch ein persönliches Mauspad und einen Rahmen mit Luftaufnahmen von Medlingen, der ihm gehört – sonst nichts. Taglang wirkt bei seinem Abschied sprichwörtlich aufgeräumt.

    Wie blickt er auf 24 Jahre Bürgermeisteramt zurück? „Dankbar, demütig und stolz“, sagt der 60-Jährige. Er sei stolz, dass er Bürgermeister von Medlingen sein durfte. Dankbar, weil er bis auf einen Kreuzbandriss beim Skifahren „Gott sei Dank“ immer gesund war, keinen Freund verlor und sein Arbeitgeber ihm immer den Rücken freihielt. Und demütig ist wohl seine Art. Er erzählt weniger von großen Bauprojekten – was sich zum Beispiel mit der prämierten Aussegnungshalle oder dem geplanten Feuerwehrhaus anbieten würde. Stattdessen sagt er: „Es ist schön, wenn Projekte angenommen und mit Leben gefüllt werden.“

    Medlingen ist seine Leidenschaft: Stefan Taglang über sein Lieblingsdorf Medlingen

    Beispiel Ortsmitte. In seiner Amtszeit wurde das Rathaus kernsaniert, ein Vorplatz gepflastert und seitlich eine Art Mehrzweckhof mit Carports gebaut. Sie werden bei Feiern als Unterstand genutzt. Auf der anderen Seite können die Toiletten des Bauhofs (Baujahr 2013) benutzt werden – eine moderne Kombination. „Wenn man dort hinkommt und die Leute gute Stimmung haben, dann ist das wunderbar“, sagt Taglang.

    So spricht er vom Dorfleben: voller Leidenschaft. Die Fußballmannschaft der SG Bächingen/Medlingen: „Tabellenführer.“ Der Schützenverein: „Spielt in der höchsten schwäbischen Liga.“ Die Faschingsfreunde: „Wie die unseren Landkreis nach außen repräsentieren – überragend ist das.“ Ganz zu schweigen von der Freiwilligen Feuerwehr. „Bei dieser Kompetenz“, sagt Taglang, „kann ein Bürgermeister gut schlafen.“

    Stefan Taglang bei seinem Amtsantritt im Jahr 2002. Damals war er bereits seit sechs Jahren im Gemeinderat und zudem Schriftführer. In Summe hat er tatsächlich sein halbes Leben in der Gemeinde verbracht.
    Stefan Taglang bei seinem Amtsantritt im Jahr 2002. Damals war er bereits seit sechs Jahren im Gemeinderat und zudem Schriftführer. In Summe hat er tatsächlich sein halbes Leben in der Gemeinde verbracht. Foto: Stefan Taglang (Archivbild)

    Erstmals gewählt wurde er am 1. Mai 2002. Mit 36 Jahren war er damals einer der jüngsten Rathauschefs im Landkreis. Er ist gebürtiger Medlinger und trat entsprechend im Wahlkampf auf („Ein waschechter Medlinger für Medlingen.“). Das kam an. In den nächsten drei Wahlen wurde er dreimal wiedergewählt, bis er im Februar 2025 bekanntgab, im März 2026 nicht mehr anzutreten. Daraufhin bestimmten die drei Wählergemeinschaften mit Michael Mayr einen Nachfolgekandidaten, was Taglang „sehr gelungen“ findet (Mayr bekam mit 95,1 Prozent hohen Zuspruch).

    Diese Projekte sind Bürgermeister Taglang besonders in Erinnerung geblieben

    In all der Zeit hat sich Taglang immer ehrenamtlich und neben einem Vollzeit-Job eingebracht. Er arbeitet in Gundelfingen bei Gartner Extrusion und ist dort zuständig für Umwelt, Arbeitssicherheit und Qualitätsmanagement. Bis zum Schluss fuhr er stets nach Feierabend direkt ins Rathaus und erledigte Gemeindeaufgaben. Gab es Notfälle unter Tags, hat er sich ausgestempelt. Ein Sekretariat? Gab es nie. „Es war hoch spannend“, sagt Taglang im Rückblick, „man wusste nie, was kommt.“

    Besonders einprägsam war für ihn der Bau der B492-Ortsumfahrung (2008-2012), an der schon sein Onkel gearbeitet hatte. Damals habe Medlingen Glück im Unglück gehabt: Wegen der Wirtschaftskrise bemühte sich der Staat um rasche Bauaufträge, weshalb es im Ort schnell ruhiger wurde. Das änderte sich acht Jahre später, als der Lückenschluss zwischen Brenz und Hermaringen gebaut wurde. Zur Umfahrung der Baustelle seien massenweise Autos mitten durch Obermedlingen gekommen, was erst bei den Anwohnern und dann beim Bürgermeister für Unmut sorgte – dabei habe er wenig ausrichten können. Als dann die Fertigstellung kam, sei ihm „ein großer Stein vom Herzen“ gefallen. Glücklich zeigt er Videos von der Eröffnung am 14. Oktober 2021.

    Was dem Bürgermeister auch viel Mühe bereitete, waren Archäologen. Beim Baugebiet Turmäcker habe er wöchentlich und über zwei Jahre lang Rechnungen schreiben und die Beträge über die Gemeindekasse vorschießen müssen, das sei eine immense Herausforderung gewesen. Ein für ihn erfreulicher Aufwand war am Ende seiner Rathaus-Ära das gemeinsame Feuerwehrhaus. Es seien die „kompliziertesten Haushaltsplanungen“ seines Lebens gewesen, sagte er bei der letzten Gemeinderatssitzung. Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Taglang hinterlässt am 30. April null Euro Schulden bei einer Million Euro Ersparten. Ferner stehen der Gemeinde noch zwölf Bauplätze zur Verfügung, die an Familien verkauft werden können.

    Taglang ist Fan des FC Bayern München und CSU-Mitglied

    Wie geht es nun weiter? Der 60-Jährige lässt sich die freigewordene Zeit offen. Er wolle wieder mehr fotografieren, joggen und genieße momentan die Spiele des FC Bayern München in vollen Zügen. Dort ist er – wie in der CSU – seit vielen Jahren Mitglied. „Wie es sich für einen bayerischen Bürgermeister gehört“, scherzt Taglang. Aber spätestens Mitte Juni wird er schon wieder im Einsatz sein. Wer sich also noch nicht verabschiedet hat: Beim „300. Jubiläum“ der Feuerwehren (18. bis 21. Juni) steht er auf der 400-köpfigen Helferliste. Am Sonntag ist er für einen Kassendienst eingeteilt.

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