Startseite
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten
Bissingen
Icon Pfeil nach unten

Kommunalwahl: „Manche fragen: ‚Was musst du mit vier Kindern noch in den Gemeinderat?‘“

Bissingen

Kommunalwahl: „Manche fragen: ‚Was musst du mit vier Kindern noch in den Gemeinderat?‘“

  • |
  • |
  • |
  • |
    Katharina Hurler (vordere Reihe, Fünfte von rechts) und Manuela Wanner (vordere Reihe, Vierte von links) führen die CBK-Liste an. Vertreten sind Frauen aus zehn Bissinger Ortsteilen.
    Katharina Hurler (vordere Reihe, Fünfte von rechts) und Manuela Wanner (vordere Reihe, Vierte von links) führen die CBK-Liste an. Vertreten sind Frauen aus zehn Bissinger Ortsteilen. Foto: CBK

    Der Wahlzettel in diesem Jahr wird in Bissingen wieder einigen Raum einnehmen: Auf einer Fläche von vier aneinandergeklebten DINA-4-Blättern werden zahlreiche Namen stehen, die sich um einen Sitz im Bissinger Marktgemeinderat bewerben. 16 Plätze gibt es abgesehen von dem des Bürgermeisters neu zu belegen. Bürgerinnen und Bürger können auf elf Listen auswählen, wer sie im Rathaus vertreten soll. In Bissingen soll es für die Wahl, die auf den Frauentag am 8. März fällt, wieder eine Frauenliste geben. Braucht es das noch im Jahr 2026?

    Wie so oft ist die Auswahl im Kesseltal groß. Elf Gemeinderatslisten gibt es in wenigen Kommunen im Landkreis Dillingen. Nur in Dillingen gibt es zwölf Listen und auch in Höchstädt treten mit elf Gruppierungen ähnlich viele für den Stadtrat an. Doch eine Frauenliste sucht man in den Wahlvorschlägen für die Kommunalwahl vergebens. Bereits bei der letzten Wahl, 2020, trat im Kesseltal eine Frauenliste an. Damals allerdings noch als Christliche Bürger Unteres Kesseltal (CBU), der Name verschleierte, dass es sich hier um eine reine Frauenliste handelte. Nun gibt es einen neuen Namen und offenbar auch ein gestärktes Selbstbewusstsein.

    KFZ oder doch CBK? Frauenliste in Bissingen hat sich neuen Namen gegeben

    „Erst dachten wir, wir nennen uns KFZ – Kesseltaler Frauen gestalten Zukunft“, sagt Manuela Wanner und lacht. „Die Abkürzung können sich auch die Männer merken.“ Doch das Votum fiel dann doch auf CBK – Christliche Bürgerinnen Kesseltal. Unter diesem Namen treten nun 16 Frauen an. Angeführt wird die Liste von Katharina Hurler und Manuela Wanner. Beide sitzen schon im Gemeinderat. Wanner als Rätin und Hurler als Ortssprecherin ohne Stimmrecht für den Ortsteil Thalheim. Ist ein Ortsteil nicht im Marktgemeinderat vertreten, werden für diese Ortsteile Ortssprecher bestimmt, die im Rat für ihre Dörfer eintreten können.

    Manuela Wanner ist als Gemeinderätin mit Stimmrecht im Gremium die einzige Frau. Wenn es nach den beiden geht, sollte sich das ändern. Mit der Verteilung der Kandidatinnen, die aus zehn Ortsteilen kommen, habe man versucht, das gesamte Kesseltal abzubilden. Die Gebiete seien in den Köpfen vieler immer noch getrennt, sagt Wanner.

    Unverständnis für ihr Engagement komme oft von „älteren Männern“

    Hurler sagt: „Wir haben eine bunte Mischung an Frauen, die mitten im Leben stehen.“ Neben Unternehmerinnen finden sich eine Softwareentwicklerin, eine Wirtschaftsfachwirtin, eine Landwirtin, eine Studentin, eine Köchin und zahlreiche andere auf der Liste. Hurler selbst ist Lebensmitteltechnikerin bei der örtlichen Molkerei und vierfache Mutter. Hurler erklärt, warum es eine Frauenliste braucht: „Ich werde manchmal angesprochen und gefragt: ‚Was musst du mit vier Kindern noch in den Gemeinderat?‘“, zitiert die 33-Jährige. Das Unverständnis anderer, dass sie und andere Frauen sich in der Lokalpolitik engagieren wollen, werde oft aber auch nur „durch die Blume“ ausgedrückt. „Das kommt ehrlich gesagt oft von älteren Männern“, sagt Hurler.

    Die Frage, warum Frauen in der Politik immer noch unterrepräsentiert sind, beantworten die beiden unterschiedlich. Manchmal würden sich Frauen wohl nicht trauen, meint Hurler. Wanner fügt hinzu, dass Männer Frauen oftmals auch nicht „nach vorne“ lassen wollten. Auch im Kesseltal seien zwei Frauen angegangen worden, nachdem diese signalisiert hatten, für den Gemeinderat kandidieren zu wollen, berichtet Wanner. „Frauen gehören einfach in die Politik, weil sie eine Intuition, eine soziale Verantwortung haben und familienfreundlich sind“, fasst Hurler zusammen. „Es heißt nicht, dass wir schlechtere oder bessere Entscheidungen treffen. Es geht darum, eine Stimme zu haben, zu diskutieren und am Ende zu einer Lösung zu kommen.“ Im Gemeinderat arbeite man sich in viele verschiedene Themen ein, erhalte tiefere Einblicke in unterschiedliche Felder, schwärmt Wanner.

    Frauenliste CBK unterstützt Stephan Herreiner bei Bürgermeisterwahl

    Einsetzen wollen sich die Frauen für eine Gleichstellung der Ortsteile, offene Gesprächsrunden in der Gemeinde, Räume für Begegnungen und einen Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürgern. „Wir haben schon ein sehr familienfreundliches Kesseltal“, sagt Hurler. Eine gute Kita, einen tollen Zeltplatz und eine „riesige Auswahl“ an Vereinen. „Das gilt es zu erhalten.“ Unterstützen werden die Frauen den einzigen Kandidaten für das Bürgermeisteramt: Stephan Herreiner von der CSU.

    Info: Folgende Gruppierungen werden auf dem Wahlzettel stehen: CSU/Bürgerblock, SPD, die Wählergemeinschaft Unterringingen und Umgebung (WGU), der Christliche Wählerblock Oberes Kesseltal (CWB), die Freien Wähler Bissingen, die FDP, die Freien Unabhängigen Wähler Unteres Kesseltal (FWU), Bürger wählen Bürger (BwB), die Stillnauer Liste, die Christlichen Bürgerinnen Kesseltal (CBK) und die Wählergemeinschaft Oberliezheim (WGO). Die Namen der Kandidierenden werden in Kürze von der Gemeinde veröffentlicht.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren