Die Prognosen klingen dramatisch. Der Deutsche Handelsverband rechnet in diesem Jahr mit der Schließung von 4900 Einzelhandelsgeschäften. Für lebendige Innenstädte ist das Gift, es drohen weitere Leerstände. In der Region ist Dillingen im Vergleich mit anderen Städten in der Umgebung bisher glimpflich davongekommen. Wenn sich im Handel etwas Neues bewegte, dann geschah dies oft in der Kreisstadt. Zuletzt gibt es aber in der Kapuzinerstraße Lücken. Hunkemöller hat geschlossen, Steingass nebenan ebenfalls. Dann klafft nach dem Zwangsabbruch der einstigen „Blauen Ente“ eine hässliche Baulücke, ehe es mit einem weiteren leer stehenden Laden im einstigen Schuhhaus Amberg weitergeht. Geschlossen haben auch die Scala-Buchhandlung und die Filiale der Einrichtungskette Depot.
Das Problem mit Leerständen wäre ganz einfach zu lösen
Die Lösung des Problems wäre einfach, sie ist aber unrealistisch: Wenn Kunden und Kundinnen weniger im Internet und mehr vor Ort einkaufen würden, gäbe es die Krise des Einzelhandels nicht in dieser verschärften Form. Es ist jedoch bequemer, zu jeder Zeit online von zu Hause aus zu bestellen. Deshalb dürften die Händler vor Ort gut beraten sein, auch online zu verkaufen. Die Krise wird auch von den steigenden Lebenshaltungskosten befördert, die bei vielen zu einer Kaufzurückhaltung führen. Hinter vorgehaltener Hand sprechen einige Händler in Dillingen von einem deutlich spürbaren Rückgang der Kundenfrequenz.
Dillingen hat die Attraktivität seiner Innenstadt steigern können
Dillingen hat in den vergangenen Jahren viel für die Steigerung seiner Attraktivität getan. Die Königstraße wurde in einem Teil barrierefrei umgebaut. Der neu gestaltete Platz an der St.-Wolfgangs-Kapelle ist ein Ort, an dem man sich gerne aufhält. Zwei neue Geschäftshäuser mit einem Drogerie- und Schuhmarkt sowie einem Bekleidungsgeschäft wurden angesiedelt. Mit Festen und Feiern lockt die Stadt im Sommer massenweise Publikum ins Schwäbische Rom. Lehrkräfte aus ganz Bayern erhalten in der Akademie ihre Fortbildung. Die Dillinger Nacht wird am 25. September vermutlich wieder Tausende Kunden anlocken. Und der Verein Image Plus stellt seine Schlittschuhbahn über den Jahreswechsel einzig und allein deshalb auf, damit den Menschen etwas geboten wird und Leben in der Stadt ist. Die Erfolge sind greifbar: In der Königstraße, der zweiten wichtigen Einkaufsstraße Dillingens, gibt es aktuell keinen einzigen Leerstand.
Der Marketing-Spruch stimmt schon: Dillingen zieht (immer noch) an. Stadt, Wirtschaftsvereinigung, der Verein Image Plus und die Händler müssen ihren Aufwand aber immer weiter erhöhen, um den Besuchern ein Kauferlebnis zu bieten. Bürger und Bürgerinnen sind wiederum aufgerufen, diese Anstrengungen zu honorieren. Die blanke Ware erhalten die Menschen – auch nicht immer günstiger – im Netz. Zu echten Begegnungen kommt es dabei aber nicht.
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