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Dillingen: Dieser Dillinger Richter will, dass jeder neu anfangen kann

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Dieser Dillinger Richter will, dass jeder neu anfangen kann

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    Albert Stadlmayr geht nach 14 Jahren als Familienrichter in Dillingen in den Ruhestand.
    Albert Stadlmayr geht nach 14 Jahren als Familienrichter in Dillingen in den Ruhestand. Foto: Dominik Bunk

    Komplizierte Scheidungen mit emotionsgeladenen Eheleuten im Gerichtssaal, Sorgerechtsstreits, aber auch herzerwärmende Adoptionen und Wege aus aussichtslosen Situationen: Albert Stadlmayr hat in 37 Jahren als Richter alles auf der Emotionsskala erlebt. Seit 2010, also rund 14 Jahren, ist er als Familienrichter und stellvertretender Leiter des Amtsgerichts Dillingen im Dienst. „Es gab so viele Momente, die einen betroffen machen, die einem nachgehen“, sagt der 63-Jährige. Vor allem sei das bei ihm, wenn es um Kinder geht, vom Sorgerecht bis zur Adoption, so. Im Fachjargon wird das unter dem Begriff Kindschaft zusammengefasst. Welcher Moment für ihn der Bewegendste war, kann er nicht beantworten. „Das waren tausende Verfahren“, sagt er, „da eines herauszugreifen ist schwierig“.

    In seiner aktiven Zeit habe er vieles gelernt, allem voran: „Für mich war es immer wichtig, dass man menschlich bleibt.“ Es sei wichtig, sich in die Betroffenen im Gerichtssaal hineinversetzen zu können, um deren Beweggründe nachzuvollziehen. Gerade in Familiensachen handle es sich oft um „Menschen, die unverschuldet in schwierige Lagen gekommen sind“. Das Ziel von Albert Stadlmayr sei deshalb stets gewesen, dass „jeder für sich unbelastet weiterleben kann und nicht in diesen Konflikten verfangen bleibt“. Doch für viele Familien sei die Situation „gefühlt aussichtslos“. Deshalb müsse alles so geregelt werden, „dass jeder einen Neuanfang machen kann“. Zwar könnten im Strafrecht auch emotionale Momente auftreten, aber „die Fälle in der Kindschaft treffen schon mehr“, sagt der Familienrichter.

    Stadlmayr hat seine Justiz-Karriere in Augsburg begonnen

    Begonnen hat Stadlmayrs Weg in die Justiz an der Universität Augsburg im Jahr 1980. Als er das Jura-Studium und Referendariat beendet hatte, wurde er im Landgericht München II eingesetzt, das nicht für die bayerische Landeshauptstadt, sondern deren Umland zuständig ist. Nach einem Zwischenstopp bei der Augsburger Staatsanwaltschaft wechselte er nach Nördlingen, wo ihm die lustigste Erfahrung seiner Karriere widerfahren ist, erzählt er. Denn er sei auch für Insassen der Justizvollzugsanstalt in Niederschönefeld bei Rain am Lech zuständig gewesen. Zum ersten Termin dort kreuzte er mit Gefangenenakten in einer Reisetasche auf. „Das waren die Vermittlungsakten von fünf bis sechs Personen“, erklärt er, deshalb sei es mit Koffer einfacher gewesen. Das habe aber wohl einen falschen Eindruck erweckt, denn die zuständigen Beamten seien zunächst davon ausgegangen, dass er seine Haft antreten wolle. Das Missverständnis habe sich aber schnell geklärt.

    1997 landete Stadlmayr schließlich am Amtsgericht Dillingen, die ersten Jahre als Richter für Betreuungsrecht. Seine neuen Fragen waren also die, wer sich etwa um ältere Menschen kümmert, die nicht mehr für sich allein entscheiden können. 1999 ging es für ihn ins Zivilrecht und Schöffen-Strafgericht, bis er 2010 in das Amt des Familienrichters wechselte, das er bis heute bekleidet. Zudem ist er Stellvertreter für Richterin Andrea Eisenbarth, die Direktorin des Amtsgerichts Dillingen.

    14 Jahre lang ging es für ihn im Sitzungssaal vor allem um Familien, Sorgerecht und alles, was damit zu tun hat. Um Scheidungen, deren Folgen und Gewaltschutz, also etwa Stalking-Fälle und einstweilige Verfügungen. Ab September wird für Stadlmayr der nächste Lebensabschnitt beginnen: die passive Phase seiner Altersteilzeit und daraufhin der Ruhestand.

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