Viele kennen das Gebäude, doch nur wenige wissen wahrscheinlich um die Geschichte des großen Hauses an der Lauinger Donaubrücke: Das Schneckensteinhaus war einst akut einsturzgefährdet, bevor es dank des Engagements einiger Beteiligter gerettet werden konnte. Der Verein Kulturmarkt Lauingen hat kürzlich in einer Vortragsreihe über diese Geschichte informiert.
Durch die Sprengung der Donaubrücke durch Pioniere der Nazis im Zweiten Weltkrieg wurde das ursprüngliche „Pfeiferhaus“ (Schlosserei Pfeifer) stark beschädigt. Das Dach wurde danach mit Aluminiumblech bedeckt, um das Gebäude vor Regen zu schützen. Anderes Material gab es damals nicht. Ursprünglich war das Blech für die Produktion des ersten Düsenjets Me262 vorgesehen, den die Nazis zum Ende des Krieges bauen ließen. In einem Lauinger Betrieb wurden Teile für dieses Flugzeug heimlich gefertigt.
Der damalige Stadtbaumeister von Lauingen schlug Alarm
Nach der Gründung der Bundesrepublik trauten sich mutige Menschen zu, wieder etwas zu unternehmen. Und so zog die Firma Robert Stein in das Haus an der Donaustraße und handelte überwiegend mit Schnecken. Fast alle Buben sammelten zur damaligen Zeit diese Tierchen und verkauften sie für ein paar Zehnerle an Stein. Die Firma selbst betrieb am Helmeringer Weg eine Schneckenfarm. Als Delikatesse geschätzt, wurden sie überwiegend nach Frankreich exportiert. Als sich dieses Geschäft aus familiären Gründen wieder erledigte, stand das Gebäude jahrelang leer, ehe es dann muslimische Arbeiter der Firma Ködel & Böhm bzw. Lagu kauften. Sie richteten dort ihre bescheidene Camî (ihren Gebetsraum) ein.
Damals wusste man durch ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten des Architekten Domes detailliert über die Schwachstellen des Hauses Bescheid. Doch keine staatliche Stelle reagierte. Als dann aber Stadtbaumeister Hippeli „Alarm schlug“, das jahrhundertealte Haus sei „wirklich akut einsturzgefährdet“, ersuchte der damalige Bürgermeister Georg Barfuß den Freistaat Bayern, ein sogenanntes Sanierungsgebot zu erlassen. Dem Ersuchen wurde stattgegeben, das Haus war daraufhin rechtlich unbenutzbar, denn die „Gastarbeiter“ konnten sich die Sanierung nicht leisten.
Ein Millioneninvest war für den Erhalt des Schneckensteinhauses nötig
Das schicksalhafte Glück für dieses Objekt war dann das Zusammentreffen des späteren Bauherrn Winfried Mayr und des Architekten Alfred Hitzler. Der Architekt kannte das Haus von Kindheit an und war von der Notwendigkeit einer Sanierung überzeugt. Bei einer Besichtigung des Hauses konnte er auch Winfried Mayr begeistern, das Gebäude samt dem ehemaligen Schlachthaus umfassend zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Schon bald wurden aus „Fantasien, Ideen und Konzepten“ konkrete Lösungen und Planungen. Im Herbst 1992 lag bereits das Nutzungskonzept, die Methodik der Instandsetzungen, ein straffer Zeitplan sowie ein Finanzierungsplan vor, es ging immerhin um ein Millioneninvest. Viele öffentliche Behörden, Fachplaner, Bauforscher, Statiker, Geologen und mehr waren zu beteiligen und in den Planungsprozess einzubinden.
Als es dann noch gelang, geeignete und engagierte Baufirmen zu motivieren, ein Schmuckstück zum Leben zu erwecken, wurde zusammen mit der Stadtverwaltung, der Städtebau Kempten und dem Landesamt für Denkmalpflege ein „Dream-Team“ geschaffen. Die baurechtlichen, statischen und bautechnischen Schwierigkeiten waren gigantisch, doch das faire Miteinander war der Schlüssel zum Erfolg, sie zu überwinden. Nur so war es möglich, das städtebauliche Juwel wiederzubeleben und zum Strahlen zu bringen.
Im Frühling 1993 begannen die Sicherungsmaßnahmen am Objekt und bis Juli 1994 liefen die Arbeiten an der Baustelle. Die Abfolge der Details jener gemeisterten Herausforderung „Schneckensteinhaus“ schilderten im gut besuchten Saal des Kolpinghauses der Bauherr Winfried Mayr, der Architekt Alfred Hitzler, der Statiker Hans Then und der damalige Bürgermeister Georg Barfuß. Mit großem Beifall wurden die Sanierung des Schneckensteinhauses und die Vorträge der damaligen Macher bedacht.
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