Es ist die Mischung aus Freundschaft und dem Willen, sich gemeinschaftlich für andere zu engagieren, die Robert und Ulrike Müller in den Lions-Club Dillingen geführt haben. „Drei Freunde waren schon im Club, als ich gefragt wurde, ob ich mitmachen will“, erinnert sich Robert Müller. Und seine Frau Ulrike nennt unter den vielen Benefizaktionen den Verkauf der Feuerzangenbowle auf dem Dillinger Christkindlesmarkt für den guten Zweck. „Das ist ein Gemeinschaftserlebnis, das Spaß macht“, sagt die Dillingerin auf Anfrage am Ende eines großen Festakts im Stadtsaal. Dort hat der Lions-Club Dillingen am Samstagabend mit etwa 200 geladenen Gästen sein 55-jähriges Bestehen gefeiert.
Die Feier eines 55. Jubiläums ist etwas ungewöhnlich. Dies liegt aber daran, dass der Lions-Club das halbe Jahrhundert vor fünf Jahren wegen der Coronapandemie nicht feiern konnte. Zum Festakt sind mehrere Politiker und Vertreter befreundeter Lions-Clubs aus Donauwörth, Delmenhorst und Bondeno gekommen, ein Lions-Löwe (im Kostüm der Wertinger Rainer Schaller) begrüßt die Gäste. Der Dillinger Lions-Präsident Manuel Stöckle betont: „55 Jahre Lions-Club Dillingen, das sind 55 Jahre Engagement, Gemeinschaft und Überzeugung, dass man gemeinsam mehr bewegen kann als alleine.“
Der Lions-Adventskalender „ist ein wahres Erfolgsmodell“
Oberbürgermeister Frank Kunz stellt fest, dass Dillingen die Stadt der Caritas sei. Dazu leiste der Lions-Club Dillingen mit seiner gelebten Nächstenliebe einen unverzichtbaren Beitrag. Der Rathauschef nennt die Bandbreite des sozialen Wirkens des Clubs, die von Hilfslieferungen nach Simbabwe bis zur Unterstützung der Dillinger Tafel reicht. „Ein wahres Erfolgsmodell“ sei seit 14 Jahren der Lions-Adventskalender. Erst im Januar hat die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung, erneut 8000 Euro durch diese Aktion erhalten. Insgesamt brachte der Adventskalender alleine dem Leserhilfswerk, das mit Geschäftsführer Oliver Jaschek vertreten ist, eine Spendensumme von 118.000 Euro ein. Das Motto der Lions We serve (wir dienen) sei „ein herausragender Leitspruch“, sagt Landrat Markus Müller: „Wir feiern heute 55 Jahre gelebtes Engagement für die Mitmenschen.“
Der Governor (Leiter) des Districts Bayern-Süd, Markus Steckeler, betont, dass die Freundschaft der Mitglieder die Lions-Clubs zu etwas Besonderem mache. Er liest eine Gemeinschaftserklärung für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit aus der Multi-District-Versammlung in Stuttgart vor. „Freiheit, Respekt und Solidarität sollen die Grundlagen des Zusammenlebens in Deutschland und in Europa bleiben“, sagt Steckeler.
Die Geschichte des Lions-Clubs Dillingen erzählt Bernd Brenner. Er erinnert an die Gründung der Lions-Bewegung durch Melvin Jones im Jahr 1917 in den USA. „Aufgeschlossene Bürger sollten ihre Fähigkeiten und Netzwerke nicht nur für den eigenen Erfolg nutzen, sondern für das Wohl der Gemeinschaft“, zitiert Brenner die Vision des Gründers. Der frühere Landtagsabgeordnete und Gründungspräsident Otto Meyer habe schließlich 1970 „angesehene Bürger aus der Stadt- und dem Landkreis Dillingen“ für die Mitwirkung in einer Gemeinschaft begeistert, „die sich sozial engagiert und zeitgemäße Anforderungen verantwortungsvoll erfüllt“.
Brenner nennt viele Bereiche, in denen sich die etwa 40 aktiven Mitglieder der Dillinger Lions engagieren: Kinderheim Gundelfingen, Familien mit kranken Kindern (Verein Glühwürmchen), Gesundheitsförderung und Suchtprävention an Grundschulen, musikalische Bildung, bewussterer Umgang mit Wasser und Hygiene sowie Förderung der Augengesundheit in Afrika, Arznei- und Hilfsmittel für Menschen in Krisenregionen. Brenner betont: „We serve, wir dienen – mit Herz und dem festen Willen, die Welt ein Stückchen besser zu machen.“
Die Liedermacherin Sarah Straub gibt dem Festakt als Moderatorin Glanz. Sie singt unter anderem ihr Lied „Mein Glück“. Manuel Stöckle zeichnet Rainer Schaller wegen dessen Engagement für ein Jugendcamp mit dem „Governor Award“ aus. Die Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Gabriele Schmidt, sagt, der Staat könne nicht alle Anforderungen des Lebens abdecken, und lobt das Engagement der Lions: „Sie sind die Elfe, die überall in die Lücke springt, wo noch etwas gebraucht wird.“
Ein neues Projekt der Dillinger Lions wird präsentiert
Oberbürgermeister Kunz präsentiert ein weiteres Projekt der Dillinger Lions und der Stadt. So sind im Pausenhof der Grundschule Platanen gepflanzt worden, die Schatten spenden.
Für einen kurzweiligen literarischen Ausklang des offiziellen Teils sorgt Schriftsteller Marcus B. Hartmann. Er nennt Persönlichkeiten wie Baumeister Johann Alberthal, König Ludwig XVIII., Mozart und Sebastian Kneipp, die alle in Dillingen waren. Auch Friedrich III., so Hartmann, habe wohl im Gegensatz zu Kanzler Friedrich Merz gewusst, wo Dillingen liegt.
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