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Die Dillinger Lebenshilfe trauert um ihren Gründer Johann Kabrhel

Landkreis Dillingen

Die Dillinger Lebenshilfe trauert um ihren Gründer

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    Den Menschen zugewandt: Die Dillinger Lebenshilfe trauert um ihren Gründer, langjährigen Vorsitzenden und einstigen Geschäftsführer Johann Kabrhel, der im Alter von 89 Jahren gestorben ist.
    Den Menschen zugewandt: Die Dillinger Lebenshilfe trauert um ihren Gründer, langjährigen Vorsitzenden und einstigen Geschäftsführer Johann Kabrhel, der im Alter von 89 Jahren gestorben ist. Foto: Peter von Neubeck (Archivbild)

    Tiefe Trauer, aber auch große Dankbarkeit hat die Nachricht vom Tod des Gründers der Dillinger Lebenshilfe, Johann Kabrhel, in der Region hervorgerufen. Der langjährige Vorsitzende der Kreisvereinigung und Geschäftsführer ist am Samstag im Alter von 89 Jahren gestorben. Wegen seiner großen Verdienste um die Sozialeinrichtung im Landkreis Dillingen wurde Kabrhel auch gerne „Mister Lebenshilfe“ genannt. An der Entwicklung der Dillinger Lebenshilfe hatte er bis zuletzt großen Anteil genommen und immer wieder Ideen eingebracht.

    Kabrhel war der Mann der ersten Stunde der Kreisvereinigung der Lebenshilfe. Die Not brachte den Dillinger zu dieser Aufgabe, denn ein frühkindlicher Gehirnschaden hatte bei seinem Sohn Thomas zu einer geistigen Behinderung geführt. „Wir waren damals ziemlich überfordert“, erinnerte sich Kabrhel in einem Interview zu seinem 85. Geburtstag. Die heutigen Angebote für Menschen mit Einschränkungen seien noch in weiter Ferne gewesen. Die Regens-Wagner-Schule für Menschen mit einer geistigen Behinderung etwa habe erst später in Dillingen ihren Betrieb aufgenommen.

    Die Dillinger Lebenshilfe trauert um ihren Gründer, langjährigen Vorsitzenden und einstigen Geschäftsführer Johann Kabrhel. Das Foto entstand vor eineinhalb Jahren bei der Feier des 50. Jubiläums der Lebenshilfe.
    Die Dillinger Lebenshilfe trauert um ihren Gründer, langjährigen Vorsitzenden und einstigen Geschäftsführer Johann Kabrhel. Das Foto entstand vor eineinhalb Jahren bei der Feier des 50. Jubiläums der Lebenshilfe. Foto: Katharina Indrich (Archivbild)

    Kabrhel besuchte in dieser Zeit einen Informationsabend in Dillingen, bei dem das Konzept der Lebenshilfe vorgestellt wurde. Die Initiative wäre an diesem Abend beinahe gleich wieder gescheitert, berichtete der Dillinger. „Ein Elternteil hat gesagt, das ist eine Riesenaufgabe, das kann man nicht nebenbei bewältigen. Da habe ich mich gemeldet und gesagt: Woanders hat es doch auch schon funktioniert“, erinnerte sich Kabrhel an den Start. Er habe den damaligen Landrat Martin Schweiger als Vorsitzenden gewinnen wollen, doch der drehte den Spieß um, sprach mit Karbhels Chef Hermann Gartner. Und der Gundelfinger Unternehmer sagte schließlich zu Johann Kabrhel, dem Leiter der Betriebsbuchhaltung: „Das machen Sie.“ Die Fassadenbaufirma betrachtete dies auch als soziale Leistung für den Landkreis.

    400 Menschen arbeiten in den Werkstätten der Lebenshilfe in Dillingen und Wertingen

    Von da an ging es Schlag auf Schlag. 1973 nahmen zehn Menschen mit Behinderung in einer Werkstatt am Mittelfeld in Dillingen die Arbeit auf. 1978 zog man in größere Räume am Paradiesweg und 1982 schließlich in die neue Werkstatt im Ortsteil Hausen. Dort ist in den folgenden vier Jahrzehnten quasi eine eigener Campus mit Werkstätten, Wohnungen und Sportstätten entstanden. „Wir sind ein Teil Hausens geworden“, freute sich Kabrhel, der von 1972 bis 2006 an der Spitze der Kreisvereinigung der Lebenshilfe stand. Von 1991 bis 1998 engagierte er sich zusätzlich als hauptberuflicher Geschäftsführer der Nordschwäbischen Werkstätten. Heute haben etwa 400 Menschen mit Handicap in den Werkstätten der Lebenshilfe in Dillingen und Wertingen eine Arbeit. Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei rund 250. Kabrhel freute sich als Ehrenvorsitzender über die stetige Aufwärtsentwicklung.

    Kabrhel hat das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland

    Für seine Aufbauarbeit erhielt der Dillinger, dessen verstorbene Ehefrau Hedwig sich ebenfalls für die Lebenshilfe engagiert hatte, viele Auszeichnungen – unter anderem das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2009), die Verdienstmedaille des Landkreises, die bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste in Gold, den Bürgerbrief und die goldene Bürgermedaille der Stadt Dillingen, die goldene Ehrennadel der Bundesvereinigung der Lebenshilfe. Kabrhel war auch Geschäftsführer der Inklusionsfirma Roko, Sprecher der Lebenshilfe Schwaben und Vorstandsmitglied des Bayerischen Landesverbands.

    Johann Kabrhel bei einem Interview zu seinem 80. Geburtstag.
    Johann Kabrhel bei einem Interview zu seinem 80. Geburtstag. Foto: Peter von Neubeck (Archivbild)

    Helmut Holland hat 2006 die Nachfolge von Johann Kabrhel angetreten. Der Kreisvorsitzende der Lebenshilfe würdigt dankbar die Verdienste seines Vorgängers. „Johann Kabrhel war federführend bei der Gründung der Dillinger Lebenshilfe“, sagt Helmut Holland. Der „Motor der Lebenshilfe“ hinterlasse ein großes Lebenswerk. „Noch im hohen Alter hat sich Johann Kabrhel mit Leidenschaft für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung eingesetzt und Impulse gegeben“, betont Holland dankbar. Mit seinen beruflichen Erfahrungen bei Gartner, seiner Fachkompetenz, Führungsstärke, Zielstrebigkeit und Kontaktfreude habe Kabrhel die Entwicklung der Lebenshilfe entscheidend geprägt.

    In den vergangenen Jahrzehnten hat Johann Kabrhel das Golfen als Leidenschaft für sich entdeckt.
    In den vergangenen Jahrzehnten hat Johann Kabrhel das Golfen als Leidenschaft für sich entdeckt. Foto: Karl Aumiller (Archivbild)

    Johann Kabrhel, um den auch drei Kinder und deren Angehörige trauern, engagierte sich auch beim Lions Club Dillingen. Präsidentin Daniela von Hauch erinnert daran, dass ihr Vorgänger im Amt (1995) von 1992 bis 2006 als Schatzmeister Verantwortung im Vorstand übernommen hat. „Wir sind dankbar für die vielen gemeinsamen Jahre“, sagt von Hauch. Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz würdigt ebenfalls die Verdienste Kabrhels. „Ich habe größten Respekt vor dem Lebenswerk von Johann Kabrhel. Als Gründer und Motor unserer Dillinger Lebenshilfe hat er einen unverzichtbaren Beitrag dazu geleistet, dass Dillingen als ‚Stadt der Caritas‘ heute stolz auf zwei segensreich wirkende Einrichtungen zum Wohle unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Behinderung blicken kann“, stellt Kunz fest.

    Landrat Markus Müller betont, dass der nun Verstorbene als Gründungsvorsitzender der Kreisvereinigung Dillingen der Lebenshilfe und als langjähriger Geschäftsführer der Nordschwäbischen Werkstätten „großen Anteil am Aufbau der Behindertenhilfe im Landkreis“ habe. Mit seinem „bemerkenswerten sozialen Engagement“ habe sich Kabrhel dafür eingesetzt, „Menschen mit Behinderung ein selbstständiges und erfülltes Leben zu ermöglichen“.

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