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Gundelfingen: MINT-Erlebnistag in Gundelfingen: Montessori-Kinder bauen Blindenhund und Handy-Switch

Gundelfingen

MINT-Erlebnistag in Gundelfingen: Montessori-Kinder bauen Blindenhund und Handy-Switch

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    Die Kinder präsentieren beim MINT-Erlebnistag mit Ingrid Nolting, Projektleiterin „Es funktioniert?!“ (vorne), ihre Ideen zum Workshop „Gemeinsam etwas Neues erfinden“.
    Die Kinder präsentieren beim MINT-Erlebnistag mit Ingrid Nolting, Projektleiterin „Es funktioniert?!“ (vorne), ihre Ideen zum Workshop „Gemeinsam etwas Neues erfinden“. Foto: Johanna Hofmann

    Ein elektronischer Blindenhund und ein Handy-Switch sollten es sein. Zwei Projekte, auf die sich die Mädchen und Jungen im Montessori-Kinderhaus in Gundelfingen für ihren MINT-Erlebnistag geeinigt haben. Mit diesem würdigt die Bildungsinitiative „Technik – Zukunft in Bayern“ den besonderen pädagogischen Einsatz für die naturwissenschaftliche Bildung in der Einrichtung. Seit 2008 gestalten die Kinder mit ihren pädagogischen Lehrkräften in Eigeninitiative Projektarbeiten, sogenannte MINT-Bildungserlebnisreisen, um Antworten auf ihre Fragen rund um Naturwissenschaften und Technik zu finden und eigenständig zu erforschen. Bei den Vorbereitungen für den großen Tag galt: Wie könnten die Prototypen in der kurzen Zeit gebaut werden? Da brauchte es zunächst einen Entwurf, um dann aus dem Materialangebot das Passende auszuwählen.

    Solche MINT-Erlebnisreisen werden bayernweit vom Bildungsprojekt „Es funktioniert?!“ ausgezeichnet. Die Abkürzung steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Dieses Projekt ist Teil der Bildungsinitiative „Technik – Zukunft in Bayern“, die sich für die MINT-Bildung junger Menschen einsetzt. Sowohl das Thema des Projekts als auch den Weg zur Lösungsfindung entwickeln die Kinder selbst. So soll ein spielerischer, selbstverständlicher Zugang zu Naturwissenschaften entstehen.

    Montessori-Kinder veranstalten Workshop in Gundelfingen

    Wie das praktisch aussieht, das zeigten die Kinder den zahlreichen Gästen beim MINT-Erlebnistag in Gundelfingen. Bereits am Vormittag hatten sie im Workshop „Gemeinsam etwas Neues erfinden“ Ideen entwickelt und miteinander diskutiert, was sie gerne erfinden wollen. Ingrid Nolting, Projektleiterin von „Es funktioniert?!“ im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (BBW), begleitete den Workshop und steuerte ein neu erschienenes Impulskartenbuch „Staunen, entdecken und (er)forschen“ bei. Doch zunächst stellte sich schon mal die Frage - was sind eigentlich Erfindungen? Kinderhausleiterin Heidemarie Hitzler erläutert: „Die Themen der Kinder beziehen sich auf ihre Lebenswelt, meist im naturwissenschaftlichen Bereich, und sind nicht vorgegeben.“

    Alle Projekte für die MINT-Erlebnisreisen seien aus einer Frage der Kinder heraus entstanden. Oft lauteten die: Wie funktioniert das? Was passiert zum Beispiel mit einem Wassertropfen, wenn er nicht mehr da ist, und warum werden die Blätter der Bäume im Herbst gelb? Auch besonders knifflige Konstruktionen haben sich die Buben und Mädchen schon vorgenommen. Ein Ufo oder gar den Antrieb für eine Zeitmaschine, um sich vielleicht Oma und Opa mal in jung anzuschauen. „Unter Anleitung von Erzieherinnen und Experten werden die Kinder immer wieder zum Nachdenken angeregt und lernen, eigenständig zu denken. Wissen, Sprachkompetenz und die Erfahrungen der Kinder werden erweitert und gefördert. So entstehen Projekte wie dieses, wofür wir heute geehrt werden“, sagt Hitzler.

    Ehemalige erzählen von ihrem Beruflichen Werdegang

    Landratsstellvertreter Joachim Hien zeigt sich vom pädagogischen Ansatz des Montessori-Kinderhauses beeindruckt - und auch davon, „was für eine entspannte Atmosphäre hier herrscht“. Er habe zwar selbst keinen Kindergarten besucht. Aber wenn er hätte wählen können, dann ein Montessori-Haus, sagt er. Gundelfingens Bürgermeister Dieter Nägele gratuliert den Pädagoginnen des Kinderhauses St. Franziskus zur jahrelangen erfolgreichen Bildungsarbeit. Auch Vertreter der Wirtschaftsvereinigung und Sparkasse Gundelfingen als Förderer der städtischen Einrichtung sowie Stadtpfarrer Johannes Schaufler nahmen als Gäste am MINT-Erlebnistag teil.

    Besonders freute Heidemarie Hitzler, dass ehemalige Montessori-Kinder der Einrichtung noch so verbunden sind. Per Video und live berichteten fünf junge Frauen und Männer von ihrem beruflichen Werdegang, darunter ein spezialisierter Tourenwagen-Ingenieur und eine Ausbildungsleiterin bei einem Maschinenbauunternehmen. Einer, bei dem vor 25 Jahren das Interesse „für alles, was streng riecht“ gefördert wurde, ist der Chemiker Johannes Großkopf. Der Obermedlinger absolvierte sein Abitur 2014 als Jahrgangsbester am Johann-Michael-Sailer-Gymnasium in Dillingen und arbeitet aktuell in Princeton, USA. Ende vergangenen Jahres wurde er an der Universität Freiburg für herausragende Forschungsarbeiten auf dem Gebiet Chemie ausgezeichnet.

    „Es waren in den fast 30 Jahren aber auch viele Kinder bei uns, die nicht schon von zu Hause aus so viele Chancen hatten“, berichtete Einrichtungsleiterin Hitzler. Trotzdem hätten sie ihren Weg gefunden und dabei viel Selbstvertrauen aufgebaut. Als erfreuliches Beispiel nannte sie ein Findelkind, das heute als Erziehungsfachkraft arbeitet und stolz erzählt habe: „Schau, auch aus mir ist etwas geworden.“

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