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Konjunkturumfrage Nordschwaben: Wirtschaft warnt vor Stagnation

Landkreis Dillingen

Stimmungstief in Nordschwaben: Wirtschaft warnt vor Stagnation

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    Bürokratie und strengere Auflagen verteuern Transportpreise, sagt TSB-Chef Edwin Beitinger. Die steigenden Kosten sorgen bei vielen Unternehmern für Unmut.
    Bürokratie und strengere Auflagen verteuern Transportpreise, sagt TSB-Chef Edwin Beitinger. Die steigenden Kosten sorgen bei vielen Unternehmern für Unmut. Foto: TSB

    Rund 140 Betriebe aus Nordschwaben haben der IHK im April ihre aktuelle Lage und ihre Erwartungen geschildert. Das Fazit ist ernüchternd: Der IHK-Konjunkturindex, den man als Gradzeiger der regionalen Wirtschaft bezeichnen kann, ist im Frühjahr 2026 auf 102 Punkte gesunken. Damit trennen das Stimmungsbild der Region nur noch zwei Punkte von der Wachstumsschwelle. Der langjährige Durchschnitt von 109 Punkten rückt damit weiter außer Reichweite. Die Rückmeldungen aus der Umfrage zeigen: Wirtschaftsvertreter in den Landkreisen Dillingen und Donau-Ries sehen sich von einer Kombination aus globalen Krisen und standortspezifischen Problemen unter Druck gesetzt.

    Handel im Tief, Dillingen rutscht ab

    Ein Blick in die Teilregionen konkretisiert den Rückgang der Zuversicht. Im Landkreis Donau-Ries (103 Punkte) bewerten viele Betriebe ihre aktuelle Lage noch als stabil, die Erwartungen für die Zukunft haben sich jedoch verdüstert. Noch skeptischer blickt man im Landkreis Dillingen nach vorn: Mit einem Minus von sechs Punkten sinkt der Stimmungsindex dort auf 101 Punkte.

    Besonders kritisch schätzt der Handel laut Pressemitteilung seine Situation ein. Mit einem Branchenindex von 69 Punkten ist der Optimismus in diesem Sektor eingebrochen. Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher schlägt hier direkt durch. Christoph Denzel, Gesellschafter der Wertinger Holzfirma Alois Denzel, bezeichnet die Stimmung im Baugewerbe als „durchwachsen“. Durch die Kriegssituationen im Iran und in der Ukraine herrsche viel Unsicherheit. Die stark steigenden Kosten müssten auf die Kunden umgelegt werden, weil die Unternehmensgewinne keine Spielräume mehr zuließen. Dadurch werde weniger gebaut, obwohl der Bedarf eigentlich groß sei. Preiserhöhungen seien zwar im Baugewerbe normal, allerdings bewegten sich diese bei erdölbasierten Produkten aktuell bei bis zu 30 Prozent, so Denzel. Der Unternehmer erhofft sich von der Bundespolitik mehr Planungssicherheit und konkrete Entscheidungen, denn: „Entscheidungen, die heute nicht getroffen werden, werden uns in Zukunft auf die Füße fallen.“

    Dienstleistungssektor als letzte Stütze

    Dass die Stimmung in Nordschwaben insgesamt noch im positiven Bereich liegt, verdankt die Region dem Dienstleistungssektor. Mit 109 Punkten ist er die letzte Stütze für das konjunkturelle Klima. Edwin Beitinger, Geschäftsführer des Transport-Service-Beitinger (TSB), spricht von einer zufriedenstellenden Auslastung in seinem Gewerbe. Aufträge gebe es genug, oftmals würden diese aber durch die immense Bürokratie ausgebremst. „Wir verwalten uns zu Tode“, sagt der Unternehmer. Die Durchführung der größtenteils genehmigungspflichtigen Transporte sei eine ständige Herausforderung und führe zu einer enormen Kostenexplosion. TSB liefere viel für den Maschinenbau, erneuerbare Energieversorgung und neue Rechenzentren. Ausgerechnet die Vorgaben zum Energiesparen verteuerten aber diese Prozesse. Sattelzugmaschinen müssten, um den Auflagen zu entsprechen, häufig aerodynamischer werden. Die Mehrausgaben zahle am Ende aber der Verbraucher. Auch Elektro-Lkws seien in der Praxis aufgrund der fehlenden Ladeinfrastruktur keine Alternative und zudem fast dreimal so teuer.

    Die Zukunft des Standorts Dillingen sieht Beitinger aber positiv. Man habe eine gute Industrie und sei wirtschaftlich gut aufgestellt. Daher müsse man angreifen und Ärmel hochkrempeln, denn: „So richtig schlecht geht es uns gar nicht, wir jammern vielmehr auf sehr hohem Niveau.“

    Die wirtschaftliche Stimmung prägt Investitionen

    Das Risiko eines Stimmungstiefs: Es beeinflusst reale Geschäftsentscheidungen. Alexander Merenda, IHK-Regionalvorsitzender im Landkreis Dillingen, fasst die Bedeutung der Umfragedaten zusammen: „Die in Summe steigenden und sich in ihrer Struktur verändernden konjunkturellen Risiken wirken sich negativ auf die Investitions- und Beschäftigungspläne der regionalen Wirtschaft aus.“ Die Reaktion der Betriebe auf den pessimistischen Ausblick prägt den Standort: Wer skeptisch in die Zukunft blicke, verschiebe Investitionen und halte sich bei Neueinstellungen zurück. Andreas Dirr, IHK-Regionalvorsitzender im Donau-Ries, betont zudem, dass die finanziellen Spielräume aus Sicht der Unternehmer enger werden – ein wachsender Nachteil im internationalen Wettbewerb.

    Forderung nach neuem Kurs

    Die Appelle der IHK-Spitzenvertreter an die Politik fallen entsprechend deutlich aus. Nordschwaben verfügt über mittelständische Unternehmen und Industrie, aber dieses Potenzial stehe unter Druck. Was die Chefetagen laut IHK fordern, sind verlässliche Rahmenbedingungen: wettbewerbsfähige Energiepreise, ein spürbarer Abbau von Bürokratie und schnellere Genehmigungen. Bleiben diese Reformen aus, dürfte die Wirtschaft nicht mehr nur die Sorge vor einer Stagnation abbilden, sondern einen weiteren Einbruch der Konjunktur vermelden. (mit AZ)

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