Schon immer gehört zur Fasnacht die Lust am Sich-Verkleiden. Bälle in der „fünften Jahreszeit“ gehen darauf gern ein und geben Mottos vor, die zu exotischer, fantastischer, historischer oder futuristischer Kostümierung anregen. Das wahrscheinlich früheste bekannte Motto für einen Lauinger Fasnachtsball lautete: „Lauingen im Jahre 2000 oder: Die Einweihung des neuen Donau-Main-Rhein-Nordseehafens“. Veranstaltet wurde der Event von den Turnern im Jahr 1914, wenige Monate vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Zur Einladung (oder zur Erinnerung?) an die Veranstaltung gab es eine Bildpostkarte, die vor kurzer Zeit ins Stadtarchiv gelangt ist. Sie zeigt die Grafik eines Hobby-Künstlers, der sich, passend zum Thema des Tanzabends und wohl auch noch inspiriert vom Fortschrittsoptimismus der kaiserzeitlichen Gründerjahre, eine lustige Vedute Lauingens ausgedacht hatte. In seiner naiven Komposition hat er vieles versammelt, was ihm in einem knappen Jahrhundert möglich erschien: die Anbindung seiner Stadt an die große weite Welt – zu Lande, zu Wasser und in der Luft.
Lauingen
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