Startseite
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten

Höchstädt: Wenn Finger schnipsen und Beine tippeln

Höchstädt

Wenn Finger schnipsen und Beine tippeln

  • |
  • |
  • |
  • |
    In Aktion (von links): Raphael Sirch, Johannes Stefaniak, Leonhard Kohler und Marco Scidà.
    In Aktion (von links): Raphael Sirch, Johannes Stefaniak, Leonhard Kohler und Marco Scidà. Foto: Sabine Maria Egger

    Im Musikmärchen „Peter und der Wolf“ verkörpert das Fagott den brummigen Großvater. „Hätte Prokofjew diese vier Musiker gekannt“, so Kulturmanager Matthias Hain in seiner Einführung, „er hätte seine Entscheidung sicher nochmal bedacht.“ Und das zahlreiche Publikum im Höchstädter Schloss sollte dem am Ende des Konzertabends „Fagotti Parlandi“ entschieden zustimmen, indem es das Ensemble mit stehenden Ovationen feierte.

    Dass sich die vier jungen Musiker Raphael Sirch, Leonhard Kohler, Johannes Stefaniak und Marco Scidà „Fagotti Parlandi“, „Sprechende Fagotte“ nennen, ist ein nobles Understatement von Profis, die sich ihrer eigenen Qualität bewusst sind und spielerisch-souverän ein wenig tiefstapeln. Denn diese Fagotte sprachen nicht nur, sie flüsterten, schrien, ächzten, brummten, jauchzten und jubilierten, und das Programm, das sie für diesen Kammerkonzertabend im Höchstädter Kulturschloss darboten, spannte einen weiten Bogen durch die Epochen und Genres.

    Im ersten Teil blieb man noch durchweg im 18. Jahrhundert, wobei neben Bearbeitungen von Haydn, Mozart und Telemann, dem „Rockstar des Barock“ (Raphael Sirch), auch Originalkompositionen für Fagotte von Francois-Henri-Joseph Castil-Blaze, Georg Christoph Wagenseil und Joseph Bodin de Boismortier erklangen, von Letzterem ein besonders hübscher, typisch barocker musikalischer Wettstreit, bei dem sich Raphael Sirch und Johannes Stefaniak sozusagen mit vollem Rohr duellierten.

    „Fagotti Parlandi“ war um die Jahrtausendwende von Professor Karsten Nagel gegründet worden, zunächst als Hochschulensemble des Leopold Mozart College of Music der Universität Augsburg. 2017 fand sich dann das heutige Ensemble zusammen, das auch in Höchstädt in der Stammbesetzung als Fagottquartett auftrat, für dessen Qualität der 2024 erhaltene Musikförderpreis des Bezirks Schwaben spricht.

    Im zweiten Teil nach der Pause wurde das Programm erheblich vielfältiger, beginnend mit zwei hübschen Eigenarrangements aus Mozarts „Zauberflöte“, wobei Marco Scidà, der temperamentvolle Calabrese am Kontrafagott, pfeifend auch die Vogelfängerflöte gab; danach Haydn-Variationen des 2018 verstorbenen Karl Kolbinger, der viel Originalmusik für Fagott komponiert hatte, Lehrer von Karsten Nagel war und somit sozusagen der musikalische Opa der vier Fagottisten. Solcherart interessante Informationen gaben die Musiker zwischen den einzelnen Stücken, sogar ein kleiner Vortrag über die „Anatomie“ des Fagotts war dabei.

    Etwas schwermütig, doch musikalisch spannend, dann ein Tango des 1973 geborenen Mathieu Lussier mit dem treffenden Namen „Bassango“. „My Way“, von Frank Sinatra zwar nicht komponiert, doch weltweit bekannt gemacht, auch von Elvis, Nina Hagen, den „Drei Tenören“ und hunderten Anderen gesungen und in seinem schlichten Bekenntnis-Pathos und seiner schlichten Melodie seit über 50 Jahren furchtbar populär - „My Way“ hätte nicht sein müssen. Doch die amüsanten „Pink Panther“-Variationen, zu denen das Publikum fingerschnippsenderweise mitgrooven konnte, machten das wieder mehr als wett, und das abschließende „Boléro“-Arrangement, angereichert durch ein Fagottino, war mit seinem großartigen Crescendo schlicht überwältigend. Begeisterungsstürme des Publikums, zwei Zugaben - die letzte ein kurzer bayerisch-zünftiger Zwiefacher -, und wieder einmal entließ das Höchstädter Kulturschloss Wellen beglückter Konzertbesucher.

    Unbedingt anzumerken bleibt noch: „Fagotti Parlandi“ sind besonders rührig im Bereich Musikpädagogik, so in ihrem Programm „Elli, die Dampflokomotive“, das die Vier als Kinderkonzert anbieten und von dem eine CD produziert wurde, mit Konstantin Wecker als Sprecher. Prokofjew hätte sich gefreut.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren