Landkreis „Spätestens wenn ich das Blut abnehme, fängt es im Kopf an zu arbeiten“, sagt Dr. Uta-Maria Kastner. „Denn wenn man sicher wüsste, dass man negativ ist, würde man sich ja nicht testen lassen.“ Zwischen 30 und 40 Menschen nehmen pro Jahr das Angebot wahr und unterziehen sich beim Dillinger Gesundheitsamt einem anonymen und kostenlosen HIV-Test.
Eine Woche dauert es, bis das Ergebnis da ist. Wie es ausgefallen ist, erfahren die Getesteten immer in einem persönlichen Gespräch. „Damit man dann auch gleich Hilfe anbieten kann“, sagt die Leiterin des Dillinger Gesundheitsamtes. In fast allen Fällen falle der Test negativ aus. So stark die Anspannung der Besucher vorher gewesen sei, so groß sei dann die Erleichterung. Dass ein Test positiv ausfällt, das komme selten vor. Etwa alle fünf Jahre, schätzt Kastner. Ein Schock sei das für den Betroffenen immer. „Aber die, die ein positives Ergebnis haben, wissen ja vorher schon, dass sie ein gewisses Risiko hatten.“ Daneben helfe auch die Gewissheit, dass die Krankheit durch den medizinischen Fortschritt heute gut beherrschbar sei. „Das größte Problem sind für die Betroffenen immer die Fragen „Wie sage ich es meinem Umfeld, wem sage ich es, wem muss ich es sagen?“, weiß die Medizinerin. Wichtig sei die Zuversicht, dass sich ein positives Ergebnis nicht auf die Partnerschaft, die sozialen Kontakte oder das berufliche Fortkommen auswirke. „Da fehlt noch ein Stück weit das Bewusstsein.“ Ebenso, wie die Bereitschaft, sich einem Test zu unterziehen. Wer ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt habe, sollte sich testen lassen, empfiehlt Kastner. Denn je früher eine Infektion festgestellt würde, desto besser.
Risikogruppen seien vor allem Männer, die Verkehr mit Männern hätten, sowie Menschen mit wechselnden Partnerschaften. „Aber bei vielen Menschen hält sich im Kopf die Meinung „Das geht mich nichts an, sondern nur die anderen.“ Generell kämen immer dann mehr Menschen zum Test, wenn das Thema HIV stärker in der Öffentlichkeit präsent sei – wie etwa, als die HIV-Erkrankung der ehemaligen No Angels-Sängerin Nadja Benaissa öffentlich wurde. „Das merkt man dann sofort an den Zahlen.“
Insgesamt, sagt Kastner, sei zwar festzustellen, dass das Schreckgespenst AIDS durch die neuen Medikamente einiges von seinem Schrecken verloren habe. Dennoch sei das Thema, etwa bei den Jugendlichen, weiter präsent. Dies erlebe sie bei den Präventionskursen in den Schulen immer wieder. „Sie sind sich der Risiken sehr wohl bewusst.“
Dagegen habe sich in den vergangenen Jahren mehr die Altersgruppe der Menschen zwischen 25 und 40 als problematisch herauskristallisiert, in der die Partner häufiger wechselten und auch Seitensprünge ein Thema seien. Darum, so Kastner, sei es immer sinnvoll, dass sich beide Partner zu Beginn der Beziehung testen lassen. Eine Möglichkeit, die auch einige Paare annehmen würden. Eines der größten Probleme hat die Leiterin des Gesundheitsamtes dabei in der immer noch bestehenden Tabuisierung von Sexualität ausgemacht. Hier müssten die Menschen endlich lernen, darüber zu sprechen.