Wer das Dillinger Kino kennt, der wird das Dilli 1 auf den ersten Blick vielleicht gar nicht wiedererkennen. Die alten Sessel sind raus, die neuen schon fast alle drin. Und gleich wirkt der ganze Vorführsaal anders. "Klasse statt Masse", nennt es Claudia Mayr, die Betreiberin. "Wir hoffen, dass sich die Gäste bald wohler fühlen", sagt ihr Mann, Andreas Penthaler. Bis vor ein paar Wochen hatten - wenn man sich die Corona-Beschränkungen wegdenkt - knapp 100 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz im Dilli 1. Bald sind es noch 85. Die Betreiber des Dillinger Kinos gehen einen neuen Weg: weniger statt mehr. Und das ist nicht alles, was sich in den vergangenen Wochen geändert hat.
Mayr und Penthaler führen durch ihr Kino. Nächstes Jahr wird es 85 Jahre in Familienbesitz sein. "Das hat einen Weltkrieg überstanden. Und Corona jetzt auch", sagt Mayr mit ein wenig Stolz in der Stimme. In Dilli 3, dem kleinsten Vorführsaal, waren die Handwerker, die ständig quer durchs Gebäude laufen, noch nicht. Die Sessel fehlen, nur die Halterungen liegen schon bereit. Hier, sagt Mayr, wird sich wohl am meisten verändern. Eine ganze Reihe Sitze fliegt raus. Von 53 Plätzen auf 34. Das hat unter anderem damit zu tun, dass der Saal barrierefrei ist - und rege von der Lebenshilfe und anderen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung genutzt wird. Künftig gibt es deshalb mehr Plätze für Rollatoren und Rollstühle. Eine Besonderheit im Dillinger Kino: "Wenn beispielsweise jemand im Rollstuhl zu uns kommen will, kann er vorher immer anrufen. Dann kümmern wir uns", sagt Mayr. Auf die Barrierefreiheit lege man viel Wert.
Auch das Dilli 4 wird künftig etwas weniger Platz bieten. 137 Sitze werden es dann noch sein. Während große Kinoketten darauf setzen, möglichst viele Menschen in ihre Vorführungen zu bekommen, gehen Penthaler und Mayr bewusst einen anderen Weg: Zwischen den neuen Sesseln ist deutlich mehr Platz, es gibt breitere Armlehnen, damit auch mal zwei Arme nebeneinander passen und man nicht um die bequemste Sitzposition kämpfen muss. In Dilli 4 gibt es nicht mehr nur die Treppe, sondern zwischen den Reihen auch noch einen Durchgang nach unten, der im Zickzack verläuft. Ein netter Nebeneffekt: So können größere Menschen die Füße ausstrecken, erklärt Mayr. Zwischen allen Sesseln werden auch kleine Tische und Getränkehalter montiert. Erstere gab es früher nicht. Und: In zwei Sälen gibt es wieder Handläufe, die Gästen, die weniger gut zu Fuß ist, das Treppensteigen erleichtern sollen. Auch die Wände auf dem Weg zu den Sälen erstrahlen in neuem Glanz. Nur das Dilli 2, der größte Saal im Dillinger Kino, bleibt, wie es ist.
Nur ein Saal im Dillinger Kino bleibt, wie er war
Seit 10. Januar ist das Dillinger Filmcenter bereits geschlossen. Am 26. Februar, also am Samstag, wird wieder geöffnet. Für den Anlass haben sich Mayr und Penthaler etwas einfallen lassen: Am Sonntag läuft im Kino die Premiere des Kinderfilms "Zauberer Schnitzel und die Sauerkrautverschwörung". Mit dabei sein werden sogar zwei Darsteller aus dem Film: Sepp und Kerstin Egerer. Sie werden nach der Vorführung den Kindern (und natürlich ihren Eltern) Rede und Antwort stehen.
Dem Betreiber-Ehepaar merkt man die viele Arbeit und die Strapazen der vergangenen Wochen an. Für sie ist es Teil zwei des Umbaus. Bereits im ersten Lockdown haben sie die Sound-Anlage aufgerüstet. Seitdem sorgt eine 7.1-Anlage für den richtigen Wumms in Action-Szenen. Nur dank der Förderungen durch den Film-Fernseh-Fonds Bayern und die Filmförderungsanstalt Berlin sei der Umbau überhaupt möglich gewesen, sagt Mayr. "Nur deswegen können wir unser Traditionskino aufhalten."
Die vergangenen zwei Jahre seien für die ganze Kinobranche hart gewesen: Einschränkungen wegen Corona, verschobene Filme, weniger Besucherinnen und Besucher. Auch Mayr und Penthaler hat die Corona-Zeit getroffen - auch wenn sie sie (wie etwa den ersten Lockdown) für Renovierungen genutzt haben. Viele dürfte die Nachricht deshalb nicht überraschen: Aus dem Neubau, den das Paar vor einigen Jahren angekündigt hatte, wird nichts. Eigentlich wollten die Betreiber raus aus der Kapuzinerstraße und ein ganz neues Kino in der Nähe der Gärtnerei Spengler errichten - inklusive größerer Leinwände, einem großen Foyer und mehr Platz.
Für die Betreiber steht schon fest, welchen Film sie sich als erstes anschauen werden
Mayr ist die Enttäuschung darüber deutlich anzumerken. Dennoch sei sie froh. Darüber, dass das neue Kino nicht schon im Rohbau war, als die Pandemie ihren Lauf nahm. "Sonst hätte Dillingen jetzt gar kein Kino mehr", ist sie sich sicher.
Umso glücklicher sind die beiden, dass ihr heimeliges Kino in der Kapuzinerstraße bald wieder öffnen darf und es mit dem Filmcenter weitergeht. "Es war einfach phänomenal, was alle Helfer hier geleistet haben. Nur durch sie können wir den Eröffnungstermin halten." Für Mayr und Penthaler steht auch schon seit Wochen fest, welchen Film sie sich in ihrem frisch renovierten Kino als erstes anschauen werden: den Katastrophenfilm Moonfall, das neueste Action-Gewitter von Roland Emmerich.