Zu neunt stiegen die Lauinger Winterschwimmer am Sonntag in den Auwaldsee.Foto: Jonathan Mayer
Draußen, am Ufer des Auwaldsees, hat es um die null Grad. Leichter Schneefall setzt ein. Doch die Winterschwimmer hält das nicht auf, im Gegenteil. Das widrige Wetter motiviert den ein oder anderen sogar, ins kalte Wasser zu steigen. Claudia Gratzl-Schnalzger aus Gundelfingen stapft in Richtung Wasser und hält ein Thermometer rein. "5,2 Grad", verkündet sie. Ein anderer Teilnehmer ergänzt: "Also fünf Minuten." Alle machen sich bereit, ziehen ihre Jacken und Hosen aus – und schon stehen sie im Wasser.
Schon vor dem Bad im kalten Wasser ist die Freude groß.Foto: Jonathan Mayer
Nur in Badehose steigen sie in den Auwaldsee
Neun Personen haben sich an diesem Sonntag am DLRG-Häuschen am Auwaldsee getroffen, um gemeinsam ins eisige Nass zu steigen. Gegründet hat die Gruppe die Lauingerin Marion Gruber. Sie hatte es selbst einmal ausprobiert – und bald wurde aus ihrem Selbstversuch ein neues Hobby. Zweimal pro Woche, so ihr Ziel, badet sie im kalten Wasser. Denn das tue ihr gut und es härte ab. "Es muss aber nicht immer jeder dabei sein", betont Gruber. Bei der Gruppe gehe es um den Spaß an der Sache. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Sonntag, sagt sie, haben sich auf einen Bericht unserer Zeitung hin bei ihr gemeldet. In einer Whatsapp-Gruppe spreche man sich dann wegen der Termine ab.
Alfred Schuster hat nicht nur die Pinguin-Mütze ausgepackt, sondern auch Neopren-Handschuhe dabei.Foto: Jonathan Mayer
Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat das gemeinsame Bad schon Eventcharakter. Die Vorfreude ist allen ins Gesicht geschrieben, die Stimmung gut. Nur wenige sind angesichts der Temperaturen etwas skeptisch. Als die Gruppe ins Wasser geht, hört man tiefes Einatmen, aber kaum einer jault auf. Diese Leute sind offenbar hart im Nehmen – und sorgen mit ihrer Aktion für grinsende Gesichter und so manchen Kommentar von Spaziergängern, die in Schichten aus Pullovern und Jacken ihren Sonntagsspaziergang machen. Die meisten Winterschwimmer hingegen tragen nur Badehose oder -anzug, Mützen, einige auch Neopren-Füßlinge und -Handschuhe, damit sie nicht auskühlen. Und dann stehen sie da im Wasser. Nur zwei wagen es, ein wenig zu schwimmen. Für den Rest ist Aushalten die Devise. Die Haut, die nicht von Badeanzügen oder Neopren bedeckt ist, färbt sich von der Kälte schnell rot. Fünf Minuten bleiben die meisten im Wasser, nach der Faustregel, die besagt, man solle so lang im Wasser sein, was das Thermometer anzeigt. Fünf Grad – fünf Minuten. Besonders Hartgesottene bleiben sogar ein paar Minuten länger im Auwaldsee.
Nicht jeder taucht auf Anhieb bis zum Hals ins Wasser.Foto: Jonathan Mayer
"Es ist nicht so schlimm, wie's aussieht", sagt einer
Alfred Schuster ist an diesem Tag mit dabei. Wie oft er das schon gemacht hat? "Freiwillig das zweite Mal", sagt er grinsend. Der passionierte Ruderer ist vor einigen Jahren auf der Donau mit seinem Boot gekentert, erzählt er, und musste danach den ganzen Weg von der Staustufe zurückrudern. "So schnell war ich noch nie daheim." Im Vergleich dazu sei der Gang in den Auwaldsee angenehm. "Ich find's toll", sagt er. Die erste Minute sei jedes Mal herausfordernd, "aber danach geht's". Und weiter: "Es ist nicht so schlimm, wie's ausschaut." Er mache es vor allem für das Gefühl danach, wenn der Körper langsam wieder aufwärmt. Beim ersten Mal habe es etwas gedauert, bis er sich habe überwinden können. "Aber die Glücksgefühle überwiegen am Ende", ist sich Schuster sicher. Aus ihm werde wohl "ein Wiederholungstäter". Schuster betont aber auch: Wer zum ersten Mal beim Winterschwimmen mitmacht, solle sich Zeit lassen. Es schade auch nicht, vorher mit dem Hausarzt zu sprechen.
Wenn man erst mal im Wasser ist, sagen die Teilnehmer, ist es gar nicht mehr so schlimm.Foto: Jonathan Mayer
Über die zwanglose Gruppe freut sich auch Dieter Panhans. Der Lauinger war schon öfter beim Eisbaden. Vergangenes Jahr habe er mit dem Winterschwimmen im Auwaldsee angefangen. "Jetzt brauch’ ich dieses Jahr nicht allein schwimmen", sagt er. Panhans ist durchaus kälteres Wasser als jenes im Auwaldsee gewohnt. Er erzählt von einem Ausflug an den Hintertuxer Gletscher in Österreich, wo er ebenfalls ins (diesmal wirklich) eiskalte Wasser gestiegen ist. "Dagegen ist das hier kuschlig warm", sagt er und lacht.
Nach dem Bad trocknen sich die Winterschwimmer schnell ab und mummeln sich in ihre Kleidung ein. Dann geht es für alle heim ins Warme – bis zum nächsten Treffen.
Info: Wer Lust hat, die Winterschwimmer zu begleiten, meldet sich bei Marion Gruber unter winterschwimmen-lauingen@web.de.