Wieder einmal konnte das Kulturschloss Höchstädt mit einer Sternstunde aufwarten, wieder einmal war es dem Kulturmanagementleiter des Bezirks Schwaben, Matthias Hain, gelungen, ein Ensemble aus international renommierten Künstlern in den Rittersaal zu locken und seinem treuen Publikum einen spannenden, ergreifenden Abend auf musikalisch allerhöchstem Niveau zu bescheren. Das ungarische Kodály Quartett, heute bestehend aus Attila Falvay (Violine 1), Ferenc Bangó (Violine 2), Zoltán Tuska (Viola) und György Éder (Violoncello), feiert in diesem Jahr sein 60. Gründungsjubiläum, unternimmt aus diesem Anlass eine Welttournee und brachte in Höchstädt neben drei bekannten Quartettwerken aus Wiener Klassik und Romantik selbstverständlich auch eine Komposition des Namensgebers Zoltán Kodály zum Erklingen.
Zunächst bewegten sich die Vier in vertrauten frühlingshaften Gefilden mit Joseph Haydns „Vogelquartett“ (C-Dur op. 33/3 Hob. III:39), darauffolgend das Streichquartett Nr. 16 Es-Dur KV 428 von Wolfgang Amadeus Mozart, mit dem dieser „einem Genie (Haydn) zeigen wollte, dass man (Mozart) auch eines ist“ (Matthias Hain).
Lob an den Bezirk Schwaben
Nach der Pause trat der erste Geiger Attila Falvay vors Publikum, mit viel Lob für die Raumakustik wie auch die inspirierenden Vibrationen aus dem Publikum. Für die vier Streichervirtuosen war es der erste Auftritt im Rittersaal - und wie schon viele andere Musiker vor ihnen zeigten sie sich spontan begeistert. Es folgten einige Erklärungen zu Zóltan Kodály (1882–1967), dem neben dem Zeitgenossen Béla Bartók wichtigsten ungarischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Kodály, auch Musikpädagoge und Musikethnologe, hatte über 3500 ungarische Volkslieder gesammelt, deren Eigenart er nicht nur wissenschaftlich untersuchte, er zitierte auch immer wieder volkstümliche Motive in seinen Werken, beispielsweise in den oft gespielten „Tänzen aus Galánta. An diesem Abend präsentierte das Kodály Quartett das Streichquartett Nr. 2 op. 10, musikalisch hoch anspruchsvoll, doch für die Zuhörer eher sperrig und fordernd in seinen Ausbrüchen und Dissonanzen; man spürte förmlich die Nervosität im Auditorium. Eigentlich nicht überraschend, war es doch zwischen 1916 und 1918 entstanden, mitten im Ersten Weltkrieg, der gerade für Ungarn schlimme Konsequenzen hatte. So konnte man die Wahl dieses Werks durchaus als Erinnerung und Mahnung gegen den Krieg verstehen.
Entspannen und romantisch schwelgen durfte das Publikum dann wieder mit Robert Schumanns Streichquartett Nr. 3 A-Dur op. 41/3, oft gespielt, doch selten mit solcher Dynamik und Verve wie vom Kodály Quartett. Stehende Ovationen, Rosen für die wunderbaren Musiker und als Zugabe und quasi Betthupferl noch ein reizend augenzwinkernd dargebotenes Presto von Joseph Haydn, um die programmatische Klammer zu schließen.
„Das hat sich heute aber wirklich gelohnt!“, resümierte eine ältere Dame, als sie am Arm ihrer Freundin das Höchstädter Schloss verließ. Wer immer sich Streichquartett-Musik als verstaubte Hinterzimmer-Schrummelei vorgestellt hatte und die vier distinguierten Herren in Anzug und Krawatte als langweilige Rentnerband, hat keinerlei Ahnung von der emotionalen Berg-und-Talfahrt, auf die das Kodály Quartett sein Publikum in gut zwei Abendstunden mitgenommen hatte.
Im Jahr 2001 wurde übrigens ein Asteroid (10918) nach Kodály benannt - am 18. April ist er mit Wucht im Höchstädter Schloss eingeschlagen.
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