Legenden auf Rädern: In Gundelfingen sind Oldtimer-Bulldogs wieder hoch im Kurs
Gundelfingen
Legenden auf Rädern: In Gundelfingen sind Oldtimer-Bulldogs wieder hoch im Kurs
Die neuen „Oldtimer Freunde Gundelfingen“ bringen die alten Modelle wieder auf die Straße und erfahren dabei viel Zulauf. So kam die Geschichte ins Rollen.
Mitglieder und Gönner der neuen „Oldtimer Freunde Gundelfingen“ posieren für den Fototermin mit unserer Redaktion. Dabei tragen sie eigens entworfene Pullover.Foto: André Kiener
Künstliche Intelligenz oder VR-Brillen gelten heute als Wunder der Technik. Doch was die Fließbandarbeiter und Schlosser nach dem Krieg in jenem Deutz-Werk fabrizierten, sind keine Hightech-Wunder, das sind Felsen, Institutionen. Ungeheure Arbeitsmaschinen. Rätsel der Langlebigkeit. Ein Beispiel ist der Traktor von Wolfgang Kindig aus Gundelfingen. Er hat einen Deutz FL 514, Baujahr 1954. Über Jahrzehnte „tagtäglich“ genutzt – und zwar schwer. „Er ist unkaputtbar“, schwärmt der 58-jährige Inhaber. Das grüne Gefährt wurde für 20 Jahre in den Winterschlaf geschickt, ehe es jetzt für die Oldtimer-Freunde wieder zum Laufen gebracht wurde. „Es hat mich einen Samstag gekostet“, sagt der Gundelfinger. Mit seiner Begeisterung ist er nicht allein. Offenbar schwappt eine kleine Oldtimer-Euphoriewelle durch das Donautal.
Der 27-jährige Patrik Wirtz hat die Euphorie kanalisiert
Maßgeblich losgetreten hat sie der 27-jährige Patrik Wirtz, der jetzt auch bei der Reaktivierung des alten Deutz geholfen hat. Wirtz hatte schon länger beobachtet, wie einige Traktorfahrer für Oldtimer-Treffen nach Finningen oder bis nach Hohenmemmingen (Stadtteil von Giengen) getuckert waren. „Dann habe ich gedacht, jetzt probierst du es in Gundelfingen auch mal. Wie sich bestätigt hat, ist es a super Sach gwora‘“, sagt Wirtz, während er vor dem Gasthaus Bayerischer Hof sitzt. Neben ihm wird geschnupft und geschwätzt. Unter anderem berichtet ein Mitglied, wie er nur wegen des Einbaus eines neuen Radios um das kostbare „H-Kennzeichen“ gebracht wurde. Schuld sei die Zulassungsstelle, scherzt er. Deutschland fährt eine klare Linie, wenn es um Seniorenmodelle geht. Sie müssen 30 Jahre alt sein, dann kann die Anerkennung als „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“ beantragt werden – also als Oldtimer.
Im Januar rief die Gruppe um Patrik Wirtz den Club ins Leben. Zum ersten offiziellen Treffen beim Frühjahrsmarkt seien prompt 50 Fahrzeug-Besitzer angereist. Sie haben den Kräuterständen schon ein wenig die Show gestohlen. Offenbar ist das Interesse groß: „Wir kriegen jeden Tag ein bis zwei Anfragen von nah und fern“, sagt Wirtz. Er ist vor allem auf Facebook aktiv. Ein eingetragener Verein ist die Gruppe bislang nicht, da aber Peter Wanner und zwei weitere Mitglieder im historischen Bürgerverein aktiv sind, können sie als eine inoffizielle Unterabteilung angesehen werden. 23 feste Mitglieder sind es bereits.
Inhaber über alten Porsche 108K: „Du hörst jeden Takt, wenn du damit fährt“
Markus Jaser aus Untermedlingen ist einer von ihnen. Bevor er das Lebensgefühl auf den Punkt bringt, kurbelt er seinen roten Porsche 108K Junior an. Schwer schnaufend und stockend kommt der alte Traktor in Gang. Als Außenstehender befürchtet man, dass dem Porsche die Luft ausgeht, doch er packt es, die Kolben zünden, der Motor läuft. „Es entschleunigt. Es hat Charakter. Du hörst jeden Takt und wenn du damit fährst, nimmst du die Landschaft ganz anders wahr“, schwärmt Jaser. Mit Blick auf die anderen Fendt- und Deutz-Traktoren und den ikonischen Rallyewagen der Marke „Simca“ hält Jaser fest: „Alles, was man hier sieht, hat einfach noch Charakter.“ Er arbeitet sonst hauptberuflich in der technischen Redaktion eines Industriebetriebs, für ihn sind das Tüfteln und Traktor-Fahren ein willkommener Ausgleich zum Büroalltag.
Bei Wirtz ist es anders. Er hat sich schon von klein auf für die Landwirtschaft interessiert. „Nach der Schule habe ich immer den Ranzen ins Eck geschmissen und bin dann los“, erinnert sich der Schwabe. Er arbeitet heute als Garten- und Landschaftsbauer und hat sich kürzlich einen Fendt Farmer D2 angeschafft. Die Modellreihe Fendt Farmer war in den 1960er-Jahren einer der Lieblinge in Süddeutschland und ist heute noch in vielen Scheunen und Garagen vorzufinden.
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Oldtimer-Freunde Gundelfingen suchen ein Zuhause
Jetzt treffen sich die Oldtimer-Freunde einmal im Monat und beim Umzug der Freiwilligen Feuerwehr Peterswörth am 12. Juli sind sie auch schon fix eingeplant. Selbes gilt für das Erntedankfest im Herbst. Wirtz und seine Freunde suchen nun eine Halle oder eine große Scheune in Gundelfingens Umgebung und würden sie gerne anmieten.
Die Altersspanne der Oldtimer-Freunde schwankt übrigens von 20 bis 83, berichtet Initiator Wirtz. Ein schickes Logo gibt es auch schon, und so wie es aussieht, wird eine Vereinsgründung in Erwägung gezogen. Die Oldtimer-Freude laden alle Interessierten ein – im Besitz eines Fahrzeugs müsse man auf keinen Fall sein. Es braucht nur die Liebe für den alten Bulldog.
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