Gibt es wieder ein Sommermärchen? 2006 war der Jubel in der Dillinger Königstraße nach dem Viertelfinalsieg der deutschen Elf gegen Argentinien groß.Foto: Berthold Veh (Archivbilder)
Es ist wieder so weit: Das größte Fußball-Spektakel der Welt läuft seit Donnerstag. Bei der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada ist diesmal allerdings vieles anders – mehr Teams, drei Gastgeberländer und ungewohnte Anstoßzeiten mitten in der Nacht. Doch hält das die Fans wirklich vom Einschalten ab? Wir haben im Landkreis Dillingen nachgefragt, wie die Stimmung tatsächlich ist.
Joshua Günter lässt kein wichtiges Fußballspiel aus.Foto: Anna-Lena Kunz
Für Fußballfan Joshua Günter aus Dillingen ist der Sport fester Bestandteil seines Alltags: Ob Champions League oder WM – kein wichtiges Spiel wird verpasst. Dem Turnier in Amerika blickt er allerdings mit gemischten Gefühlen entgegen. Die USA, Kanada und Mexiko seien „nicht der perfekte Ort“, am Ende aber „schon ganz okay“. Die Vorfreude überwiege. Trotz der großen Distanz zu den fernen Austragungsländern lasse er sich die Begeisterung auf keinen Fall nehmen.
Optimistisch tippt Günter, dass die deutsche Elf mindestens das Viertelfinale erreicht. Seine Unterstützung ist Ehrensache: „Ich lebe in Deutschland, genau deswegen unterstütze ich mein Land.“ Letztlich zähle für ihn vor allem das gemeinsame Mitfiebern.
Hoffnung aufs Halbfinale
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Enes Vehebi, der das Turnier alle vier Jahre fest in seinen Terminkalender einplant. Da sein Heimatland nicht qualifiziert ist, drückt der Fußballfan der deutschen Elf die Daumen. „Natürlich als Deutscher bin ich Deutschlandfan“, erklärt er. Da er hier lebe, sei es für ihn selbstverständlich, das die Nagelsmann-Elf zu unterstützen, auch wenn er parallel andere Nationen verfolge.
Das Turnier in Amerika sieht Enes Vehebi positiv, äußert aber Kritik an den Spielzeiten. Für eine abschließende Meinung müsse man jedoch erst „schauen, wie es abläuft“. Sportlich ist Vehebi optimistisch und überzeugt, dass Deutschland das Halbfinale erreichen kann – der Glaube an einen großen Erfolg ist jedenfalls da.
Christine Schülling will die Fußball-WM mit ihrem Sohn anschauen.Foto: Anna-Lena Kunz
Für Christine Schülling steht bei der Fußball-Weltmeisterschaft vor allem der familiäre Aspekt im Vordergrund. Sie schaue das Event nicht regelmäßig alle vier Jahre an, verfolge es diesmal aber zusammen mit ihrem Sohn. Das Turnier werde so zum Gemeinschaftserlebnis mit der Familie. Dem deutschen Team sichert sie ihre Unterstützung zu, auch wenn sie bezüglich des sportlichen Erfolgs noch etwas zögerlich ist. Schülling vermutet, dass es für Deutschland in diesem Jahr bis zum Viertelfinale reichen könnte.
Über die Hintergründe der Organisation und die politischen Debatten rund um das Mammutprojekthabe sie zwar keine klare Meinung, wohl aber zum Austragungsort. Besonders ein Gastgeberland hat es ihr angetan: „Kanada finde ich super, da es einfach ein tolles Land ist.“ Diese Begeisterung hat auch familiäre Gründe: „Die Kinder beneiden die Kanadier“, erzählt sie schmunzelnd. Grund dafür sei ein Gerücht, wonach die Schüler in Kanada wegen der WM früher Ferien bekommen sollten.
Corinna Kratzer aus Buttenwiesen traut der Nagelsmann-Elf mindestens das Viertelfinale zu.Foto: Corinna Kratzer
Ganz anders blickt Corinna Kratzer von der Buttenwiesener Gärtnerei Passflora auf die WM. Als großen Fußballfan bezeichnet sie sich zwar nicht, bei einer Fußball-Weltmeisterschaft sei sie aber auf jeden Fall dabei – vor allem bei den „wichtigen Spielen“. Diese schaut Kratzer je nach Anstoßzeit mit Freunden oder später am Abend gemeinsam mit ihrem Mann vor dem Fernseher.
Für das deutsche Team zeigt sich die Firmenchefin optimistisch: Deutschland habe gute Chancen und werde es „ein Stückle weit“ schaffen, das Viertelfinale traue sie der Mannschaft definitiv zu. Der Nagelsmann-Elf drückt sie zwar die Daumen, betont aber, dass es „viele gute Mannschaften“ gibt.
Wegen der „Machenschaften der FIFA und von Donald Trump" lässt der Wertinger Alfred Sigg diesmal die Fußball-WM links liegen.Foto: Berthold Veh (Archivbild)
Der Wertinger Alfred Sigg hat mit dieser Fußball-WM nicht viel am Hut. „Diese Machenschaften der FIFA und von Donald Trump halten mich vom Zuschauen ab“, sagt der 84-Jährige. Unter anderem die Ausweitung auf 48 Mannschaften und die immer weiter fortschreitende Kommerzialisierung hält Sigg für fragwürdig. Der ehemalige Zweite Bürgermeister von Wertingen erinnert sich noch gut an den sensationellen ersten WM-Titel der deutschen Elf 1954. „Da war ich richtig am Radio dabei“, berichtet Sigg. Deutschland habe durch diesen überraschenden Sieg bei der Weltmeisterschaft nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg wieder an Ansehen gewonnen. Der Wertinger drückt der deutschen Elf insgeheim dennoch „ein bisschen die Daumen“. Die Nagelsmänner werden seinen Worten zufolge wohl die Vorrunde überstehen. Sigg sagt: „Für Curaçao dürfte es reichen.“ Anstoß ist am Sonntag um 19 Uhr. (mit bv)
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