Licht aus! – könnte es an diesem Mittwoch in manch einer Apotheke zwischen Syrgenstein und Buttenwiesen heißen. Mit diesem „Versorgungsblackout“, wie die Protestaktion der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände – kurz ABDA – heißt, möchte die Branche ein Zeichen gegen die Missstände in ihrem Bereich setzen. Wirtschaftlicher Druck, steigende Arbeitsbelastung, Lieferengpässe, überbordende Bürokratie, Nachfolgeprobleme, mangelnde politische Unterstützung: den Apotheken Deutschlands geht es nach eigener Beurteilung schon lange schlecht.
Fast jeden Tag schließt irgendwo – von Flensburg im Norden der Republik bis Garmisch im Süden – ein Geschäft, die Zahl sank in Deutschland von beinahe 22.000 Einrichtungen vor zwei Jahrzehnten auf weniger als 17.000 in diesem Jahr. Eine Beratung im Bundeskabinett in Berlin soll sich am Mittwoch unter anderem mit der geplanten Apotheken-Reform beschäftigen und diesen Trend stoppen. Auch die Stimmung in den 14 Apotheken unserer Region könnte, Anfragen zufolge, besser sein.
„Ein wichtiges soziales Rückgrat, gerade im ländlichen Raum“
„Apotheken vor Ort sind weit mehr als bloße Abgabestellen für Medikamente – sie sind ein wichtiges soziales Rückgrat, gerade im ländlichen Raum“, hört man von Anton Rittel, dem sozialpolitischen Sprecher der Freie Wähler-Fraktion im Bayerischen Landtag. Sein Parteikollege Thomas Zöller, Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, mahnt, Vor-Ort-Apotheken als „unersetzlicher Teil unseres Gesundheitssystems“ unbedingt zu erhalten. Der Landtag hat vor wenigen Tagen in einem Dringlichkeitsantrag an die Staatsregierung appelliert, sich mit Nachdruck für die Vor-Ort-Apotheke einzusetzen und ihre Funktion als erste wohnortnahe und niedrigschwellige Anlaufstelle zu sichern. In dem Papier von CSU und Freien Wählern wird zudem daran erinnert, dass eine Erhöhung des seit mehr als einem Jahrzehnt gleich gebliebenen Honorars pro Arznei fällig werde. Wie wird das Thema im Kreis Dillingen betrachtet? Wir haben dazu Dr. Matthias Schneider, den Sprecher der Apothekerinnen und Apotheker im Landkreis Dillingen interviewt.
Wie beurteilen Sie die gegenwärtige politische Entwicklung?
DR. MATTHIAS SCHNEIDER: Das sind gute Nachrichten aus München!
Und Berlin?
SCHNEIDER: Das mit der Aufstockung steht sogar im Koalitionsvertrag drin. Die neue Ministerin, die im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, mit uns spricht und lächelt, verhält sich bei Fragen der Erhöhung fast wie dieser. Sie sagte mal, dass im Gesundheitsbereich gespart werden müsse, dann wieder zu dem Thema nichts. Übrigens sind damalige Abteilungsleiter und interne Planer in dem Ministerium geblieben. Und da machen wir nicht mehr mit. Das Thema ist nämlich eines unserer Hauptanliegen. Dabei können wir mit der bisherigen Vergütung keineswegs unsere Fixkosten decken. Niemand kann in einem solchen System einen Betrieb wirtschaftlich führen. Nach unseren jahrelangen Klagen sollte sich die Politik mal überlegen, was ihr ein solcher freier Heilberuf überhaupt noch wert ist.
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